Interview mit Ulli Wegner

Ulli Wegner / Foto: Sebastian Heger
Ulli Wegner / Foto: Sebastian Heger

Ulli Wegner: Pulev muss mit einem Sieg für gute Laune sorgen!

Für Ulli Wegner zählt am 7. Mai nichts anderes als der Sieg von Kubrat Pulev. Ein Erfolg seines Schützlings über Dereck Chisora (live ab 22.50 Uhr in SAT.1) würde nicht nur den EM-Titel im Schwergewicht zurück ins Max-Schmeling-Gym bringen, sondern gleichzeitig Pulevs Weg in Richtung Weltmeisterschaft ebnen. Wie die Trainerlegende diesen Kampf einschätzt und wie er die zurückliegenden Wochen für sich persönlich bewertet, erzählt Wegner hier im Interview.

Ulli Wegner, in Ihrer Trainingsgruppe geht es momentan Schlag auf Schlag. Zuletzt zeigte erst Jack Culcay eine weltmeisterliche Vorstellung, kurz darauf verlor Arthur Abraham seinen WM-Titel. Am 7. Mai wollen Sie Kubrat Pulev zur Europameisterschaft im Schwergewicht führen. Haben Sie da überhaupt noch Zeit für ein Privatleben?

Ulli Wegner: Boxen ist mein Leben! Daher sind die letzten Wochen und Monate extrem schwer zu verkraften. Ich bin zum einen unheimlich stolz auf Jack, der mit einer extrem disziplinierten Leistung seine WM-Ambitionen unterstreichen konnte. Darauf folgte die herbe Enttäuschung mit Arthur. Meine Gefühlslage ist momentan am besten mit „Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt“ zu beschreiben …

… also muss Kubrat Pulev jetzt für gute Stimmung sorgen?

Ulli Wegner: Absolut! Der Junge ist mein Rezept für gute Laune. Immer, wenn ich ihn trainieren sehe, ist Kubrat wieder ein Stück besser geworden. Ich konnte ja über zwei Wochen lang seinen Trainingsprozess nur aus der Ferne beobachten. Als ich dann Mitte April, mit Beginn des Sparrings, wieder vor Ort war, habe ich große Augen gemacht. Kubrat imponiert mir immer mehr mit seiner Einstellung zum Boxsport – da ist deutlich etwas von Jack abgefärbt.

Die Freundschaft zwischen Pulev und Culcay scheint sich positiv auszuwirken …

Ulli Wegner: Das sehe ich genauso. Jack ist ein Musterschüler, wenn es ums Training geht und hat das zuletzt auch nahezu perfekt im Wettkampf umgesetzt. Kubrat musste erst lernen, wer der „Chef“ ist und dass er schon in der Vorbereitung das zeigen muss, was ich von ihm erwarte, wenn es darauf ankommt. Dabei hat mir allen voran Jack sehr geholfen …

… und mit Sicherheit auch Ihr Assistenz-Coach Georg Bramowski …

Ulli Wegner: … der für mich von unschätzbarem Wert ist. Wie er mich täglich unterstützt und hilft, die Jungs mit einzustellen – im Rila-Gebirge hat er sich größtenteils allein um die harten Konditionseinheiten gekümmert – das ist einmalig und gibt es so garantiert kein zweites Mal. Der Chef bin aber immer noch ich!

Das hört sich nicht so an, als ob Sie sonderlich amtsmüde sind …

Ulli Wegner: Definitiv nicht! Ich habe noch so viele Aufgaben vor mir: Culcay soll gegen die Besten der Welt boxen, Abraham wieder Leistung zeigen und Pulev erst Europa- und dann Weltmeister werden! Die Jungs brauchen mich an ihrer Seite, um erfolgreich zu sein und ich kann sie unmöglich im Stich lassen.

Mit Blick auf den 7. Mai: Wie schwer ist denn für Kubrat Pulev die Aufgabe, Dereck Chisora zu schlagen?

Ulli Wegner: Chisora steht doch am Scheideweg, da müssen wir uns nichts vormachen. Wenn der Engländer diesen Kampf verliert, dann ist für ihn Schicht im Schacht! Er wird alles mobilisieren, um noch einmal die Chance zu bekommen, oben anzuklopfen. Das ist natürlich für uns gefährlich. Aber ich weiß, welche Qualitäten in Pulev stecken. Das wird für ihn ein hartes Stück Arbeit – doch ich bin mir sicher, dass wir siegreich aus diesem Duell hervorgehen werden …

… um sich dann in Richtung WM zu orientieren?

Ulli Wegner: Es ist ja kein Geheimnis, dass ich noch das große Ziel habe, einen Schwergewichts-Champion hervorzubringen. Ich hoffe nicht – nein, ich glaube, dass mir Kubrat Pulev diesen Traum schon bald erfüllen wird!

Eintrittskarten für die Box-Nacht in der Hamburger Barclaycard Arena sind im Internet bei www.tickethall.de und www.eventim.de sowie unter der telefonischen Ticket-Hotline 01806-570044 erhältlich.

Quelle: Team Sauerland

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