Mehmet Ünal stoppt Altin Zogaj brutal in Runde 9

Mehmet Ünal stoppt in der neunten Runde Altin Zogaj in Montréal.
Foto: Vitor Munhoz/Eye of the Tiger

Der Stuttgarter Altin Zogaj musste in Montréal eine schmerzhafte Niederlage einstecken und kam über Nacht ins Krankenhaus.

Es sollte der große Abend des Stuttgarters Altin Zogaj (17-1) werden. Im wichtigsten Kampf seiner Karriere traf er gestern im Casino Montréal in Kanada auf den türkischen Olympiateilnehmer Mehmet Ünal (15-0). Im Hauptkampf des Abends ging es um den WBC Continental Americas- sowie den WBA Continental-Titel im Halbschwergewicht.

Ünal galt vor dem Kampf als klarer Favorit. Seine starke Amateurlaufbahn sowie 14 explosive Auftritte bei den Profis hatten die türkische Boxhoffnung bereits zu einem WM-Contender avancieren lassen. Dennoch stellte sich Zogaj bewusst dieser Herausforderung. Er wollte sich international mit den Besten messen, denn langfristig betrachtet sind reine Aufbaukämpfe in Deutschland nichts, was einen Sportler wirklich voranbringt.

Zogaj glaubte fest an den Sieg und bereitete sich über Monate intensiv und kostspielig vor. Das war auch sichtbar, denn der Kosovare befand sich zweifellos körperlich in der Form seines Lebens.

Beide Boxer schenkten sich nichts

Der Kampf begann, und Montréal sah einen sehr gut aufboxenden Zogaj. Er bewegte sich viel – was in dem außergewöhnlich kleinen Ring jedoch sehr schwierig war – und brachte zahlreiche Jabs ins Ziel. Es war eindeutig eine Zogaj-Runde, doch gegen Ende wackelte der Stuttgarter, nachdem Ünal ihn mit einer Overhand unsauber am Hinterkopf traf. Eine Schrecksekunde, die deutlich machte, wie schnell ein Kampf durch Unsauberkeiten entschieden werden kann.

In der zweiten Runde zeigte sich ein ähnliches Bild. Wieder versuchte Zogaj, diszipliniert und beweglich aus der Distanz zu boxen, wurde dann jedoch erneut mit einem unsauberen Treffer in Nöte gebracht und wirkte leicht angeschlagen. Durch diese Wackler musste man davon ausgehen, dass die ersten beiden Runden auswärts verloren gingen, wodurch sich die Statik des Kampfes veränderte. Zogaj verlor fortan seine boxerische Linie und stellte sich Ünal proaktiv in der Ringmitte, wo beide Männer eine gnadenlose Schlacht lieferten. Das war gut für die Zuschauer, die einen rasanten Kampf sahen, zugleich aber schlecht für Zogaj, da er sich auf das Spielfeld von Ünal begab, der im Infight als Volumepuncher bekannt und berüchtigt ist.

Zogaj war zu tapfer für sein eigenes Wohl

Mehmet Ünal gegen Altin Zogaj.
Foto: Vitor Munhoz/Eye of the Tiger

Der Kampf verlagerte sich zunehmend in die zweite Kampfhälfte, und spätestens ab der siebten Runde wurde das Bild eindeutig. Zwar lieferte Zogaj in der sechsten Runde noch tolle Hakenserien ab und gewann diese womöglich sogar, doch die siebte Runde ging klar an Ünal. Zogaj wackelte nach einer Overhand und geriet in eine schwere Krise. Fortan war zu erkennen, dass der harte Kampf Substanz gekostet hatte und Zogaj zunehmend müder wurde. Zwar versuchte er weiterhin Akzente zu setzen, doch seine Aktionen verloren an Dynamik, während er selbst sehr viele Treffer einstecken musste.

In der achten Runde wurde das Bild schließlich sehr deutlich. Zogaj verlor zeitweise den Mundschutz, der gefühlt einmal quer durch das gesamte Casino flog, zudem kam es zum ersten Niederschlag. Zogaj war im roten Bereich und schien mit den Kräften am Ende. Offenkundig war, dass er den Kampf nicht mehr drehen konnte und man ihn hätte herausnehmen müssen. Erschreckenderweise wurde er von seinem Trainer Istvan Szili dennoch in die neunte Runde geschickt, wo er prompt gestoppt wurde. Ein Szenario, das so nicht hätte passieren dürfen, denn nach der achten Runde war der Kampf abbruchreif.

Der kanadische Promoter Camille Estephan zeigte sich nach dem Kampf dennoch beeindruckt von der Zähigkeit Zogajs und lobte ihn in höchsten Tönen:

„Wir wissen, dass Mehmet Ünal ein Mann ist, der extrem hart schlägt“, erinnerte Estephan. „Der Typ (Zogaj) ist sehr, sehr mutig. Ich habe noch nie jemanden mit so einem Kinn und mit so einem Mut gesehen. Zu mutig sogar – und der Coach hat geschlafen.“

Zogaj kam über Nacht ins Krankenhaus

Zogaj wurde nach dem Kampf direkt in ein Krankenhaus in Montréal gebracht, wo er die Nacht verbrachte. Glücklicherweise wurde nichts Bedrohliches festgestellt, sodass es ihm den Umständen entsprechend gut geht und das Krankenhaus wieder verlassen konnte. Boxen1 bekam die Gelegenheit, mit ihm zu sprechen.

„Die Kanadier haben sich echt gut verhalten. Es kam der Matchmaker ins Krankenhaus, der alles geleitet hat, der war bis spät da. Er hat meinen Bruder und Istvan hergefahren. Er hat alles bezahlt, den ganzen Aufenthalt und den Flug umgebucht. Das war sehr korrekt von ihnen, sie haben sich sehr gut verhalten“, lobte Zogaj die kanadischen Ausrichter gegenüber Boxen1.

Zudem wollte er noch eine Lanze für seinen Trainer Istvan Szili brechen, den er explizit in Schutz nahm: „Es war nicht seine Schuld. Ich habe selbst mit ihnen in der Ecke geredet und gesagt, alles passt – mir geht es gut. Wir hatten ständig Augenkontakt“, so Zogaj.

Dzmitry Asanau siegreich auf der Undercard

Dzmitry Asanau stoppt Carlos Ramos.
Foto: Vitor Munhoz/Eye of the Tiger

Im Co-Mainevent des Abends stand das spannende Leichtgewicht Dzmitry Asanau (12-0), der seinen WBC Continental Americas-Titel erfolgreich gegen den Ersatzgegner Carlos Ramos (18-4-1) verteidigte. Ramos war deutlich kleiner und wurde von Asanau, der zuvor bei Universum unter Vertrag stand, klar ausgeboxt. Der chancenlose Ramos gab schließlich nach der sechsten Runde auf und verlor damit erstmals in seiner Karriere vorzeitig.

Olympiamedaillengewinner Wyatt Sanford (6-0) sicherte sich ebenfalls im Leichtgewicht einen weiteren Punktsieg. Zwar dominierte er das Gefecht gegen den Argentinier Alexis Gabriel Camejo (10-6-2), überzeugte dabei jedoch nur mäßig.

Deutlich eindrucksvoller verrichtete Keven Beausejour (2-0) seine Arbeit. Im Halbschwergewicht dominierte er das Geschehen gegen Petr Strnad (4-4-2) und stoppte diesen sehenswert in der zweiten Runde. Beausejour vereint Dynamik, Schlagstärke und Show-Elemente in seinem Kampfstil, der für das Profigeschäft sehr vielversprechend erscheint.

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