Jedes Jahr sterben durchschnittlich 13 Boxer im Ring

Laut einer Umfrage von Manuel Velazquez, vom US-TV-Sender CNN, starben zwischen 1890 und 2011 schätzungsweise 1.604 Boxer als direkte Folge von Verletzungen im Ring.

Boxen ist eine Sportart, die über Leben und Tod entscheiden kann. Laut einer Umfrage von Manuel Velazquez vom bekannten US-TV-Channel CNN, starben zwischen 1890 und 2011 (immerhin in 121 Jahren) schätzungsweise 1.604 Boxer als direkte Folge von Verletzungen im Ring. Das sind durchschnittlich 13 Todesfälle pro Jahr. Wenn man das allerdings auf die letzten 10 Jahre berechnet sind das nicht einmal die Hälfte.

Der 27-jährige amerikanische Boxer Patrick Day, der vier Tage nach einer Kopfverletzung, die er in einem Kampf gegen seinem Landsmann Charles Conwell erlitt, starb, ist das jüngste Todesopfer im Boxsport. Patrick Day ist das vierte Todesopfer, das im Jahr im Jahr 2019 an der direkte Folge, einer im Ring erlittenen Verletzungen, zu verzeichnen ist.

Im September starb der 21-jährige Bulgare Boris Stanchov, als er in Albanien unter der Lizenz seines Cousins ​​kämpfte.

Im Juli starben zwei Boxer im Abstand von nur wenigen Tagen hintereinander. Der 28-jährige Russe Maxim Dadashev starb am 23. Juli, vier Tage nach seinem Kampf im Halbweltergewicht in Maryland und der 23-jährige Argentinier Hugo Alfredo Santillán starb am 25. Juli, fünf Tage nach einem relativ leichten Kampf in Buenos Aires.

Zusätzlich zu diesen vier Todesfällen wurden fünf weitere Boxer aufgrund von Verletzungen im Ring ins Krankenhaus eingeliefert und mussten sich einer Notoperation unterziehen, um Blutgerinnsel im Gehirn zu entfernen, teilte eine Sprecherin von BoxRec mit.

Die Todesfälle und schweren Verletzungen, die beim Boxen auftreten, führen oft dazu, dass immer wieder Stimmen laut werden, die ein generelles Verbot unseres geliebten Boxsports fordern.

„Boxen ist mit Sicherheit ein einfaches und offensichtliches Ziel, seinen Gegner zu verletzen und ihn auszuschalten um den Kampf im Ring zu gewinnen und die Kritik ist deswegen auch verständlich“, sagte ein Sprecher des US-Boxing-Portals WBF gegenüber CNN Sport.

„Aber Boxen bringt jungen Menschen auch so viel Gutes. Boxen hält sie von der Straße fern und fern von Drogen. Boxen lehrt viele junge Menschen Disziplin und Selbstvertrauen. Letztlich ist es das Gute das das Schlechte bei weitem überwiegt.“

Laut einer Studie von Joseph Svinth aus dem Jahr 2011 in der Manuel Velazquez Collection des Journal of Combative Sport sind die Todesfälle beim Boxen stetig zurückgegangen.
In den 1920er Jahren gab es auf dem Höhepunkt 233 boxbedingte Todesfälle, in den 2000er Jahren, ergo in 10 Jahren, nur 103.

Nach dem Tod des südkoreanischen Leichtgewichtlers Duk-Koo Kim, der 1983 vier Tage nach seiner Niederlage gegen Leichtgewichts-Champion Ray „Boom Boom“ Mancini in Las Vegas starb, war die Zahl der Todesopfer stark rückläufig.

Nachfolgend wurden Weltmeisterschafts-Kämpfe von 15 auf 12 Runden verkürzt, um die langfristigen Kopfverletzungen zu begrenzen, die möglicherweise durch Erschöpfung und Konditionsmangel verursacht wurden.

Einem Bericht der American Medical Association von 2009 zufolge kommt es beim Boxen zu einer Sterblichkeitsrate von 0,13 Todesfällen pro 1.000 Teilnehmer und Jahr.

„Diese Sterblichkeitsrate ist niedriger als bei fast allen anderen Hochrisiko- und auch normalen anderen Sportarten wie etwa College-Football, Motorsport, Tauchen, Bergsteigen, Skisport, Drachenfliegen, Fallschirmspringen, Pferderennen und vielen anderen Sportarten“, heißt es in dem AMA-Bericht.

„Unter Amateur-Boxern kommt es seltener zu Todesfällen als unter Profiboxern. Die durchschnittliche Zahl liegt bei drei Todesfällen pro Jahr, verglichen mit 9 bis 10 Todesfällen pro Jahr beim Profiboxen.“

Kopfverletzungen treten auch in anderen Sportarten wie beim Football, beim Fußball, Rugby und beim Radfahren auf. Was das Boxen jedoch so einzigartig macht, ist, dass die Boxer versuchen, ihre Gegner KO zu schlagen. Das ist es auch was die Medien lesewirksamer in der Öffentlichkeit ausschlachten. Denn im Internetportal etwa bei Bild.de, wird sicher ein Beitrag „Tod im Ring“ unzählige Mal öfters angeklickt, als ein Bericht über den Tod eines unbekannten Bergsteigers. Bergsteigen ist allerdings nachgewiesen jedoch viel gefährlicher als Boxen.

Im Jahre 2018 hat alleine nur in Österreich (!) der Tod 268 Mal in den alpinen Bergen zugeschlagen. Im Jahre 2005 waren es sogar 416 Bergsteiger die am Berg in Österreich ihr Leben gelassen haben. Auf das Jahr umgerechnet auf alle Berge dieser Welt, ergibt das viele zweistellig-tausende Tote, von denen die Öffentlichkeit kaum etwas erfährt und seltsamerweise, werden hierbei nie Stimmen laut, das Bergsteigen zu verbieten.

Dieses Beispiel ließ sich auch noch auf viele andere Extrem-Sportarten fortführen, aber auch der Fussball und das Skilaufen beklagen jährlich eine Vielzahl von Toten mehr als das Boxen. Die meisten Sportunfälle, nämlich 32 Prozent, passierten beim Fußballspielen, danach folgten mit 26 Prozent Unglücke beim Alpinskifahren. Acht Prozent der Unfälle erlitten Radfahrer. Zwei Drittel aller Unfälle passierten somit bei diesen drei Sportarten. Andere Ballsportarten – exklusive Fußball – sind laut der Auswertung die Ursache für fünf Prozent der Unfälle. Beim Laufen und Joggen ereignen sich vier Prozent, beim Reiten und Snowboarden drei Prozent aller Unfälle. Boxen wird in den Statistiken der gefährlichsten Sportarten gar nicht genannt. Selbst beim Sport-Fischen sterben mehr Menschen als beim Boxen.

Eine Reihe aktueller positiver Vorbilder im Boxen ist laut WBF auch ein Grund, den Sport trotz seiner tödlichen Absicht nicht zu verbieten.

„In Großbritannien sollte man sich die Beispiele von Anthony Joshua, Dillian Whyte und unzähligen anderen ansehen, auch auf Amateurebene oder sogar Menschen, die nie einen wirklichen Kampf haben und ihr Leben wegen des Boxens umgedreht haben“, sagte der WBF-Sprecher. „Viele der jungen Leute, die mit dem Boxsport angefangen haben, wären wahrscheinlich ohne Boxen tot oder im Gefängnis geendet. Ihre Risiken wären ohne Boxen höher gewesen, als wenn sie dem Boxsport fern geblieben wären.

Und was wäre, wenn Boxen verboten würde? Ich bin sicher, es würde einfach auch weiterhin stattfinden, dann wahrscheinlich ohne Sicherheitsvorkehrungen und ärztliche Untersuchungen. Man kann heute auch ohne eine Aufsichtsbehörde Fußball spielen und es würde keinen großen Unterschied machen, aber Boxen ohne Aufsichtsbehörden und ärztliche Kontrolle ist eine schlechte Idee. Und das ist was passieren wird, wenn man das Boxen offiziell verbieten würde.

Bevor Patrick Day starb, veröffentlichte Conwell einen emotionalen Brief, in dem er sagte: „Ich wollte nur gewinnen. Wenn ich alles zurücknehmen könnte, würde ich es tun.“
Als Antwort auf den Brief antwortete Day’s Coach Joseph Higgins: „Ich wollte nur, dass Du weißt, dass wir verstehen, was Du im Moment durchmachen musst. Auch wir sind genauso am Boden zerstört wie Du. Wir wissen, dass es auch umgekehrt hätte passieren können, dass Du so verletzt wärst wie Patrick, wir wären auch dann genauso verstört wie Du jetzt.“

„Ich bin bestrebt, dass du deinen Traum erreichst, den gleichen, den Patrick hatte. Gott segne dich und dein Team und wir werden dich auch in unseren Gebeten behalten. Auch ich bin verstört, weil ich mich selbst verantwortlich fühle, aber merke, dass es keinen Fehler gab. Bleib stark und bitte denke nicht, dass wir Dir die Schuld geben.“

Boxen1 möchte mit diesem Bericht auf keinen Fall die Gefahren, die es beim Boxsport gibt, bagatellisieren. Boxen ist gefährlich, aber andere Sportarten sind weitaus gefährlicher und keiner denkt auch nur im Entferntesten daran diese Sportarten zu verbieten. Unser ganzes Leben ist gefährlich und uns kann heute im normalen Alltag, besonders im Straßenverkehr, immer etwas passieren. Laut Angaben der Welt-Gesundheits-Organisation (WHO) gibt es in einem Jahr durchschnittlich mehr als 1,3 Millionen Verkehrstote.