Lawrence Okolie siegreich in zerfahrenem „British Beef“

Die zahlreichen Zuschauer in der Londoner O2 Arena hatten sich auf ein actionreiches Duell der beiden Lokalmatadoren eingestellt. Doch die Erwartungen konnten nicht erfüllt werden.
Die zahlreichen Zuschauer in der Londoner O2 Arena hatten sich auf ein aktionreiches Duell der beiden Lokalmatadoren eingestellt. Doch die Erwartungen konnten nicht erfüllt werden.

Kampf verkommt zu Krampf

Dabei fing es vielversprechend an. Keine Minute war vergangen, da ging Isaac Chamberlain schon zu Boden und wurde vom Ringrichter angezählt. Doch was war geschehen? Wie in der folgenden Zeitlupe zu erkennen, traf Lawrence Okolie Chamberlain zwar mit der Führhand, doch seine anschließende Schlaghand segelte deutlich vorbei. Chamberlain ging also eher deshalb runter, weil er nach dem Jab abtauchte, sich die Beine der beiden Kontrahenten etwas verhakten und Chamberlain so aufgrund seines schlechten Stands die Balance verlor. Das Ganze hätte also nicht als Niederschlag zählen dürfen. Doch es kam noch dicker: im zweiten Durchgang wurde dem 23-jährigen Mann aus Brixton auch völlig überraschend noch ein Punkt für angeblich exzessives Halten abgezogen, ohne dass Referee Steve Gray ihn vorher ermahnt hätte. Im weiteren Verlauf des Kampfes sollte dieser seine Linie verlieren und trotz Halten, Klammern und Schieben auf beiden Seiten keine Punkte mehr abziehen.

Lawrence vs Okolie

Und so nahm das Elend seinen Lauf. In einem der schmutzigsten, unansehnlichsten Kämpfe der jüngeren Vergangenheit war es der physisch überlegene Lawrence Okolie, der zumindest etwas seinen Stil durchsetzten konnten. Der 1,96 m-Hüne brachte immerhin hier und da ein paar ordentliche Hände ins Ziel sowie eine Menge Halbtreffer, die ihn bei den Punktrichtern ins Vordertreffen brachten. In der sechsten Runde schien Okolie etwas Kraft zu lassen und Chamberlain fing an selbst nach vorne zu marschieren, nur um sich eine satte Rechte zu fangen, mit dem Handschuh den Boden zu berühren und so folgerichtig angezählt zu werden.

In letzten Teil dieses Gefechts änderte sich nicht mehr viel und man bekam das selbe Bild präsentiert: Okolie im Vorwärtsgang und mit der höheren Aktivität, die jedoch ständig im Clinch zu Nichte gemacht wurde. So waren die Fans in der Halle wohl erleichtert, als der finale Gong nach der zehnten Runde ertöne und das „Spektakel“ ein Ende hatte. Die Punkturteile waren dann eindeutig – 98-89, 96-90 und 97-89, jeweils für Lawrence Okolie. Der Olympia-Teilnehmer von 2016 strebt damit nach höherem, doch mit solchen Auftritten werden nicht allzu viele Fans sich für den 25-jährigen begeistern können.

Cheeseman

Ted Cheeseman bezwingt toughen Carson Jones

Viel ansehnlicher ging es vor dem Hauptkampf zu Werke. In einem bisweilen höchst unterhaltsamen Duell war es der Junge Boxer aus Birmingham, der im Verlauf der zehn Runden seinem amerikanischen Kontrahenten mehr und mehr seinen Stil aufzwingen konnte, nachdem speziell zu Anfang in Schwierigkeiten war. Jones startete wie von ihm gewohnt aggressiv. Er deckte  Cheeseman früh mit Kombinationen ein und dieser ließ sich darauf ein, anstatt seine Beweglichkeit zu nutzen. Dies ging so weit, dass Jones in der vierten Runde sogar so hart durchkam, dass er Cheeseman ein wenig anklingeln konnte. Dieser berappelte sich allerdings schnell und konnte noch in der selben Runde eigene Akzente setzten. Im folgenden war Carson Jones körperlich nicht mehr auf der Höhe und wurde vom jüngeren, frischeren Mann weitestgehend beherrscht. Dieser benutze in der zweiten Hälfte dann auch endlich seine Beine und seine Führhand und boxte aus der Distanz. Dies brachte ihm schlussendlich einen verdienten, einstimmigen Punktsieg ein.

British Beef Poster
Die restlichen Ergebnisse der Undercard:

Reece Bellotti besiegte Ben Jones durch TKO in Runde 6

Joshua Buatsi besiegte Jordan Joseph durch TKO in Runde 2

Felix Cash besiegte James Hagenimana durch TKO in Runde 5

Paul Butler besiegte Jefferson Vargas durch TKO in Runde 8

Charlie Edwards besiegte Ricky Little durch TKO in Runde 1

Gamal Yafai besiegte Jose Hernandez durch KO in Runde 3

Sean McGoldrick besiegte Michael Barnor durch TKO in Runde 3

Nick Webb besiegte Ante Verunica durch KO in Runde 2