Istvan Szili demontiert Felix Sturm über 12 Runden – Punktrichter werten aber zu knapp!

Foto: Torsten Helmke

Im Hauptkampf der LIB-Box-Gala aus der Dortmunder Westfalenhalle trafen Ex-Weltmeister Felix Sturm und Istvan Szili im Supermittelgewicht aufeinander.

Istvan Szili drückt Felix Sturm seinen Stiefel auf

Ein sechstes Mal Weltmeister werden. Das war das Ziel des Leverkusener Supermittelgewichtlers Felix „The Fighter“ Sturm. Gegen Istvan Szili bekam der Ex-Weltmeister die Chance, nicht nur um den IBO Inter-Continental-Titel sondern auch um eine WM-Chance zu boxen. Der Fight war im Vorfeld vom Weltverband als offizieller Endausscheider deklariert worden.

Vor gut 4500 Zuschauern trafen der 39-jährige Szili und der 43-jährige Sturm schließlich aufeinander. Zu Beginn des auf 12 Runden angesetzten Titelgefechts versuchte der in der Schweiz lebende Szili den Ton anzugeben. Der gebürtige Ungar, der von Benedikt Poelchau alias Benny Blanko gemanaged wird, machte vom ersten Gong an den Druck und versuchte mit harten Schlägen Wirkung zu hinterlassen. Mit variablen Haken zu Körper und Kopf kam Szili des Öfteren durch. Sturm agierte ruhig, wartete viel ab und schlug dann mit seiner starken Führungshand zielgerichtet zu.

Foto: Torsten Helmke

Szili arbeitete sich auch im zweiten Durchgang beim bereits im Gesicht von den harten Schlägen gezeichneten Sturm weiter ab. Dieser zeigte bisher keine Anzeichen dafür, dass ihm die Schläge des amtierenden IBO Inter-Conti-Titelträgers „wehtun“. Auch im dritten Durchgang ging Szili straff nach vorn. In einer Aktion im Infight kam es dann zu einem unbeabsichtigtem Kopfstoß (Accidental Headbut), auf welchen Referee Ingo Barrabas in einer kurzen Unterbrechung hinwies. Nach erneuter Freigabe des Kampfes marschierte Szili weiter und drosch immer wieder mit harten Händen auf den fünffachen Ex-Weltmeister ein. Zwar landeten viele der Szili-Schläge in Sturms solider Deckung, doch einige fanden ihr bestimmtes Ziel und schüttelten den Schützling von Maurice Weber durch.

Felix Sturm mit argen Problemen gegen Istvan Szili

Felix Sturm wartete häufig ab, um dann gezielt anzugreifen. Es schien, als wollte er sich seine Ressourcen klug einteilen. Gleich zu Beginn des vierten Durchgangs konnte Sturm mit einer Vielzahl Jabs in Folge beim Ungarn durchkommen. Beide Boxer standen immer wieder Kopf an Kopf. Bei Sturm öffnete sich ein Cut am linken Auge – vermutlich verursacht durch das ungestüme nach vorne preschen von Szili, der mit dem Kopf voran immer wieder in Sturm „reinmarschierte“. In der Pause zur fünften Runde konnte man in der Sturm-Ecke mit Vaseline und Adrenalin die Blutung am linken Auge zunächst stillen. Sturm und Szili fuhren die Anzahl ihrer Aktionen im fünften Durchgang merklich zurück. Der Ungar schlug deutlich weniger, wich Sturm jedoch nicht von der Seite und stand mit ihm Fuß an Fuß.

Foto: Torsten Helmke

Im sechsten Durchgang zeigte Szili, der nach Punkten bisher deutlich in Front lag, erneut starke Aktionen. Zwar wirkte der Schützling von Coach Conny Mittermeier teilweise ungestüm, konnte jedoch gute Treffer landen. Sturm schien einfallslos, konnte seine Jabs nicht mehr souverän bringen und lies sich Istvan Szilis Stiefel aufdrücken. „Toe to Toe“ gingen die beiden Boxer auch im siebten Durchgang und es kam erneut zu einem Kopfstoß, der wieder Sturms Cut öffnete. Sturm wischte sich das Blut immer wieder aus dem Gesicht und musste weiter mit einem aggressiven Szili Vorlieb nehmen.

Sturms vier Jahre jüngerer Widersacher kämpfte beherzt und stets im Vorwärtsgang, wo er sich vor allem in der Halb- und Nahdistanz behauptete. Sobald Sturm wieder in der Distanz war, konnte er lange Hände landen. Zum Ende der achten Runde stellte Sturm, an den Seilen stehend, Szili und konnte ihn mit mehren Kopfhaken schwer zusetzen und kurz zum Wackeln bringen. Fakt war: nach Punkten war hier für Sturm kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Dennoch machte er seinem Kampfnamen „The Fighter“ alle Ehre. Sturm biss sich durch, trotz Cut und hielt vehement dagegen.

Szili lässt Sturm keine Chance

Istvan Szili konnte auch im zehnten Durchgang das Geschehen maßgeblich bestimmen. Auch in der darauf folgenden Runde konnte Szili noch immer hohes Tempo gehen. Durch seine kompakte Haltung offenbarte er Sturm kaum Lücken. Szili, der sich mit Simon Zachenhuber in Vorbereitung auf derer beiden Kämpfte vorbereitete, vermochte es auch in der finalen letzten Runde dem fünffachen Ex-Weltmeister im Mittel- und Supermittelgewicht das Leben schwer zu machen.

Foto: Torsten Helmke

Sturm kassierte immer wieder harte Hände, konnte teilweise gute Konter setzen. Am Ende werteten die Punktrichter mit wirklich unverständlichen, da viel zu geringen 113-115, 111-116, 114-114 für Istvan Szili. Wie man in diesem Kampf ein Unentschieden werten kann, ist mehr als fraglich und eigentlich schon eine Frechheit. Die Wertungen der anderen beiden Kampfrichter fielen ebenso in unverständlicher Höhe aus. Fakt ist: Szili hatte definitiv mehr Runden geholt und klar gewonnen!

Am Ende ein ernüchterndes Urteil für den Titelaspiranten Felix Sturm, der sich den Traum vom sechsten WM-Titel nun nicht mehr erfüllen können wird. Vielmehr erhält Istvan Szili nun die Chance auf die IBO-WM gegen den Briten Lerrone Richards. Sturm zeigte sich als fairer Sportsmann, kritisierte im Interview mit Kai Ebel aber die Leistung von Referee Ingo Barrabas, der nach Ansicht Sturms seinen Kontrahenten Szili hätte mehrfach ermahnen sollen.

Istvan Szili siegt gegen Felix Sturm / Foto: Torsten Helmke

Alles in allem war die erste Veranstaltung der jungen LIB Boxpromotion um Ludger Inholte durchaus gelungen, wenngleich nicht mit den großen Events vergangener Tage vergleichbar. Ob der als Zugpferd geplante Felix Sturm die Handschuhe nun an den Nagel hängen wird, lies er im anschließenden Interview im Ring mit Kai Ebel offen.

4.6/5 - (209 votes)

1 Kommentar

  1. Die Punktevergabe und Kampfrichter …..eines der grössten Probleme im Boxen. Was will man auch verlangen wenn Jeder jeden kennt und alle auf du sind. Das fängt im Amateurboxen schon in kleinsten Kreisen an und zieht sich durch alle Klassen . Im Profiboxen oder Berufsboxen ist es nicht anders. Wenn Kampfrichter die Wettkampfbestimmungen schon im Amateurbereich auslegen wie Sie es möchten und nicht wie die Allgemeinheit es versteht.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein