
Luka Plantic lieferte Lester Martinez in Los Angeles einen harten Kampf – doch am Ende blieb der Traum vom WBC-Interimstitel durch einen umstrittenen Abbruch unerfüllt.
Am vergangenen Samstag fand das erste ProBox-Event im Rahmen der neuen 5-Euro-Kanalmitgliedschaft auf YouTube statt. Anlässlich dieser Neueinführung veranstaltete man das bislang größte Event seit Bestehen im gut gefüllten USC Galen Center in Los Angeles, Kalifornien.
Eine üppige Fightcard wurde auf die Beine gestellt, bei der es im Hauptkampf um die WBC-Interimsweltmeisterschaft im Supermittelgewicht ging. Dort verteidigte Lester Martinez (20-0-1) seinen Titel gegen die zuvor ungeschlagene Nummer 4 der WBC, Luka Plantic (13-1). Plantic, ein kroatischer Olympiateilnehmer, stand des Öfteren in Deutschland im Ring und wird von Promoter Ahmet Öner betreut. Nun wartete die Eintrittskarte für die große Weltmeisterschaft, doch zuvor musste der Interimstitel gewonnen werden – was auswärts eine überaus knifflige Aufgabe zu werden schien.
Ein Kampf mit stetigem Feuer
Von Beginn an sah Los Angeles einen aufgeheizten, stürmischen Hauptkampf, in dem sich beide Männer nichts schenkten. Plantic hatte als Auswärtsboxer den Druck, zu liefern und tendenziell mehr machen zu müssen – das spürte man. Immer wieder rannte er an und konnte Martinez zeitweise gut am Seil bearbeiten. Es war ein verheißungsvoller Start des Kroaten, doch Martinez fand in der zweiten Runde besser hinein und wirkte akkurater.
Trotz des hohen Schlagvolumens fanden Plantics Schläge nur selten klar ins Ziel, während die Aktionen von Martinez explosiver und erfolgreicher wirkten. Dies führte dazu, dass trotz eines optisch ausgeglichenen Duells die Mehrheit der Runden eher Martinez zuzuordnen war. Dennoch gab Plantic nicht auf und präsentierte einen packenden Kampf, in dem er starke Momente hatte, etwa in Runde sechs. Insgesamt lag er jedoch im Hintertreffen.
Überraschender Abbruch in Runde zehn
In den späteren Runden baute Plantic physisch etwas ab. In Runde zehn wurde er schließlich angezählt, wobei es sich um einen Jab zum Körper handelte, der einen Flash-Knockdown auslöste. Ringrichter Ray Corona entschied wenig später, den Kampf im Stehen abzubrechen, da Plantic seiner Auffassung nach zu viel nahm. Auch wenn Plantic den Kampf in den finalen Runden vermutlich nicht mehr gedreht hätte, war die vorzeitige Niederlage doch etwas fragwürdig und nicht zwingend notwendig.
„Luca ging nach einem Körpertreffer zu Boden, der aber keiner war – eher so ein Schubser. Aber das konnte man so machen, das ist halt Ausland. Der ist so rückwärts hingefallen, wie bei einem Ausrutscher“, beschrieb Promoter Ahmet Öner die Situation unmittelbar nach dem Kampf gegenüber Boxen1 und urteilte: „Der Kampf wurde in der zehnten Runde zu Unrecht gestoppt“
Lester Martinez STOPS Plantic in the 10th ROUND‼️ pic.twitter.com/8P282rsb9Y
— Hassan (@Hassanwellss) August 30, 2026
Mit der gelungenen Titelverteidigung träumt Lester Martinez von der WBC-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr. Sein potenzieller Gegner wird Ende Oktober zwischen Weltmeister Christian Mbilli und Box-Star Saul „Canelo“ Alvarez ermittelt, die in Riad aufeinandertreffen werden.
„Luka hat einen geilen Kampf gemacht, einen tollen Kampf, war sehr stabil und hat sich einen guten Namen gemacht. Man will ihn unbedingt wiedersehen. Er wird auch seinen WBC-International-Gürtel behalten. Ich denke, er wird in den Top Ten der Rankings bleiben, das hat er verdient. Und er ist einer, der es verdient hat, da oben mitzuboxen“, so Öner über die weiteren Aussichten seines Schützlings.
Für Plantic bedeutete die erste Niederlage einen temporären Rückschritt, aus dem nun die richtigen Lehren gezogen werden müssen.
„Ich hoffe, er lernt daraus. Er hat taktisch ein paar Fehler gemacht. Immer wenn er rausging und die Distanz hielt, war Martinez am Mann stärker. An den Seilen war Luca der Stärkere. Da fehlten teilweise die klaren Treffer, aber Martinez musste für sein Geld schwer arbeiten. Das war ein sehr schwerer Kampf für ihn. Er war auch sichtlich erleichtert nach dem Ende. Martinez hat da auch Blessuren gehabt und war mitgenommen. Es war kein einfacher Kampf für ihn. Der Kampf war auf Augenhöhe.“
Umstrittener Videobeweis führt zum vorzeitigen Sieg von Najee Lopez

Im Co-Main-Event des Abends war das Halbschwergewicht Najee Lopez (17-0) zu sehen, der sich gegen den Kolumbianer Juan Carrillo (15-1) messen musste. Lopez kam aus einem Fight-of-the-Year-Contender mit Manuel Gallegos und wollte den daraus entstandenen Hype nutzen, tat sich aber gegen den renommierten Amateurboxer Carrillo boxerisch schwer. Zwar investierte Lopez mehr und hielt die Ringmitte, die klareren Treffer hatte jedoch häufig Carrillo, wodurch es ein enger Kampf war.
In Runde neun folgte dann ein legaler Körpertreffer, der Carrillo zu Boden schickte. Lopez ließ sich bereits auf den Ringseilen feiern, der Kameramann lief in den Ring, ebenso ein leicht bekleidetes Ringgirl – nur der Ringrichter wollte nicht mitspielen, weil er nicht anzählte. Stattdessen ging der Kampf danach weiter, und Carrillo kam in die Rundenpause. Zu Beginn der zehnten Runde wurde dann nachträglich der Videobeweis angewendet und auf einen vorzeitigen Sieg für Lopez entschieden, was in der Handhabung skurril erschien.
An interesting case at ProBox in Los Angeles.
Najee Lopez (17-0) 🇵🇷 lands a regular body shot against Juan Carrillo (15-1) 🇨🇴 in round 9 that everyone saw (including the ring girl) except the referee.
The fight continued after that and the tenth and final round should have… pic.twitter.com/LKJElM6u1Y— Permante (@PermantexG) August 30, 2026
Veranstaltung ist auf YouTube abrufbar
Die Veranstaltung ist vollständig im 5-Euro-YouTube-Abo von ProBox abrufbar. Im Abo erhält man zudem auch die nächste ProBox-Show am 11. September, bei der Deutschlands Ex-Weltmeister Abass Baraou den Hauptkampf in Oceanside bestreiten wird.














