Interview mit Stefan Härtel zum Thema Krasniqi / Brähmer

Nachdem am gestrigen Tag der Rückkampf zwischen Stefan Härtel und Robin Krasniqi öffentlich gemacht wurde und Jürgen Brähmer trotz ersteigertem Kampfrecht leer ausging, wurden in den sozialen Medien Stimmen laut, dass Härtel als amtierender EBU Europameister Angst vor diesem Duell hätte. Verstärkt wurden diese Stimmen dadurch, dass Härtel seinen Gürtel kampflos abgelegt hatte. Im folgenden Interview schildert Härtel seine Sicht der Dinge und geht auf die Anschuldigungen ein.

Boxen1: Dir wird vorgeworfen Angst vor Brähmer zu haben und du deswegen der Pflichtverteidigung aus dem Weg gegangen bist. Inwiefern spielt das bei dir eine Rolle?

Härtel: „Angst hat im Boxen nichts zu suchen. Respekt habe ich vor Jürgen, nicht erst, seitdem wir in einer Trainingsgruppe waren. Nichtsdestotrotz hätte mich dieser, den ich ja jedem Sportler entgegenbringe, nicht von dem Kampf abgehalten. Es ist halt leider so, dass man als Boxer das schwächste Glied in der Entscheidungskette ist und nicht immer mitbestimmen kann. Und auch wenn jetzt alle Internetrambos aufschreien und mit klugen Kommentaren aufwarten: man muss froh sein, wenn man einen gut vernetzten Promoter an seiner Seite hat und manchmal halt auch in den sauren Apfel beißen.“

Boxen1: Ist der Kampf gegen Krasniqi finanziell einfach lukrativer? Rein sportlich ist ja eigentlich alles gesagt.

Härtel: „Leider nein…letztendlich ist es so, dass Herr Steinforth mir mit dem Krasniqi Kampf einen Riesengefallen getan hat…und jetzt fordert er einen ein, um seinem ältesten Sportler die letzte große Bühne zu geben. Wahrscheinlich hofft er, dass Robin gewinnt…aber diesen Gefallen werde ich ihm nicht tun.“

Boxen1: „Du schriebst auf deiner Seite und sagtest im Interview du würdest „letztendlich Ulf Steinforth einen Gefallen tun“. Kannst du darauf genauer eingehen?

Härtel: „Robin hat ja im Vorfeld des ersten Kampfes gesagt, dass er den Kampf nicht braucht. Und Herr Steinforth wollte diesen vor allem, damit Krasniqi sich durch einen Sieg gegen mich profilieren kann. Jetzt ist es halt genau anders rum: jeder hat gesehen, dass ich weitaus stärker als Robin bin…aber mit einem Sieg kann er sich rehabilitieren und wäre wieder im Spiel“

Boxen1: „Abgesehen von der WBA bist du bei allen großen Weltverbänden in den Top15 gerankt. Wird dir von Promoter Seite ein WM Kampf suggeriert, solltest du Krasniqi erneut besiegen?

Härtel: „Ein WM-Kampf wird mir nicht suggeriert oder garantiert. Jedoch ist der eingeschlagene Weg wahrscheinlich der schnellste, bei einem Weltverband ganz oben anklopfen zu können. Denn bei dem Kampf wird es mindestens um einen Inter-Conti eines der großen vier Weltverbände gehen. Das ist der einzige Vorteil, den ein Niederlegen des Titels bringt.“

Boxen1: Stand das Duell mit Brähmer je auf der Agenda oder hat man schon indirekt auf das Rematch mit Krasniqi geschielt?

Härtel: „Der Kampf stand definitiv zur Debatte…wenn auch mehr für mich und mein Team. Dass Ulf den Kampf nicht wollte, hat das Gebot im purse bid ja gezeigt. Aber auch andere Kämpfe wären interessant gewesen. Feigenbutz zum Beispiel oder Bösel. Leider hat erstgenannter auch einen großen Promoter im Rücken, der seine eigenen Ziele verfolgt. Bösel wäre nach seinem Sieg gegen Kölling sehr verlockend, wird aber von Ulf zu sehr geschützt und als deutsche Hoffnung aufgebaut. Der zweite Krasniqi Kampf war eigentlich das letzte, was ich wollte“

Boxen1: Wäre ein Duell mit Brähmer in naher Zukunft eine Alternative ?

Härtel: „Warum nicht…ich wüsste nur nicht, in welcher Konstellation, da wir zwar die gleichen Ziele haben, dafür aber verschiedene Wege gehen“

Boxen1: Im SES Pressetext wurde jetzt schon das Prädikat „Spitzenkampf des Jahres“ vergeben. Wieso wurde im Text mit keinem Wort erwähnt, dass du den Titel abgelegt hast für das Rematch und welches Prädikat hätte dann das Duell mit Brähmer verdient ?

Härtel: „Das wurde bestimmt in der Eile des Gefechts vergessen (lacht). Ich glaube, das Prädikat bezog sich auf den ersten Kampf. Der zweite wird wahrscheinlich nicht so hochklassig, weil der erste von der Spannung und Dramatik gelebt hat. Im Rematch habe ich den Anspruch, den Kampf noch klarer zu gestalten.
Das ist ne gute Frage…der Angriff des Lauchhammers!?“

Vielen Dank Stefan für das aufschlussreiche Interview!