K.O.-Punkte und ihre Wirkung – Teil 2: Die Leber

Das Ende kam in Runde 2. Mit einem klassischen Leberhaken schlug der Sauerland-Schützling Abass Baraqu seinen Gegner Abdelghani Saber schwer zu Boden, der es bis neun nicht mehr schaffte sich wieder zu erheben und dem Kampf zu stellen.

Der Leberhaken ist eine gefürchtete K.O.-Waffe – doch warum sind Lebertreffer so schmerzhaft und wieso kann ein Körpertreffer zum Knock Out führen?

Warum kann ein Körpertreffer zum Knock Out führen?

Beginnen wir mit den Gundlagen: die Leber liegt im rechten Oberbauch und wird zum Teil von den unteren Rippen bedeckt. Sie wiegt ca. 1,4 kg und ist an Stoffwechselvorgängen sowie der Bildung von z.B. Gerinnungsfaktoren beteiligt. Sie ist außerdem von einer festen Kapsel umgeben. Die Leber wird vom 10. Hirnnerven, dem Nervus vagus, welcher dem parasympathischen Anteil des Nervensystems zuzuordnen ist, innerviert. Dazu muss man wissen: der Parasympathikus steuert im Körper die „Ruhe und Erholung“ (im Gegensatz zum Sympathikus, der aktiv wird, wenn wir den Körper auf „Fight or Flight“ einstellen). Daneben setzen auch nicht-parasympathische Nervenfasern des Nervus phrenicus, einem weiteren großem Nerven, an der Leberkapsel an.

Bei einem Leberhaken kommt es nun zu einer Kompression der Leber, welche durch die Schlagwirkung erzielt wird. Dadurch kommt es zu einer Drucksteigerung im Organ selbst und zu einer Kapseldehnung an der Leber. Da die Nervenenden der versorgenden Nerven zum größten Teil an der Kapsel ansetzen und nun gereizt werden durch die Dehnung, entsteht ein starker Schmerzreiz.

Zudem entsteht durch die Reizung des versorgenden Nervus vagus eine Aktivierung des Parasympathikus. Dies sorgt in der Folge für eine Reduktion der Herzfrequenz und somit auch für einen reduzierten Blutdruck im Körper. Somit kann auch eine Minderdurchblutung des Gehirns entstehen. Der Körper versucht nun, auf diese Minderdurchblutung zu reagieren und mehr Blut in das Gehirn zu befördern, um die Funktion aufrecht zu erhalten. Das kennen wir aus dem Alltag: jemandem, dem schwindelig ist, raten wir zu „Hinlegen und Beine hochlegen“. Dies realisiert der Körper durch eine Bewusstlosigkeit (dabei liegt man schließlich auch flach… dies mag zunächst merkwürdig anmuten, ergibt aber mit etwas Überlegung tatsächlich Sinn!)

In einem Boxkampf resultiert nach entsprechendem Treffer auf die Leber eine Kombination von starkem Schmerz und kurzer Bewusstseinstrübung oder Bewusstlosigkeit und somit eine Kampfunfähigkeit – der Knock Out durch den Leberhaken.

 

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Eine gefürchtete Komplikation von Lebertreffern, wenngleich sie selten auftritt, ist die Leberruptur. Diese könnte unter Umständen zu lebensbedrohlichen inneren Blutungen führen, sodass harte Lebertreffer immer nachuntersucht werden sollten.

Referenzen:

Kirsch J. Leber (Hepar). In: Aumüller G, Aust G, Conrad A et al., Hrsg. Duale Reihe Anatomie. 5., korrigierte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2020. doi:10.1055/b-007-170976

Juyia RF, Kerr HA. Return to Play After Liver and Spleen Trauma. Sports Health. 2014;6(3):239-245. doi:10.1177/1941738114528468

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