Jetzt Doppel-Weltmeisterin: Caroline Dubois triumphiert über Terri Harper

Foto: MVP

Innerbritisches Duell: „Sweet“ Caroline Dubois triumphiert über Terri Harper einstimmig nach Punkten – und ist Doppelweltmeisterin.

Die Rivalität ist echt, die Rechnung anfangs offen: Ein innerbritisches Duell im Leichtgewicht – „Sweet“ Caroline Dubois, 25, versus Terri „Belter“ Harper, 29. Ein WBC‑WBO‑Vereinigungskampf zweier Top‑Boxerinnen von der Insel – am Ostersonntag. In der Olympia‑Hall auf dem historischen Messe‑ und Eventgelände im Westen Londons, in Kensington. Offen ist nach zehn Runden je zwei Minuten nichts mehr. Dubois überreicht Harper ihre Quittung, siegt einstimmig nach Punkten: 98–91, 98–91, 97–92 – und ist Doppelweltmeisterin sowie Trägerin des Ring‑Magazine‑Gürtels.

Reibereien beim Face-to-Face

Schon vor dem Main Event – veranstaltet von Most Valuable Promotions (MVP) – geraten die Rivalinnen aneinander. Beim Face‑to‑Face am vergangenen Mittwoch knistert es während des Fotoshootings. Harper winkelt den rechten Arm an, spannt den Bizeps, pumpt den Brustkorb auf – und gibt Dubois einen Schubser. Ein Bicep‑Flex par excellence. Securities trennen die Kontrahentinnen. Dubois verspricht daraufhin einen Knockout‑Sieg – und sagt: „Dieser Kampf geht nicht über sieben Runden.“ Eine Ansage.

Abtastphase und Suche nach Schlagdistanz

Eine, die fast aufgeht – aber nur fast. Okay, auf geht’s, Runde eins. Eine typische Auftaktrunde: Beide wollen in den Kampf finden, tasten sich ab, tasten sich vor. Harper wirkt dabei etwas agiler. Ähnliches Abtasten in der zweiten Runde. Dubois sucht Lücken in Harpers Deckung, zielt mit ihrem rechten Jab zum Körper, zum Kopf. Harper gibt sich keine Blöße, platziert ihrerseits eine looping right hand – und kommt durch.

Ab der dritten Runde wird Dubois aktiver, sucht den Direktkontakt, findet aber noch nicht ihre Schlagdistanz. Das gelingt in den Folgerunden vereinzelt mit Hooks und Overhand‑Schlägen. Harper nutzt dabei geschickt ihren Reichweitenvorteil – allerdings ohne selbst Ausrufezeichen zu setzen. Zwischenfazit zur Hälfte des Kampfes: Dubois liegt mit ein bis zwei Runden in Front.

Kampfentscheidend: Niederschlag in Runde sechs

Dann der kampfentscheidende Moment, in den letzten Sekunden der sechsten Runde: Dubois drängt Harper in die Seile, feuert blitzschnell eine Rechts‑Links‑Kombination ab. Die linke Schlaghand findet ihr Ziel, erwischt Harper an der Schläfe, sie sackt zusammen und zieht sich mühsam an den Seilen wieder in die Senkrechte. Dubois triumphiert im Seilquadrat, während der Ringrichter Harper anzählt. Und sie legt nach dem Gong zur siebten Runde sofort nach, setzt abermals ihre stärkste Waffe ein – ihre Linke, diesmal als schulmäßiger Looping.

Dubois agiert im Ring immer souveräner. Ein unabsichtlicher Kopfstoß handicapt Harper zusätzlich, ein Cut an der linken Augenbraue. Harper zielt in der Vorschlussrunde auf den Körper ihrer Kontrahentin, die blutende Wunde behindert aber ihre Sicht. Letzte und zehnte Runde: Harper mobilisiert ihre Reserven, haut alles rein, was sie hat. Vergeblich. Dubois bleibt technisch überlegen, kontrolliert die Exchanges – und siegt einstimmig. Ergo: Dubois vereint damit die WBC‑ und WBO‑Weltmeistertitel im Leichtgewicht.

Dubois dominanter, Harper zu reaktiv

Fazit: Dubois (13‑0‑1, 5 KOs) liefert eine dominante, reife und taktisch saubere Performance, setzt mit dem Niederschlag in Runde sechs das entscheidende Zeichen. Harper (16‑3‑2, 6 KOs) agiert zu reaktiv, defensiv und kommt nur selten richtig ins Gefecht. Kurzum: ein verdienter, klarer Sieg für Dubois – und sie unterstreicht damit ihre Vormachtstellung im Limit bis 135 Pfund (61,23 kg).

Dubois fordert Alycia Baumgardner heraus

Nach dem Kampf ist vor dem Kampf – die Devise von Dubois. Die neue Doppelweltmeisterin macht direkt nach ihrem Sieg über Harper klar, wer als Nächstes dran sein soll: Alycia Baumgardner. Dubois fordert „The Bomb“ öffentlich heraus, bezeichnet sie als „Drug Cheat“ und erklärt, dass dieser Fight für sie absolute Priorität habe – sogar vor einem möglichen Duell mit Katie Taylor. Dubois betont zudem, dass Baumgardner als Superfedergewichtlerin problemlos ins Leichtgewicht aufsteigen könne. Da beide Boxerinnen bei MVP unter Vertrag stehen, bezeichnet Dubois den Fight als leicht zu machen. Und sowieso: Dubois will nur noch große Namen boxen – und Baumgardner steht ganz oben auf ihrer Liste. Ein Showdown Ende des Jahres wäre realistisch, sobald Baumgardner ihre anstehende Titelverteidigung im April absolviert hat. Anders ausgedrückt: Rivalinnen gesucht – Dubois will weitere offene Rechnungen begleichen.

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