Kevin Boakye-Schumann setzt seine Profibox-Karriere in den USA fort

Kevin „KB“ Boakye-Schumann beantwortete bereitwillig alle Fragen

Einen außergewöhnlichen Schritt um die Profibox-Karriere den nötigen Schub zu geben, will jetzt der Supermittelgewichtler Kevin Boakye-Schumann in den USA vollziehen.

Der Hamburger kann bisher bei zwei Profikämpfen auf zwei KO-Siege zurückblicken. BOXEN1 führte jetzt in Hamburg-Wandsbek ein Interview mit dem 26jährigen Boxprofi.

Boxen1: Moin Kevin, wie kam es jetzt zum Deal, um deiner Karriere einen ordentlichen Schub geben zu können?

Kevin Boakye-Schumann: „Ereignisreiche Monate liegen hinter mir. Es zeigte sich, dass es in Deutschland schwer ist, meine Karriere in die richtigen Bahnen zu lenken. Um sich nur auf das Boxen konzentrieren zu können, muss einfach das gesamte Umfeld stimmen. In Tampa (Florida) bietet mir mein neuer Manager, Ryan Rickey, welcher weltweit mit Top-Promotern zusammenarbeitet, alle nötigen Möglichkeiten, um meine Ziele erreichen zu können.“

Boxen1: Wie kam denn der Kontakt zustande?

Kevin Boakye-Schumann: „Meine erfolgreiche Amateurlaufbahn hat mir da sehr geholfen. Ich bekam Anfragen aus England und den USA. In Tampa gefällt mir das Gesamtkonzept. Ich habe einen mehrjährigen Managervertrag mit Verlängerungsoption beider Seiten unterschrieben. Ich bin Vollprofi, da spielte natürlich eine finanzielle Absicherung auch eine Rolle.“

Kevin Boakye-Schumann, der zukünftig unter Kevin („KB“) Schumann in den Ring steigen wird, kann 140 Amateurkämpfe (115 Siege) vorweisen. Als Amateur holte er dreimal in Serie den Cologne-World-Cup, was noch keinem deutschen Boxer vor ihm gelang. Deutsche Meistertitel in verschiedenen Altersklassen gehören ebenso, wie der Vize-Europameistertitel der U22, zu seiner Bilanz.

Kevin Boakye-Schumann mit Trainer Jessy Ross Thompson in einem privaten Box-Gym in Tampa (Florida) / Foto: privat

Boxen1: Was kannst Du über die Vertragsdetails verraten?

Kevin Boakye-Schumann: „Ich erhalte ein monatliches Grundsalär, das ausreichend ist um sich ganz dem Boxsport-Training widmen zu können. Pro Fight erhalte ich dann eine entsprechende Extra-Gage, welche sehr lukrativ ist. Dass das Interesse an meiner Person, seitens der Engländer und Amerikaner, so groß ist, war mir, bis ich die verschiedenen Verträge gesehen habe, nicht bewusst.“

Boxen1: Hast Du Hilfe bei dem dir bevorstehenden „Abenteuer USA“ erhalten?

Kevin Boakye-Schumann: „Ja, ich habe mich mit meiner Verlobten, meiner Familie – primär mit meinem Bruder – und Menschen, mit einer guten Box-Expertise unterhalten und mich entsprechend beraten lassen. Außerdem hat Professorin Dr. Anne Jakob, eine renommierte Fachanwältin für Sportrecht, die Verträge gecheckt. Nach mehrmaligem abändern und verhandeln ist der Vertrag, für beide Seiten, ein eine Win-Win Situation geworden. Worüber ich sehr glücklich und dankbar bin!“

Boxen1: Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit deinen neuen Partnern in Tampa?

Kevin Boakye-Schumann: „Mein Manager hat zahlreiche Top-Boxer unter Vertrag und sehr gute Beziehungen zu allen großen Boxpromotern (Top Rank, Queensberry, MVP – Jake Paul, Matchroom). An geeigneten Sparringspartnern wird es mir also nicht fehlen. Mit meinen Coach hat gleich die Chemie gestimmt. Das ganze Team, vom Athletik-Trainer angefangen, bis hin zum Physio ist total gut aufgestellt und ich bin guter Dinge, dass das Ganze, so Gott will, etwas sehr erfolgreiches werden kann!“

Boxen1: Was stört dich und behindert dich am deutschen Profiboxen?

Kevin Boakye-Schumann: „Es wird zu sehr Wert auf die Kampfbilanz gelegt. Die Gegner sind handverlesen. Ich würde gerne bessere Kontrahenten boxen, zumal ich eine sehr gute Amateurlaufbahn, mit unzähligen internationalen Erfolgen, aufweisen kann. Das war aber leider nicht möglich. Ich erwarte keinen WM-Kampf in den ersten Kämpfen. Zumindest aber Gegner, die einen gut aufbauen und 6-8 Runden stehen bleiben können. Nur wenige Gegner waren bereit, sich dem zu stellen und eine eventuelle Niederlage in Kauf zu nehmen.“

Volles Verständnis für die Situation von Kevin Boakye hat Promoter Thomas Nissen („Boxen im Norden“): „Ich kann Kevin, der ein super Talent ist, verstehen. Sein Schritt in die USA zu gehen ist richtig. Boxer, die sich gleich beim ersten Schlag hinlegen, bringen ihn nicht weiter. Andere Boxer sind meist nicht aus Veranstaltersicht bezahlbar.“

Gleicher Meinung ist auch der Münchener Boxpromoter und frühere erfolgreiche Profiboxer Alexander Petkovic: „Kevin hätte ich gerne verpflichtet, er ist ein super Talent. Unter den richtigen Voraussetzungen, die wohl in den USA gegeben sind, wird er in absehbarer Zeit in der Weltspitze sein. In Deutschland fehlt es an TV-Sender die Boxen übertragen und somit an kostendeckenden Sponsoren. Ich hoffe, dass wir hier bald wieder eine bessere Perspektive für Boxer bieten können.“

Kevin Boakye-Schumann traf sich in Hamburg-Wandsbek mit dem ehemalige Profiboxer Gagik Khachatryan, der von 1993 bis 1999 bei Universum Boxpromotion unter Vertrag stand und jetzt ein Schuhmacher-Geschäft betreibt / Foto: Harald Becker

Boxen1: Wie sieht es mit der Doping-Sperre, die gegen dich ausgesprochen wurde, aus?

Kevin Boakye-Schumann: „Da gibt es nicht großartig viel zu sagen. Ich kann, wie gehabt, weiter boxen. Die Medien stellen, wie so oft, die Dinge nicht immer wahrheitsgemäß dar, weshalb aus dieser Sache eine viel größere gemacht wurden ist.“

Boxen1: Wie sehen jetzt deine kurzfristigen Planungen aus?

Kevin Boakye-Schumann: „Trainieren werde ich in Hamburg beim TH Eilbeck, meinem Heimverein, mit meinem Trainer Andre Walther. Im August steht meine Hochzeit an, die ich auf jeden Fall vollziehen möchte, ehe ich aus Deutschland wegziehe. Anschließend muss ich mit Freunden und meiner Familie meinen Umzug nach Tampa organisieren. In den USA wird es danach zu ersten Profi-Fights kommen.“

Boxen1: Hast du noch einen besonderen Wunsch?

Kevin Boakye-Schumann: „Bevor ich in Amerika boxe, möchte ich noch in diesem Jahr, Oktober wäre ein realisierbarer Zeitpunkt, in Deutschland quasi einen vorerst letzten Profikampf bestreiten. Meine Heimat- und Geburtsstadt Hamburg wäre natürlich ein toller Veranstaltungsort dafür.“

Boxen 1: Was möchtest Du noch hier auf Deutschlands Boxonline-Plattform Nr. 1 noch sagen?

Kevin Boakye-Schumann: „Mein besonderer Dank gilt meinen beiden bisherigen Trainern. Mit meinem 18. Lebensjahr habe ich beim TH Eilbeck unter Andre Walther mit dem Boxsport begonnen. Er hat mir die wichtigsten Basics beigebracht. Beim Olympiastützpunkt in Schwerin wurde mein boxerisches Talent vom bekannten Trainer Michael Timm weiter optimiert. Beiden bin ich unendlich dankbar.“

Boxen1: Wir danken herzlich für dieses ausführliche Gespräch und wünschen dir einen weiteren guten Verlauf deiner Boxkarriere, nun in den USA!

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