Karo Murat – die Abrechnung & seine Pläne

Exklusives Interview mit www.boxing.pro

Ein Exklusivbericht unserer Boxing.pro Mitarbeiterin Sandy Spiess

Der 30-jährige Karo Murat aus Berlin ist seit 2006 Profiboxer. Er bestritt bisher 28 Kämpfe, erlangte davon 25 Siege (15 K.O.), 2 Niederlagen (1 K.O.) und 1 Unentschieden.

Bis vor kurzem boxte er für Sauerland Event im Halbschwergewicht. Nun geht er eigene Wege. Mit Boxing.pro hat er ein exklusives Interview geführt, wie er mit seiner Vergangenheit abrechnet und was seine neuen Pläne sind.

Hopkins vs. Murat – die Bilanz

Karo Murat hat zuletzt am 26. Oktober 2013 in Atlantic City um die IBF-WM-Krone im Halbschwergewicht geboxt. Mit Titelverteidiger und Boxlegende Bernard Hopkins (49) hat er sich einen 12-Runden-Kampf geliefert, unterlag Hopkins aber nach Punkten. Für Karo Murat war dies die zweite bittere Niederlage im 28. Profikampf. Für boxing.pro fasst Karo Murat zusammen, wie es ihm seit dieser WM-Niederlage ergangen ist. „Es war eine große Aufgabe und Ehre für mich, in Atlantic City zu kämpfen, da wo alle großen Boxstars gekämpft haben. Ich war schon öfters im Ausland um zu boxen, zum Beispiel in Birmingham, Madrid und Moskau. Amerika war aber für mich besonders aufregend, wie ein Film. Ich habe früher oft die Kämpfe der großen Boxstars in Amerika angeschaut. Auf einmal steh´ ich selbst da! Das war eine große Ehre, aber auch ein großer Druck. Ich war plötzlich überall im TV, auf den Plakaten und so weiter. Eine große Medienpräsenz. Ich bin der Meinung dass ich das gut gemeistert habe.“

„Trotz Niederlage hat mir der Kampf Energie, Power und mentale Stärke gegeben, denn ich habe viel daraus gelernt und bin stärker als zuvor. Alles in allem weiß ich, dass ich wesentlich mehr geben kann, als man im Kampf gegen Hopkins gesehen hat. Man sollte beachten dass ich vor diesem großen Kampf 1 Jahr und 5 Monate lang nicht mehr geboxt habe, mir hat die Ringerfahrung gefehlt. Hätte ich vorher mehr Kämpfe gehabt, dann hätte Hopkins alt ausgesehen!“

Ursachen der langen Ringpause: Vor der lang ersehnten Chance auf die WM-Krone im Kampf gegen Hopkins kamen Murats Fäuste nur selten zum Einsatz.

– Am 1. Oktober 2011 boxte er zuletzt im Ausscheidungskampf mit seinem Kontrahenten Gabriel Campillo um das WM-Herausforderungsrecht. Dieser Eleminator-Kampf endete unentschieden. Als amtierender IBF-Intercontinental-Champion reichte dieses Ergebnis aus, dass Murat seither Pflichtherausforderer des aktuellen IBF-Weltmeisters war.

– Trotz der Rolle des Pflichtherausforderers wurde Murat ein langer Atem abverlangt, er wurde regelmäßig bezüglich des WM-Kampf-Termins vertröstet.

– Am 24. November 2012 hätte dann der WM-Kampf gegen den bis dahin aktuellen IBF Champion Tavoris Cloud stattfinden sollen. Aufgrund von Unstimmigkeiten zwischen Cloud und seinem Promoter wurde dieser Fight kurzfristig abgesagt. Für Murat natürlich eine riesen Enttäuschung und „Ressourcenverschwendung“ zugleich, er hatte sich zuvor planmäßig bei hartem Training auf diesen wichtigen Titelkampf vorbereitet.

Zurück zu Hopkins:

„Obwohl ich weiß dass ich es besser kann, ist das Urteil aus dem Kampf mit Hopkins an sich natürlich bitter. Wenn ich mir den Kampf anschaue, denke ich dass ich nicht verloren habe. Eher unentschieden. Aber da Hopkins Weltmeister war, kann man ihm den Sieg geben. Ich bin aber überzeugt dass ich auf neutralem Boxen nicht verloren hätte! Aber irgendwann muss man eine Sache auch abschließen und nach vorne schauen!“

Der Bruch mit Sauerland

Kurz nach dem Amerikaaufenthalt wurde bekannt, dass sich der Sauerland-Boxstall entschieden hat den Vertrag mit Karo Murat nicht zu verlängern. „Ich bin etwas gekränkt, denn ich habe damals aus der Bild-Zeitung erfahren, dass Sauerland mich rausgekickt hat!“

Aber nicht nur das: „Mir wurde außerdem eine große Zukunft versprochen. Als wir wieder in Deutschland waren und die Vertragsverlängerung anstand, hat sich keiner mehr bei mir gemeldet und um Klärung bemüht. Das finde ich unverschämt und unprofessionell, ich habe für Sauerland so viele Titel gewonnen und Kämpfe bestritten!“.

Ebenfalls bitter: sein langjähriger Trainer Ulli Wegner war bei der einmaligen WM-Chance in Amerika nicht persönlich dabei. Der Grund: Stallkollege Arthur Abraham hat am selben Abend (26.10.2013) in Deutschland gegen Giovanni De Carolis geboxt. Trainer Ulli Wegner entschied sich dafür, an diesem Abend bei Abraham in der Ecke zu stehen. „Es war schade für mich, dass Ulli Wegner nicht dabei war bei so einem großen Kampf in Amerika, obwohl wir zuvor lange zusammen trainiert haben. Ich wusste, dass ich aber gerade deswegen stark sein muss, eben ohne ihn.“

Und dennoch: „Ich bin trotzdem sehr dankbar für meine bisherige Karriere bei Sauerland.“

Mit seinen ehemaligen Stallkollegen steht Karo Murat teilweise nach wie vor gut in Kontakt. „Gerade Arthur Abraham, Marco Huck und auch Pablo Hernandez sind gute Kollegen von mir.“

Jürgen Brähmer ich hol mir deinen Titel!

Ein anderer ehemaliger Stallkollege kommt jedoch nicht so gut weg: Weltmeister Jürgen Brähmer!

Jürgen Brähmer boxt ebenfalls im Halbschwergewicht und ist aktuell WM-Titelträger nach Version der WBA. Zuletzt verteidigte er Anfang April seinen Titel erfolgreich gegen Enzo Maccarinelli. Zu dieser Gegnerwahl äußerte sich Karo Murat bereits im Vorfeld kritisch. „Maccarinelli hat damals gegen Alex Frenkel brutal durch K.O. verloren, unter anderem habe ich ihn deshalb schwach eingeschätzt. Ich denke halt er hat im TV nichts zu suchen, schon gar nicht für eine WM!“

Dass Maccarinelli trotz dieser Erwartungen und seiner schweren Augenverletzung einen beherzten Kampf mit Jürgen Brähmer lieferte, sieht Murat nicht so:

„Wie ich von Anfang an gesagt habe: Maccarinelli ist ein Opfer. Er hat viele Schläge kassiert und das war unprofessionell, kein Wunder dass er so `ne Beule bekommen hat. Lässt der sich einfach von einem Jürgen Brähmer verhauen….“

Ein Problem mit Jürgen Brähmer? „Was Jürgen angeht: er ging einigen großen Gegnern aus dem Weg. Für mich ist er kein großer Champion. Er hat seinen Titel mehr oder weniger geschenkt bekommen!“

Sieht Karo Murat die Chance einen WM-Kampf gegen Jürgen Brähmer zu bekommen um ihm den Titel ab zu knüpfen?

„Natürlich würde ich gerne gegen ihn boxen! Es wäre ein weiteres gutes deutsches Duell, wie bei Firat Arslan gegen Marco Huck, Robert Stieglitz gegen Arthur Abraham.

Ganz klar; der Kampf muss kommen! Die Fans wollen mich gegen Jürgen Brähmer sehen! Seit Rocchigiani gegen Maske gab es bisher keinen spannenden deutschen Kampf im Halbschwergewicht. Ich werde darauf hoffen dass dieser Fight eines Tages stattfindet!“

Neue Pläne

Doch bevor es zum nächsten Kampf kommt, muss sich das Team rund um Murat neu finden. Zum jetzigen Team gehört ein Manager, ein Marketingberater aber noch kein neuer Trainer. „Ich trainiere mit meinem Bruder Koko. Er hat gute Erfahrung durch 20 eigene Amateur- und 15 Profikämpfe. Er kennt mich sehr gut. Wir machen gemeinsam viel Partnertraining und Pratzen-Übungen.“ Einen konkreten Wunschtrainier gibt es nicht. „Wichtig ist, dass ich mich mit dem neuen Trainer weiter entwickle und neues lerne. Was ich von Ulli (Wegner, Anm. d. Red) gelernt habe, reicht nicht um nach oben zu kommen.“ Schmunzelnd fügt er hinzu: „Um in Amerika anzuklopfen muss ein guter Trainer her!“

Bis sich die neuen Rahmenbedingungen gefunden und geklärt haben, hält er sich fleißig mit seinem „Übergangsprogramm“ fit.

„Ich habe mehrere Angebote vorliegen, ich muss das noch zusammen mit meinem Team und meinem Anwalt verhandeln und entscheiden. Wir werden sehen, ich hoffe es gibt bald eine Entscheidung, dann gebe ich bekannt unter welcher Flagge ich boxe.“ Der nächste Kampf wird auch schon angestrebt: „In 3-4 Monaten stelle ich mir meinen nächsten Kampf vor…“.

Abschließend zum Interview richtet er folgende Worte an seine Fans: „Liebe Fans, Danke für die vielen Nachrichten, ich kann leider nicht alle persönlich beantworten. Ich freue mich sehr, dass es so viele gibt, die hinter mir stehen. Für alle die unbedingt wissen wollen wann ich wieder kämpfe: Ich verspreche euch dass ich sobald wie möglich zurück komme und euch einen geilen Kampf abliefere. Seid bitte etwas geduldig. Bis bald, euer Karo!“