
Der Deutsch-Türke boxte um die IBF-Weltmeisterschaft in Australien und lieferte einen guten Kampf. Am Ende setzte sich dennoch der Favorit durch.
Am heutigen Samstag fand ein großes Boxevent von Tasman Fighters im Convention Centre in Gold Coast, Australien, statt. Im Hauptkampf verteidigte die klare Nummer 1 des Cruisergewichts, Jai Opetaia (29-0), die IBF-Weltmeisterschaft gegen den Pflichtherausforderer Hüseyin Cinkara (23-1). Cinkara war auf der großen internationalen Bühne noch weitgehend unbekannt, doch der 40-jährige Deutsch-Türke wollte die Boxwelt auf den Kopf stellen und zeigen, welch starker Boxer er ist.
Opetaia in Runde 2 fast am Boden – stoppt Cinkara dennoch krachend in Runde 8

Cinkara galt als krasser Underdog; für Opetaia bekam man teilweise eine 1,01-Quote bei den Buchmachern – entsprechend wäre ein Erfolg von Cinkara das Upset des Jahres gewesen. Die meisten Beobachter rechneten ihm keinerlei Chancen ein und gingen von einer zügigen KO-Niederlage aus, ähnlich wie zuletzt bei Benjamin Gavazi in Birmingham.
Der Kampf begann jedoch ausgeglichen und keinesfalls einseitig. Opetaia versuchte, sich zunächst mit dem Jab zu etablieren, zeigte sichtbar Respekt vor Cinkaras eigenwilligem Kampfstil.
In der zweiten Runde verschaffte sich Cinkara endgültigen Respekt, als er mit zwei harten Rechten durchkam und den Weltmeister anklingelte, der beinahe zu Boden ging! Die australischen Zuschauer hielten den Atem an – würde der „alte Mann“ aus Rheinland-Pfalz hier vielleicht doch Geschichte schreiben?
Opetaia bewies jedoch nicht nur technische Finesse, sondern auch starke Fähigkeiten in der Regeneration. Ab der dritten Runde übernahm er immer mehr die Kontrolle, punktete vor allem mit schweren Körpertreffern, die Cinkara sichtlich zusetzten. Ab Runde 4–5 wirkte der Deutsch-Türke konditionell angeschlagen, boxte aber tapfer weiter und setzte vereinzelt eigene Akzente.
Trotz Niederlage eine ansprechende Performance
Cinkara fiel mehrfach durch seine sehr tiefe Deckung auf, die ab Runde 6 teilweise auf Bauchnabelhöhe hing. Viele Boxer würden sich das gegen einen Opetaia niemals trauen, doch Cinkara gelang es immer wieder, im richtigen Moment auszuweichen und Schläge zu vermeiden. Für nahezu 41 Jahre war er erstaunlich flink unterwegs und kassierte nur wenige klare Kopftreffer. Dennoch gewann Opetaia den Großteil der Runden deutlich.
Das Ende leitete schließlich der Beginn der achten Runde ein. Cinkara stand mit dem Rücken am Seil, schlug eine Hand, verfehlte – und lief in einen brutalen linken Konter Opetaias, der voll einschlug. Cinkara sackte krachend zu Boden und blieb dort eine ganze Weile liegen. Glücklicherweise konnte er später wieder aufstehen und gratulierte seinem Gegner sehr fair zum verdienten Sieg. Anschließend wurde Cinkara aus Vorsicht für ein MRT ins Krankenhaus gebracht.
Zwar verlor Cinkara an diesem Abend in Australien, doch bewies er, dass er ein würdiger Pflichtherausforderer war. Gegen andere Weltmeister der Gewichtsklasse wäre für ihn durchaus etwas möglich gewesen – doch gegen die klare Nummer 1 reichte es letztlich nicht. Zur Wahrheit gehört aber auch: Vermutlich besitzt momentan niemand im Cruisergewicht das Rüstzeug, um Jai Opetaia ernsthaft vom Thron zu stoßen.
If anyone would’ve told me that Huseyin Cinkara would last until the eighth round and have Jai Opetaia looking like this, I wouldn’t have believed you.
Hats off to him for giving us a fun fight. #OpetaiaCinkara pic.twitter.com/zlRfXicFvM
— Zach “🅂🄲🄷🅄🅉” Schumaker (@ZachSchumaker) December 6, 2025














