Markus Beyer – Ein persönlicher Nachruf!

Foto: 9EkieraM1 (CC BY-SA 3.0)

Auch zum Jahresende, muss die deutsche Box-Szene einen herben Schlag hinnehmen! Markus Beyer ist mit nur 47 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben. Der ehemalige dreifache WBC-Weltmeister im Supermittelgewicht zählt zweifellos zu den erfolgreichsten deutschen Boxern der Geschichte. BOXEN1-Redakteur Patrick Czerny erinnert in einem persönlichen Nachruf an den Boxer und den Menschen Markus Beyer.

„Mach’s gut, Markus!“ – Erinnerungen an einen Champion

Markus Beyer: War in den Jahren 1999 bis 2006 dreimal WBC-Weltmeister im Supermittelgewicht

Es fühlt sich immer noch unwirklich an, über Markus fortan nur noch in der Vergangenheitsform zu sprechen. Ich habe lange überlegt, wie wir von BOXEN1 seinen Nachruf gestalten – eben weil man es noch gar nicht begreifen kann. Auf seiner Facebook-Seite findet man als letzten Post einen BOXEN1-Artikel. Es war eine Einschätzung zum Kampf zwischen Oleksandr Usyk gegen Murat Gassiev, zu der ich ihn vor einigen Monaten gebeten habe. Doch neben aller Trauer und dem immer noch anhaltenden Schock, bin ich es ihm schuldig, sein sportliches Lebenswerk zu würdigen!

Im April des letzten Jahres, habe ich ihn in seiner Heimat Schwarzenberg im Erzgebirge besucht. Anlässlich eines ausführlichen Beitrages über seine sportliche Laufbahn (Markus Beyer: Das große BOXEN1-Portrait) haben wir, bei einer Tasse Kaffee, stundenlang gesprochen. Natürlich hat er mir auch von seinem größten Erfolg berichtet, dem Titelgewinn gegen Richie Woodhall im Oktober 1999. Markus war, nach Max Schmeling und Ralf Rocchigiani, erst der dritte deutsche Boxer, der im Ausland einen bedeutenden Titel gewann. „Ich war auch der erste Deutsche, der im Ausland nach Punkten Weltmeister geworden ist!“, fügte er mit einem Schmunzeln hinzu.

Bestritt insgesamt 39 Profikämpfe, von denen er 35 gewann.

Doch anstatt voller Euphorie in Erinnerungen zu schwelgen, erzählte er mir davon, dass er sich zunächst gar nicht so recht freuen konnte, über den WM-Titel. Da er gegen Woodhall im britischen Telford boxte, war die Halle zum großen Teil mit Hardcore-Fans seines Gegners gefüllt! „Ich hatte Sorge um meine Familie, die am Ring saß! Ich habe immer nur gedacht: ‚Hoffentlich eskaliert hier nichts‘!“, beschrieb Markus die aufgeladene Stimmung von damals! Dass er Woodhall insgesamt dreimal auf die Bretter schickte und trotz gebrochener Hand bis zum Schluss durchhielt, wurde von ihm nur am Rande bemerkt. Die Sorge, dass seine Lieben unbeschadet aus der Halle kommen, war größer, als der WM-Titel. Typisch Markus!

Ich habe selten einen so bodenständigen, bescheidenen, sensiblen und sympathischen Menschen erlebt! Selbst gegenüber denjenigen, die ihm in seinem Leben übel mitgespielt haben, bemühte sich Markus keinen Groll zu hegen! „Vorbei ist vorbei!“, sagte er in Hinsicht auf einige weniger schöne Erfahrungen, die er im Leben machen musste.

Markus Beyer im Kampf gegen Danny Green / Foto: Markus Beyer privat

Doch um auf seine Karriere zurückzukommen, funkelten seine Augen, wenn ich ihn nach seinen großen Erfolgen fragte. Vorallem der Rückkampf gegen Danny Green, im März 2005, lösten bei ihm schöne Erinnerungen aus: „Der Sieg gegen Danny Green war definitiv eines meiner größten Highlights!“ Nachdem Markus zwei Jahre zuvor nur durch Disqualifikation gewann, konnte er bei der Neuauflage gegen Green überzeugen und sich letztlich den verdienten Punktsieg sichern.

Als sich Markus im Oktober 2004 zum dritten Mal den WM-Titel mit einem Ko-Sieg über Christian Sanavia holte, war ich live in der Erfurter Messe-Halle. Natürlich hätte ich mir nicht vorstellen können, eines Tages ihm so nahezustehen, wie es in den letzten zwei Jahren der Fall war. Markus liebte das Boxen – bis zum Schluss! So besuchte ich ihn erst letztes Jahr in seinem heimatlichen Verein „Box-Club Erzgebirge“, wo er Kinder und Jugendliche an den Tatzen trainierte.

Markus Beyer (rechts) mit BOXEN1-Redakteur Patrick Czerny

Wieder sah ich dieses Funkeln in seinen Augen, als ich bemerkte, wie viel Spaß ihm die Arbeit machte! Wenn er Auszeit vom Boxen brauchte, spazierte er viel mit seiner Hündin Cookie. Im Rahmen vieler SES-Galas, die Markus als MDR-Experte begleitete, haben wir oft nach den Boxkämpfen auf den Aftershow-Veranstaltungen über Gott und die Welt geplauscht. Ich hatte manchmal das Gefühl, dass Markus nicht die Anerkennung entgegengebracht wurde, wie er es verdient hatte. Wenn ich heute die internationalen Berichterstattungen lese, bin ich traurig darüber, dass Markus diese Wertschätzung, die ihm erst nach seinem Tod zuteil wird, nicht mehr miterleben kann. Selbst der WBC (World Boxing Council) ehrte ihn gestern auf seiner offiziellen Homepage. Ich hoffe sehr, dass die meisten Menschen ihn so in Erinnerung behalten werden, wie ich: Als einen hervorragenden Boxer, mit einem knallharten linken Haken, und einen wunderbaren Menschen, den ich sehr vermissen werde. Mach’s gut, Markus!

Das gesamte BOXEN1-Team trauert um einen großen Boxer, Menschen und Kollegen. Unser aufrichtiges Beileid gilt seiner Familie und Freunden! Rest in Peace, Champion!!!

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