
In Oberhausen wurde der K.-o.-Sieg von Oronzo Birardi kontrovers diskutiert, was im Profiboxen keine Seltenheit darstellt.
Am Samstag gewann Agit Kabayel beim Homecoming in der Rudolf Weber Arena vor 13.000 frenetischen Zuschauern. Weniger Beachtung fand dabei der erste Kampf des Abends um 16:05 Uhr, der teilweise vor Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Das lag daran, dass die Arena erst während des Kampfes teilweise geöffnet wurde und sich die ersten Zuschauer währenddessen in die Halle verirrten. Die frühen Vögel fingen zwar keinen Wurm, sahen allerdings umgehend einen kontroversen K.-o.-Sieg.
Oronzo Birardi (10–1) galt als heißer Kandidat für die Fightcard in Oberhausen, da er das erste deutsche Signing von Frank Warren und Queensberry Promotion war. Er sollte sich im Cruisergewicht mit einem Sieg über Milosav Savic (9–11–1) zurückmelden. Eine durchaus machbare Aufgabe für den Deutsch-Italiener, wenngleich keine gänzlich einfache, da Savic als ordentlicher Gegner galt. Dieser versuchte von Beginn an viel, schlug immer wieder auf Birardi ein, wobei viele Aktionen auf die stabile Deckung gingen. Dennoch landete Savic immer wieder gute Treffer, beispielsweise mit einem harten Uppercut in Runde zwei.
Bei Arthur Abraham genügte ein Schlag für die Disqualifikation
Ab Runde drei erschien Birardi dann sichtbar verbessert, zirkulierte im Ring und ging vermehrt seitlich vom Gegner weg. Seine stärksten Waffen waren neben dem Jab insbesondere seine Haken, die Savic sichtlich zusetzten. In der vierten Runde musste der Serbe zu Boden und nahm ein Knie. Dann kam es zu den verhängnisvollen Schlägen: Birardi platzierte trotz des Knies sichtbar noch drei Treffer. Savic erschien angeschlagen und ließ sich daraufhin auszählen.
Damit stand die K.-o.-Niederlage für Savic in Runde vier fest, die jedoch völlig fragwürdig erschien. Ein Knie zu nehmen ist im Boxen ein probates Mittel und kann in brenzligen Situationen als smarte Selbstverteidigung gelten, um größeren Schaden abzuwenden. Am Boden jedoch drei Treffer einzukassieren und anschließend noch ausgezählt zu werden, kann nicht im Sinne der Auslegung sein.
Hier muss man Birardi in die Pflicht nehmen, der in diesem Moment noch nachschlug – ebenso den Ringrichter, der so tat, als hätten diese Aktionen niemals stattgefunden.
Aktionen trafen Birardi nicht
Im Nachgang wurde die Aktion kritisch betrachtet. In der Zeitlupe zeigte sich jedoch, dass die Hände von Birardi kaum saßen, natürlich aber dennoch abgefeuert wurden. Boxen1 bekam die Gelegenheit, Birardi zu der Aktion zu befragen, der seine Sichtweise wie folgt schilderte:
„Bei den ersten beiden Schlägen habe ich in der Dynamik des Gefechts nicht eindeutig erkannt, dass mein Gegner mit dem Knie am Boden war. Er hat sehr unorthodox geboxt, mit viel Oberkörperbewegung, was die Situation schwer einschätzbar gemacht hat“, beschrieb es Birardi.
Die Aktion selbst nahm er so wahr: „Als mir bewusst wurde, dass das Knie den Boden berührt hatte, habe ich meine Schlaghand bereits zurückgezogen. Keiner der drei Schläge war ein Volltreffer. Zudem habe ich, wie es meine Pflicht ist, auf das Kommando des Ringrichters geachtet. In dem Moment, als das Stoppsignal kam, habe ich die Aktion sofort beendet und mich zurückgezogen.“
Betonen möchte er insbesondere die Tatsache, dass die Aktion nicht aus unsportlicher Intention heraus erfolgte, sondern lediglich im Eifer des Gefechts geschah.
„Es handelte sich nicht um eine absichtliche Unsportlichkeit, sondern um eine kurze, dynamische Kampfsituation.“














