Karrierefinale: Artur Mann will WBF-Doppelweltmeister werden

Ingo Rohrbach und Artur Mann / Foto: NoRaws Production

Ein Abschiedsduell für Artur „Thunderman“ Mann (22‑5‑0, 13 K.o.). Der amtierende WBF‑Cruisergewichts‑Weltmeister steigt am Samstag in Bad Hersfeld noch einmal in den Ring – allerdings eine Gewichtsklasse höher, um im Bridgerweight zusätzlich den vakanten WBF‑Titel zu erobern. Schauplatz ist die Schilde‑Halle, jener Ort, an dem Mann im November 2024 Weltmeister wurde. Und es ist die Stadt, in der er aufgewachsen ist. Das Motto des Abends: „I HEF A DREAM II – The Last Dance“.

Exklusiv: Artur Mann im Interview

Mit 35 Jahren beendet Mann nach elf Profijahren seine aktive Laufbahn – im Idealfall als WBF-Doppelweltmeister im Cruiser- und Bridgergewicht. Zuvor sprach Boxen1.com  mit dem Lokalmatador, der heute in Hannover lebt, über seinen letzten Tanz.

Artur, warum beendest du deine Karriere gerade jetzt – was hat für dich den Ausschlag gegeben?

Ehrlich gesagt, fühle ich mich noch fit, bin körperlich noch gut beisammen. Der Punkt ist eher, dass ich außerhalb des Boxens viel um die Ohren habe. Ich habe eine Gebäudereinigungsfirma, ich bin als Trainer im Amateurbereich in Hannover tätig, und ich bin natürlich Familienvater. Das alles unter einen Hut zu bekommen, ist nicht immer leicht. Und klar, so einige Zimperleins plagen mich auch. Der rechte Ellbogen, die Fäuste – und nicht zuletzt will ich meine Nase operieren lassen, damit ich mal wieder vernünftig durchatmen kann.

Also, der körperliche Verschleiß ist schon da?

Logisch. Nach elf Jahren im Profibereich bleiben Blessuren nicht aus. Die Schlachten, die ich im Ring geschlagen habe, haben Spuren hinterlassen. Definitiv. Aber dafür bin ich doch recht weit gekommen im Boxsport.

Dazu kommen wir gleich noch. Zunächst: Welche persönliche Bedeutung hat Bad Hersfeld für dich, gerade für deinen Abschiedskampf?

Artur Mann auf der Waage.

Hier hat einfach alles begonnen. Hier bin ich aufgewachsen, zur Schule gegangen – und hier habe ich mit dem Boxen angefangen. Bis zu meinem 18. Lebensjahr habe ich in Bad Hersfeld gelebt, meine Eltern wohnen noch immer hier. Es macht einfach Sinn, an seinen Ursprungsort zurückzukehren.

Hast du im Vorfeld des Kampfabends Unterstützung von der Stadtverwaltung erhalten, von Vertretern der Stadt?

Ein bisschen mehr habe ich mir schon erhofft. Schließlich haben wir ordentlich die Werbetrommel für die Stadt gerührt. Und so sehr viel passiert hier sportlich nicht. Aber ich bin nicht nachtragend, überhaupt nicht. Von Leute in der Stadt werde ich häufig angesprochen, ich bin respektiert – und man schätzt meine Leistung als Profiboxer – das reicht mir auch.

Lass uns zum Kampfabend kommen, zu deinem Finalfight in doppelter Hinsicht: Du trittst im Bridger-, statt im Cruisergewicht an, warum?

Nun, es ist echt pure Schinderei für mich, auf das Limit von unter 91 Kilogramm zu kommen. Mein normales Gewicht liegt so bei 105 Kilogramm. Und mich in den Wochen vor einem Kampf zehn, 15 Kilo runterzukochen, geht kräftig auf die Substanz. Da fällt mir das Bridgergewicht deutlich leicht mit seinem Maximum von 101,6 Kilogramm. Von daher lief diesmal die wochenlange Vorbereitung auf den Kampf am Samstag deutlich entspannter ab, zumindest, was das Gewichtmachen betrifft.

Dein Gegner heißt Gregory Garcia (12-3-1, 10 KOs) und kommt aus Venezuela. Wie hast du dich speziell auf ihn vorbereitet?

Naja, sonderlich viel habe ich von ihm nicht gesehen, ein paar Ausschnitte – das war’s. Anfangs war ich ein bisschen skeptisch aufgrund der aktuellen politischen Situation in Venezuela, ob das mit Garcia überhaupt klappt, ob er Aus- und Anreisen kann. Ich kann euch beruhigen, seit Mittwoch ist er da, alles gut also.

… und wie schätzt du ihn sportlich ein?

Ich bin konditionell auf die angesetzten zwölf Runden eingestellt, will natürlich, falls sich die Chance bietet, den Kampf vorzeitig beenden. Ich bin zuversichtlich, dass das hinhauen wird. Zumal ich in meiner Karriere schon ganz andere Kaliber vor den Fäusten hatte. Kurz gesagt: Die Gürtel, die Titel werden in Bad Hersfeld bleiben! Zweifellos!

Mit 35 Jahren und 22 Profikämpfen hast du einiges erlebt, einiges hinter dich gebracht – welche Momente haben dich am stärksten geprägt?

Mairis Briedis (rechts) stoppte Artur Mann (links) zuletzt bereits in Runde drei!

Das Highlight war sicher der IBF-Titel-Fight gegen den Letten Mairis Briedis im Oktober 2021. Ich hatte zu dem Zeitpunkt eigentlich schon aufgehört zu boxen. Es war für mich eine Art Kaltstart nach fünf Wochen Vorbereitungszeit. Okay, ich habe den Kampf durch TKO verloren, aber danach doch nochmal Blut geleckt und weitergemacht. Ja, und im November 2024 in Bad Hersfeld in der Schilde-Halle den vakanten WBF-Gürtel im Cruisergewicht geholt. Auch das war fraglos ein besonderes Erlebnis wie mein sportlicher Ausflug 2018 nach Chicago in die USA.

Wie siehst du das, hast du dein boxerisches Potential voll ausgeschöpft, dein Optimum als Athlet erreicht?

Nein. Ich hätte, da bin ich mir sicher, noch mehr erreichen können. Dafür hätte ich aber immer Vollzeitprofi sein müssen, was ich nicht war. Nebenbei und zwischendurch war ich anderweitig berufstätig unterwegs. Was möglich ist, wenn man sich komplett auf den Sport konzentrieren kann, habe ich gesehen, als ich etwa Sparringspartner bei Oleksandr Usyk oder bei Anthony Joshua war.

Klar, ich hatte es mir sehr gewünscht, voll und ganz Profi sein zu können, dann wäre meine Karriere auch noch ganz anders verlaufen.

Was zeichnet deinen Kampfstil aus, welche Taktik im Ring hast du bevorzugt verfolgt?

Meine Schlaghand ist eine gute Waffe. Wenn meine rechte Gerade durchkommt, ist Wumms dahinter. Aber ich bevorzuge eher einen technischen Boxstil. Dazu eine gute Beinarbeit und eine stabile klassische deutsche Doppeldeckung. Mit diesem Rüstzeug bin ich in all den Jahren recht gut gefahren. Und vieles von meinem Know-how habe ich meinem langjährigen Trainer Vitali Boot zu verdanken, er hat mich boxerisch geformt und entwickelt.

Welche konkreten Pläne hast du für die Zeit nach deiner aktiven Laufbahn — beruflich, privat oder vielleicht auch im Boxsport, etwa als Trainer, Mentor oder in anderer Funktion?

Zuallererst nehme ich mir nach dem Wochenende eine Auszeit! Denn nach den harten Trainingswochen habe ich so langsam die Schnauze voll. Vor allem will ich entspannen – und richtig gut essen, was neben dem Sport meine zweite große Leidenschaft ist.

Klar, ich werde aktiv bleiben, als Trainer mit ambitionierten Amateurboxern im Power-House-Box-Gym in Hannover arbeiten. Wir haben wirklich gute Talente, die ich mit meiner langen Erfahrung und meinem großen Wissen weiterbringen werde. Und vielleicht haben wir sogar bessere als vor zwei, drei Jahrzehnten. Wir müssen die Jungen stärker fördern, ihnen mehr Plattformen geben – und dabei hilft uns sicherlich der neue Box-Hype, den wir vor allem Agit Kabayel zu verdanken haben.

Sergey Kovalev und Artur Mann.

Zum Schluss: Wie viele Runde wirst du am Samstag im Ring brauchen bis zum Sieg – die volle Distanz, zwölf Runden?

Weniger!

Und du wirst ab Montag in kein emotionales Loch fallen, nicht wissen, was du mit dir anzufangen hast?

Bestimmt nicht!

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