Jose Nunez stoppt Olympiasieger Erislandy Alvarez vorzeitig in Runde 2

Gelingt die Sensation: Jose Nunez beim Sieg über Erislandy Alvarez.

In Chile erfolgen bittere Niederlagen für die Kubaner von AGON Sports. Die richtigen Schlüsse zu ziehen scheint unumgänglich.

Am Wochenende fand in Santiago de Chile ein Doppelevent über zwei Tage statt. Die WBA lud zur jährlichen „KO a las Drogas“-Veranstaltung ein. Insbesondere der Kampfabend am Freitag wurde mit Spannung erwartet, da zahlreiche AGON-Sports-Schützlinge zu sehen waren, die in WBA-Titelkämpfen standen.

Einer davon war Erislandy Alvarez (6-1). Ein hochveranlagter kubanischer Olympiasieger, der zu den zahlreichen letztjährigen Signings von AGON Sports gehört, die das kubanische Profiboxen vorantreiben möchten. Erislandy Alvarez galt dabei als wohl interessanteste Personalie bei AGON Sports, da er im Gegensatz zu manch anderem Amateurstar mit Mitte 20 noch in einem formbaren Alter erscheint.

Alvarez wird in der zweiten Runde gestoppt

Nun traf Alvarez um den WBA-Continental-Titel im Superleichtgewicht auf den ungeschlagenen Jose Nunez (18-0-2) aus Panama. Als Southpaw sicherlich kein ungefährlicher Kontrahent auf dem Papier, doch für einen ambitionierten Olympiasieger wäre diese Aufgabe durchaus machbar gewesen.

Der Kampf begann auch vielversprechend für den Kubaner: Er konnte Nunez prompt in der ersten Runde zu Boden bringen. Die Herrlichkeit fand jedoch ein jähes Ende, als Alvarez in der zweiten Runde einen Konter fing und hart zu Boden musste. Er stand zwar wieder auf, wirkte jedoch weiterhin wackelig, weshalb sich der Ringrichter gezwungen sah, den Kampf abzubrechen. Damit war die große Überraschung perfekt.

Fehlender Fokus auf die Profilaufbahn als Manko?

Erislandy Alvarez / Foto: AGON Sports

Ein einmaliger Ausrutscher bei Alvarez – oder steckt mehr dahinter? Zur Wahrheit gehört nämlich auch, dass er bereits im Kampf davor am Boden war. Viel auffälliger ist jedoch die Tatsache, dass er noch im März die Qualifikation für die Zentralamerika- und Karibikspiele bestritten hat.

Allgemein stehen die Kubaner weiterhin regelmäßig auch im olympischen Boxen im Ring, was durchaus ein Problem darstellt. Dieser ständige Wechsel zwischen Profiboxen und olympischem Boxen kann der Laufbahn nicht guttun. Man sieht es beispielsweise auch beim usbekischen Superschwergewicht Bakhodir Jalolov, dass man im Profilager kaum vorankommt, wenn man parallel noch olympisch boxt.

Die Problematik der fehlenden Fokussierung betrifft nicht nur Alvarez, sondern auch andere kubanische Boxer bei AGON Sports, die kürzlich unter Vertrag genommen wurden. Man wird nun die richtigen Schlüsse daraus ziehen müssen. Eine einfache Lösung dürfte es jedoch kaum geben, da Kuba zwar das Vorantreiben von Profikarrieren mittlerweile duldet, dies jedoch weiterhin mit Verpflichtungen im olympischen Boxen einhergeht. Am Ende müssen sich alle Beteiligten fragen, wie ernst es ihnen mit der Profilaufbahn ist – denn in der aktuellen Konstellation wird diese kaum maximal erfolgreich verlaufen.

Jónathan Wilson Sánchez bezwingt den nächsten AGON-Kubaner

Emotionaler Sieg für Jonathan Wilson Sanchez in Chile.

Eine ebenfalls vielversprechende kubanische Personalie bei AGON Sports ist zweifellos Yusnier Sorsano Ruiz (2-1). Das Superweltergewicht gab im vergangenen September in Berlin sein Profidebüt und konnte von Beginn an überzeugen. Sorsano boxt keinen typischen, tänzelnden kubanischen Stil, sondern sucht explosive und harte Momente, die prädestiniert dafür erscheinen, im Profibereich erfolgreich zu sein.

Nun folgte sein dritter Profikampf in Chile um den WBA-Fedelatin-Titel gegen den Argentinier Jonáthan Wilson Sánchez (27-8-1). Sánchez ist im AGON-Kontext kein Unbekannter und lieferte bereits im Juli einen beherzten und starken Kampf in Madrid ab, wo er Bujar Tahiri (22-0) alles abverlangte und nur knapp nach Punkten verlor. Ein starker und gefährlicher Gegner also für Sorsano direkt im dritten Kampf – den er schließlich nicht bezwingen konnte.

Das Matchmaking erschien fragwürdig

Zwar begann Sorsano vielversprechend, doch Sánchez ließ nicht locker, punktete insbesondere in der zweiten Kampfhälfte mit starker Kondition und sicherte sich einen verdienten geteilten Punktsieg (2x 96-94, 93-97).

Ein Nackenschlag für Sorsano, wobei man grundsätzlich nicht an seiner Eignung im Profibereich zweifeln sollte. Der 23-Jährige bringt weiterhin enorm viel mit, allerdings sollte man ihm keine unnötigen Steine in den Weg legen. Insgesamt hatte Sorsano zuvor lediglich rund sieben Minuten Ringzeit in seinen beiden Profikämpfen gesammelt. Nun stellte man ihn direkt über zehn Runden gegen einen wirklich starken Gegner, der zuvor bereits Tahiri an den Rand einer Niederlage brachte.

Da stellt sich die Frage, warum bei einem 23-Jährigen eine solche Eile besteht. Man hätte ihm durchaus mehr Zeit einräumen können, etwa mit einem erfahrenen Gegner über acht Runden, um zusätzliche Ringpraxis zu sammeln. So wirkte das Vorgehen etwas vorschnell, und die erste Profiniederlage steht bereits unnötigerweise in den Büchern.

Piergiulio Ruhe verteidigt erfolgreich den WBA-Goldtitel in Chile

War siegreich in Chile: Piergiulio Ruhe.

Doch nicht nur Niederlagen gab es für die AGON-Sports-Schützlinge an diesem Abend in Chile. Der französische Eliteamateur Sofiane Oumiha (7-1) konnte im Superfedergewicht einen einstimmigen Punktsieg über Angel Rodriguez (23-5) einfahren. Auch der kubanische dreifache Amateurweltmeister Lazaro Alvarez (11-0) überzeugte und sicherte sich einen vorzeitigen Sieg in Runde vier gegen Jackson Furtado (12-4).

Ebenfalls auf der Veranstaltung war der Deutsch-Italiener Piergiulio Ruhe (19-1) zu sehen, der seinen WBA-Goldtitel im Superweltergewicht verteidigen wollte. Ruhe, der auch als Promoter sehr aktiv ist, sollte ursprünglich gegen einen indischen Gegner antreten, der jedoch keine Einreiseerlaubnis nach Chile erhielt. Schließlich fand man Ersatz in Wishan Sungarov (10-1), der mehrfach in der fünften Runde zu Boden ging und schließlich gestoppt wurde.

Damit arbeitet sich der Schützling von Trainer Orlando Soto und Ilias Essaoudi weiter in Richtung Top 5 der WBA vor.

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