Kampfsportikone Nieky Holzken siegt über Edison Demaj

Die niederländische Kampfsportikone Nieky Holzken ist nach über 7 Jahren siegreich im Boxen.

Die niederländische Kampfsportikone kehrt nach über sieben Jahren zurück in den Boxring – Punkt­sieg gegen den Deutsch-Albaner.

Am vergangenen Samstag stand ausnahmsweise einmal das Profiboxen im Mittelpunkt in den Niederlanden. Für gewöhnlich dominiert dort das Kickboxen, doch die Kampfsportikone Nieky Holzken (15-1) kehrte nach über sieben Jahren in den Boxring zurück. Es sollte ein echtes Homecoming in seiner Geburtsstadt Helmond werden. Im Supermittelgewicht traf er auf den Deutsch-Albaner Edison Demaj (14-5-1). Es ging um den WBF Intercontinental-Titel. Die niederländischen Fans erwarteten einen dominanten Sieg von Holzken – doch der Gegner erwies sich als harte Nuss.

Demaj galt im Vorfeld als klarer Underdog

Inzwischen ist Holzken bereits 41 Jahre alt, doch bei ONE Championship zeigte er durchweg, dass er noch immer über viel Schlagkraft verfügt. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an die Kampfsportikone, dass er sich mit einem überzeugenden Comeback zurückmeldet.

Auf der Gegenseite stand mit Demaj ein Teilzeitboxer, der keinen festen Trainer hat und ein Unternehmen für Gerüstbau betreibt. Wenn er nicht Zeit mit seinen beiden Kindern verbringt, hält er Trainingseinheiten in der kultigen Ritze auf dem Hamburger Kiez ab.

Keine idealen Voraussetzungen also für Demaj – dennoch war er heiß auf den Kampf und wollte sich unbedingt beweisen. „Ich habe seine Kämpfe früher auf Eurosport geschaut“, gestand Demaj im Vorfeld gegenüber Boxen1. Ein Kampf gegen Holzken war für ihn durchaus etwas Besonderes. Doch zu viel Respekt wollte er in den Niederlanden nicht zeigen und sah auch seine eigenen Chancen: „Er ist schon alt“, beschrieb er die Ikone. Er wollte insbesondere mit Konteraktionen den Kampf gestalten. Ganz gelingen sollte ihm das jedoch nicht.

Holzken geht mit Demaj über die volle Distanz von zehn Runden

Respektieren sich nach dem Kampf: Nieky Holzken und Edison Demaj.

Der Kampf begann, und Demaj verharrte zunächst in der Doppeldeckung. Holzken versuchte insbesondere mit Körpertreffern zu punkten, was ihm in der Anfangsphase auch gelang. Immer wieder musste Demaj harte Leberhaken einstecken – würde er das wirklich über die vollen zehn Runden durchhalten können? Besonders austrainiert wirkte Demaj zwar nicht, dennoch wies er eine ordentliche Kondition auf und war im Rahmen seiner Möglichkeiten gut vorbereitet. Das zeigte sich vor allem daran, dass er die harten Schläge von Holzken konstant nahm, ohne ernsthaft ins Wanken zu geraten.

Holzken präsentierte sich überraschend beweglich auf den Beinen und im Oberkörper – eine Qualität, die man nicht zwingend vom Kickboxer erwarten konnte. Doch konstanten Druck baute er zu selten auf. Zwar gab es immer wieder starke Szenen zum Körper oder Serien von Uppercuts, aber er nutzte den Jab zu wenig, um Demaj systematisch unter Druck zu setzen. Dieser wiederum versuchte, selbst Akzente zu setzen und in die Aktionen Holzkens hineinzuschlagen. Das gelang jedoch nur selten, denn er wirkte in diesen Momenten nicht explosiv genug – und mit zunehmender Kampfdauer unternahm er auch zu wenige Versuche, um den Niederländer ernsthaft in Gefahr zu bringen.

Dennoch gab es einige engere Runden – zum Beispiel die sechste, in der Holzken das Tempo etwas drosselte und Demaj seinerseits gute Treffer landete. Er ließ sich dafür vom Publikum feiern und konnte diese Runde vermutlich für sich entscheiden. Insgesamt blieb dies jedoch die Ausnahme, denn überwiegend war es Holzken, der das höhere Tempo ging und den Kampf bestimmte. In der zehnten Runde mobilisierten beide Kämpfer noch einmal ihre letzten Kräfte. Holzken zeigte schöne Meidbewegungen und pendelte die Schläge Demajs mit dem Oberkörper gekonnt aus. Aus physischer Sicht war es eine überzeugende Leistung des 41-Jährigen – auch wenn er gegen den Hamburger letztlich über die volle Distanz gehen musste.

Einstimmiger Punktsieg für Holzken

Die Kommentatoren hatten zu Beginn noch spekuliert, dass der Kampf kaum zwei Runden dauern würde – doch sie hatten die Rechnung ohne den zähen Demaj gemacht. Zwar verlor er einstimmig nach Punkten (2× 99:91, 100:90), doch er stand seinen Mann und verlangte der Kampfsportikone als Teilzeitboxer einiges ab.

„Der ist zweimal so heftig durchgekommen, die Luft war komplett weg. Da dachte ich: Scheiße, jetzt hat er mich. Aber Aufgeben war keine Option“, sagte Demaj im Anschluss gegenüber Boxen1. „Zweimal auf die Leber hat er mich richtig böse erwischt. Er ist – trotz seines Alters – ein sehr starker und harter Typ.“

Wie es für Demaj weitergeht, ist derzeit offen. Die Enttäuschung nach der Niederlage sitzt tief, aber wer den Hamburger kennt, weiß: Aufgeben ist für ihn keine wirkliche Option.

Geraldo Holzken siegt in der ersten Runde auf der Undercard

Geraldo Holzken siegt in der ersten Runde.

Auf der Undercard war auch Geraldo Holzken (1–0) aktiv. Der 18-jährige Sohn von Nieky Holzken teilte sich somit eine Fightcard mit seinem eigenen Vater – ein sicherlich seltenes Ereignis im Profiboxen. Im Superleichtgewicht stoppte er den kurzfristig eingesprungenen Vladimir Dutov (0–5) bereits nach weniger als 30 Sekunden.

Der 26-jährige Tony Jas (4–0), der bereits im Kickboxen bei Glory mit starken Leistungen auf sich aufmerksam gemacht hat, konnte sich auch im Boxen behaupten. Gegen den erfahrenen Gregorio Dominguez (22–9) siegte Jas durch technischen Knockout in der zweiten Runde.

Im Cruisergewicht holte sich Elaige Camara (4–0) seinen vierten Sieg gegen Angelo Venjakob (7–4). Der Kampf war weitgehend einseitig, doch Venjakob bewies gute Nehmerqualitäten – bis er schließlich in der vierten Runde gestoppt wurde.

Im Schwergewicht meldete sich der Brite Adrian King (6–1) erfolgreich zurück, nachdem er vor zwei Wochen überraschend nach Punkten verloren hatte. Er stoppte Piotr Cwik (9–4) in der zweiten Runde. Cwik regte sich nach dem Abbruch stark auf – King hatte im Infight eine kurze Hand in Richtung Kehlkopf gelandet, die Cwik als unfair empfand. Der Ringrichter beendete den Kampf dennoch.

Deutschlands bekanntester Journeyman, Mazen Girke (16–180–7), eröffnete den Boxabend. Gegen den deutlich größeren Briten Harry Powell (2–0) im Halbschwergewicht kassierte er seine 180. Profiniederlage.

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