Joshua Buatsi mit Arbeitssieg über Marko Calic

Foto: Mark Robinson/Matchroom Boxing

Nach einer über einjährigen Zwangspause offenbarte Halbschwergewichtler Joshua Buatsi bei seiner Rückkehr am Sonntagabend jede Menge Ringrost. 

Britische Hoffnung mit Problemen 

Bei den Buchmachern war der Kroate Marko Calic (11-1-0, 6 KOs) im Vorfeld seines Kampfes gegen WBA International Titelträger Joshua Buatsi (13-0-0, 11 KOs) der krasse Außenseiter. Das mag vor allem an seiner bis dato schwache Gegnerschaft als Profi gelegenen haben. Im Ring kam ihm dann aber seine internationale Erfahrung als Amateurboxer zugute – für Hoffnungsträger Buatsi wurde es am Ende eine knifflige Aufgabe, die die Pläne für den Bronzegewinner von Rio in eine etwas andere Richtung bewegen könnten. 

Mit 1,91 m war Calic der größere der beiden Boxer, was sich in der Anfangsphase dieses Gefecht positiv für ihn auswirkte. Buatsi brauchte einige Zeit, um sich auf die Physis des 33-Jährigen einzustellen. Der Londoner wirkte steif und unbeweglich, arbeite ungewohnt wenig mit Jab-Dubletten und Finten, um seine Schlaghand vorzubereiten. Wenn Calic dann auch mal in die Halb- oder Nahdistanz voranschritt und Haken abfeuerte, blieb Buatsi äußerst passiv und ließ sich viel zu leicht treffen. Letzterer kam in den ersten Runden vor allem mit vereinzelten Führhänden zum Erfolg. Seine gefürchteten Körpertreffer blockte Calic zunächst aber gekonnt ab. 

Am Ende siegt die Power

Nachdem sich Buatsi in der dritten Runde eine harte Rechte fing, die eine deutliche Schwellung unter seinem linken Auge hervorrief, muss ihm der Ernst der Lage bewusst geworden sein. Von nun an versuchte er insbesondere seine Physis gewinnbringend einzusetzen. Er drückte seinen Gegner nach hinten und erzwang mit einer höheren Frequenz dessen allmählichen Niedergang. Buatsis rechte Schlaghand fand über die Außenbahn ins Ziel und hinterließ Spuren. Im siebten Durchgang kam schließlich der Durchbruch. 

Nachdem eine Rechte Calic ins Wanken brachte, legte Buatsi mit wütenden Attacken nach, bis der tapfere Kroate an den Seilen in die Knie ging. Er kam noch einmal auf die Beine, doch konnte sich den Angriffen nicht mehr ernsthaft erwehren. Sein Trainer stieg mit dem Handtuch bewaffnet auf den Ringrand und brachte den Ringrichter dazu, den Kampf abzubrechen. Wie unmittelbar im Anschluss verlautbart wurde, soll sich Calic womöglich einen Kieferbruch zugezogen haben, was die Aufgabe mehr als vertretbar erscheinen lässt. 

Trotz dieses Sieges dürfte Buatsi nicht zufrieden sein mit dieser Leistung. Gegen die nationale Konkurrenz um Anthony Yarde oder Callum Johnson muss eine deutliche Steigerung her.

Chantelle Cameron neue Weltmeisterin 

Mehr als zwei Kilo lag Adriana dos Santos Araujo (6-1-0, ein KO) beim gestrigen Wiegen über dem Limit des Super-Leichtgewichts (63,5 g) und wäre demnach selbst bei einem Sieg nicht berechtigt gewesen, den vakanten WBC-WM-Titel mit in die brasilianische Heimat zu nehmen. Diese physische Überlegenheit war allerdings auch der einzige Vorteil, den sie am Sonntagabend gegenüber Gegnerin Chantelle Cameron (13-0-0, 7 KOs) in den Ring brachte. Die Britin zeigt hingegen, dass mit ihr in Zukunft zu rechnen sein wird. 

Foto: Mark Robinson/Matchroom Boxing

Von Beginn an kontrollierte sie das Geschehen gegen ihre langsame Kontrahentin. Beweglich auf den Beinen, bearbeitete sie Araujo mit schnellen Jabs und Kombinationen. Gelegentlich schaltete sie einen Gang nach oben und nagelte sie mit schweren Händen in den jeweiligen Ringecken fest. In der sechsten Runde war es jedoch Cameron, die nach einem unabsichtlichen Kopfstoß einen Cut am Auge erlitt. Diese ließ sich aber nicht beirren und boxte ihren Stiefel herunter. Nach den kompletten zehn Runden konnte kein Zweifel über den Ausgang mehr bestehen. Alle drei Punktrichter werteten den Kampf mit 100-90 für die neue Weltmeisterin aus Northampton. 

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