Manuel Charr vor Kanada-Debüt mit neuem Trainer in Österreich

trainingsteam_charr_oesterreich2Nach der lebensgefährlichen Schussverletzung und dem erfolgreichen Comeback am 4. Juni diesen Jahres, steht der Kölner „Diamond Boy“ Manuel Charr nun vor seiner nächsten schweren Aufgabe.

Manuel Charr wird aller Voraussicht nach am 10. September in Kanada auf einer Veranstaltung von Schwergewichtslegende Lennox Lewis boxen. Gehandelter Gegner ist der gebürtige Ukrainer Oleksandr Teslenko, welcher jeden seiner bisher 5 Profikämpfe gewann, vier mal davon vorzeitig. Teslenko wird in der unabhängigen Weltrangliste von Boxrec auf Platz 169 geführt, Charr auf Platz 34.

Zunächst könnte man denken, dass von diesem Gegner anhand des Rankings keine allzu große Gefahr ausgeht, doch der Schein trügt. Teslenko ist mit seinen 24 Jahren bereits ein sehr erfahrener Boxer, der eine lange Amateurlaufbahn hatte. Er bestritt 247 Kämpfe als Amateur, wovon er ganze 224 gewann. Der Umstand, dass der Ukrainer nun in Kanada residiert und als kommender Mann im Heavyweight gilt, macht das ganze Vorhaben nicht einfacher.

Grund genug, um mit Manuel Charr über dessen bevorstehenden nächsten schweren Kampf zu sprechen.

Exklusiv: Manuel Charr im Interview mit Boxen1

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Mit Oleksandr Teslenko boxt du aller Voraussicht nach gegen einen sehr starken Mann, der immerhin knapp 250 Amateurkämpfe nachweisen kann und lediglich 10% davon verlor. Überschätzt du dich nach Povetkin und Briedis nicht schon wieder mit dem Gegner?

Ich kenne meine Stärken und Schwächen und stelle mich grundsätzlich auf meine Gegner ein. Teslenko ist einer der möglichen Gegner, die derzeit im Gespräch sind.

Es kann also auch sein, dass du einen anderen Gegner boxt?

Ja, der Kampf steht noch nicht 100% fest.

Für den Fall, dass Teslenko der nächste Gegner ist: Was ist, wenn du wieder verlieren solltest? Gerade noch so ein schwerer KO wie gegen Povetkin oder Briedis wäre fatal für deine Karriere.

Povetkin ist einer der schlagstärksten Gegner, die man sich denken kann. Die letzten 2 Jahre vor meiner Schussverletzung waren für mich nicht gut gelaufen. Ich hatte viele Sorgen mit meiner im Kriegsgebiet Syrien lebenden Familie, um die ich mich kümmern musste. Das und einige andere Sorgen ließen mich meinen Fokus auf das Boxen und Siegen verlieren.

Gegen Briedis ging ich völlig unvorbereitet und mit viel Übergewicht in den Kampf. Ich brauchte das Geld dringend, um Familienangehörige aus Syrien zu retten. Mein kleiner Neffe war unmittelbar vor dem Kampf umgekommen.

Warum boxt du nicht erstmal noch 1-2 Aufbaugegener um wieder „reinzukommen“? Lockt dich wieder das Geld nach Kanada?

trainingsteam_charr_oesterreich3Es ist nicht das Geld, es ist mein Ziel, das mich nach Kanada führt. Dieses Ziel verfolge ich mit aller Kraft. Dafür trainiere ich jeden Tag, habe die besten Trainer, Sparringspartner und Coaches, die man sich wünschen kann.

Ich stehe zur Zeit in der Weltrangliste auf Platz 34 von 1389 im Schwergewicht. Ich habe 33 kämpfe gehabt und davon 29 gewonnen, 17 mal durch K.o.. Lediglich 4 Kämpfe habe ich verloren, allesamt gegen sehr starke Gegner (Vitali Klitschko, Alexander Povetkin, Mairis Briedis). Viele sind auch der Meinung, dass ich den Kampf gegen Duhaupas eigentlich gewonnen habe.

Du sprichst dein Team an. Inwieweit hat sich die Konstellation geändert? In der Vergangenheit hat man dich immer mal mit anderen Leuten gesehen. Wer verstärkt jetzt dein Team?

Mein Trainer ist Ismael Salas, der weltbekannte kubanische Top-Trainer und Weltmeistermacher (unter anderem bereits als Trainer für Danny Green, Yuriorkis Gamboa, Saen Sor Ploenchit, Yuandale Evans, Kazuto Ioka und Guillermo Rigondeaux tätig gewesen, Anm. d. Red.).

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Er ist extra für die Kämpfe in Kanada zu mir ins Camp angereist. Salas trainiert mich hier gemeinsam mit Yuriorkis Gamboa, der sich mit mir gemeinsam auf Kanada vorbereitet. Geplant ist für ihn ein WM-Kampf gegen Lomachenko.

Mein Investor Easy Motion Skin unterstützt mich tatkräftig und macht mir einen Großteil davon erst möglich. Mein Physiotrainer, Konditionstrainer und Mental-Coach ist Jopo Pötchger, ein unglaublich beeindruckender Mensch.

 

Was ist seit der Schutzverletzung anders in deinem Leben? Denkst du, dass du mental schon wieder fit genug bist für so eine starke Aufgabe wie Teslenko?

Ich bin mental wieder fit für das Boxen. Es spielt dabei keine Rolle, gegen wen ich kämpfe. Ich bekomme einen Termin, bereite mich vor und gehe in den Ring. Ich kann jeden Gegner boxen. Seit meiner Schussverletzung sehe ich manche Dinge anders. Ich habe meinen Fokus wiedergefunden und werde meine Ziele erreichen, das ist sicher.