
Deutschlands Boxhoffnung steht vor einem wegweisenden Titelkampf am Samstag – live auf DAZN. Schafft er den großen Triumph?
Boxsportfreunde aufgepasst: Am Samstag steht die große WBA-Interimsweltmeisterschaft im Superweltergewicht an. Titelträger Yoenis Téllez (10-0) will den nächsten Schritt in Richtung reguläre Weltmeisterschaft machen und verteidigt seinen Gürtel gegen den deutschen Hoffnungsträger Abass Baraou (16-1) im Caribe Royale Resort.
Ein echtes Highlight für den deutschen Boxsport – und einer der hiesigen wichtigsten Männer-Profikämpfe des Jahres 2025. Doch wie gut stehen die Chancen, dass Baraou den großen Triumph schafft und den Gürtel mit nach Hause nimmt?
Abass Baraou – eine Karriere stets auf höchstem Niveau

Dass Abass Baraou eines Tages in einem großen Titelkampf stehen würde, überrascht nur wenige. Das Ausnahmetalent begann seine boxerische Laufbahn in Oberhausen beim Boxclub Ringfrei 1921. Schon früh zeichnete sich ab, dass der Schützling mit togolesischen Wurzeln enormes Potenzial besitzt. Spätere Erfolge bei den Amateuren folgten auf nationaler wie internationaler Ebene: 2017 Europameisterschaftsgold in Charkiw, WM-Bronze in Hamburg.
Wenig später unterschrieb er seinen ersten Profivertrag bei Sauerland Events. Bereits im zweiten Profikampf sicherte er sich die Deutsche Meisterschaft über 10 Runden und unterstrich damit seine außergewöhnlichen Ambitionen. Doch dieser Titel war nur eine Zwischenstation – das große Ziel blieb stets der internationale Durchbruch. Zunächst sollte die Karriere jedoch einen Umweg nehmen.
Nach einer umstrittenen Niederlage kam der EM-Erfolg

Karrieren verlaufen selten nur steil nach oben – auch diese Erfahrung musste Abass Baraou machen. Im August 2020, mitten in der Corona-Pandemie, bestritt er seinen bis dato größten Profikampf: einen IBF-Eliminator im Superweltergewicht gegen Landsmann Jack Culcay (33-5). In einem hochklassigen Duell unterlag er knapp und umstritten nach Punkten. Eine wichtige Lektion: Auf gegnerischem Terrain muss man sichtbar dominieren, um am Ende auch den Sieg zugesprochen zu bekommen. Genau dieses Motto verfolgt er nun auch am Samstag in Orlando.
„Da wir auch auf der gegnerischen Veranstaltung kämpfen, will ich zusehen, dass ich jede Runde gewinne und nicht hinterherhänge. Alles muss sich zusammenfügen. Wenn ich jede Runde gewinne – ihn vielleicht sogar vorzeitig besiegen kann – dann werde ich den Sieg nach Hause bringen.“, beschreibt Baraou seine Ausgangslage.
Nach der Enttäuschung gegen Culcay gelangen ihm weitere Siege, doch richtig Fahrt nahm die Karriere erst mit dem Erfolg über Sam Eggington (36-9) auf. Mit diesem Sieg sicherte sich Baraou den EBU-Europameistertitel – und zugleich einen WBA-Eliminator.
Fast eineinhalb Jahre später steht er nun vor dem größten Kampf seiner bisherigen Karriere: dem Titelduell um die WBA-Interimsweltmeisterschaft. Die Aufgabe verspricht jedoch alles andere als einfach zu werden.
Der ungeschlagene Kubaner Yoenis Tellez gilt als Favorit

Baraou trifft am Samstag auf den ungeschlagenen Kubaner Yoenis Tellez, der sich im vergangenen März die WBA-Interimsweltmeisterschaft über Ex-Weltmeister Julian Williams (29-5-1) einstimmig nach Punkten sicherte. Tellez ist Boxfans von zahlreichen PBC-Veranstaltungen ein Begriff. So erhielt er beispielsweise im Juli 2023 die Möglichkeit, sich auf einer großen PPV-Veranstaltung in der T-Mobile Arena in Las Vegas gegen Sergio Garcia (35-3) auf der Maincard zu präsentieren. Tellez gewann eindrucksvoll durch KO in Runde 3 – die erste vorzeitige Niederlage für Garcia.
Daraufhin war er mehrfach bei Veranstaltungen in Orlando zu sehen, weshalb er am Samstag auch als A-Side gilt und somit ein Heimspiel beim Promoter Most Valuable Promotions hat. Für Baraou bedeutet dies, dass er noch überzeugender auftreten muss, da die Punktrichter tendenziell nicht auf seiner Seite stehen werden.
Auch die Wettquoten verdeutlichen diese Ausgangslage: Rein boxerisch dürfte Baraou keinesfalls schwächer als Tellez eingeschätzt werden, dennoch gilt der Kubaner mit einer Quote von 1,15 gegenüber 6 als deutlicher Favorit.
Ausgeglichener Kampf, der stilistisch vielversprechend erscheint
Die Konstellation als Auswärtskämpfer kann Baraou nicht ändern – entscheidend wird sein, was er am Samstag im Ring zeigt. Und dies könnte einiges sein: Baraou ist bekannt für seinen hohen Druck. Stilistisch interessant wirkt er, weil er seine physischen Qualitäten mit technischen Elementen verbindet.
Er setzt seine Gegner konstant unter Druck, scheut den Schlagabtausch im Infight nicht, bleibt dabei jedoch kontrolliert – eine seiner großen Stärken. Seine Physis ist beeindruckend und dürfte ein Schlüssel gegen Tellez sein. Allerdings ist er aufgrund seiner offensiven Ausrichtung auch oft selbst gut zu treffen und musste in der Vergangenheit einiges einstecken. Zudem konnte er sich zuletzt nicht als großer Puncher empfehlen. Die Marschroute in Orlando dürfte klar sein: Druck erzeugen, ohne dabei unkontrolliert zu wirken.
„In meinen letzten Kämpfen habe ich bewiesen, dass ich gut Druck machen kann – in anderen Kämpfen habe ich bewiesen, dass ich technisch boxen kann. Jetzt muss ich beides zusammenpacken und im smart pressure agieren.“ beschreibt Baraou den Plan.
Wie gut ihm dieser smarte Druck gelingt, bleibt abzuwarten. Tellez verfügt über eine solide Defensive und einen starken Jab – beides Elemente, die gegen einen aktiven Baraou entscheidend sein können. Ungeachtet des Ausgangs darf man einen hochintensiven und spannenden Kampf erwarten, der einiges zu bieten hat
„Es wird eine riesige Schlacht! Ich gehe dorthin, um zu gewinnen und den Gürtel mit nach Hause zu nehmen. Wenn die Fans einen guten Kampf sehen wollen, dann sollen sie einschalten.“
Die Interimsweltmeisterschaft könnte bald aufgewertet werden, wenn Terence Crawford den Titel vakant stellt

Boxsportfreunde sollten diesen Titelkampf keinesfalls verpassen. Zwar geht es „nur“ um die WBA-Interimsweltmeisterschaft im Superweltergewicht, doch dieser Titel könnte bald zur vollwertigen Weltmeisterschaft aufgewertet werden. Der aktuelle Titelträger ist nämlich Boxsuperstar Terence Crawford (41-0), der bereits Ende 30 ist und im September gegen Canelo Álvarez (63-2-2) um sämtliche Titel im Supermittelgewicht kämpft.
Ob Crawford ins Superweltergewicht zurückkehrt, ist fraglich – schon eine Pflichtverteidigung gegen einen weniger lukrativen Gegner dürfte für ihn kaum von Interesse sein. Da er ohnehin nur einmal pro Jahr aktiv ist, spricht vieles dafür, dass der Interimsweltmeister schon 2026 zum vollwertigen Weltmeister aufgestuft wird.
Umso bedeutender ist der Kampf für Tellez und Baraou. Mit dem Sieger des Duells zwischen Jaron Ennis (34-0) und Uisma Lima (14-1) stünde zudem bereits ein prominenter Herausforderer parat.
Starke Fightcard in Orlando von Most Valuable Promotions

Neben dem deutschen Highlight werden in Orlando weitere starke Kämpfe zu sehen sein, die von Jake Pauls Most Valuable Promotions ausgerichtet werden.
Yankiel Rivera Figueroa (7-0, #20) vs. Angelino Cordova (19-0-1, #50), Fliegengewicht:
Im Hauptkampf des Abends geht es ebenfalls um die WBA-Interimsweltmeisterschaft. Rivera, Olympiateilnehmer für Puerto Rico, wurde bei den Profis zügig aufgebaut und überzeugte bisher mit starken Leistungen. Er trifft nun auf den erfahrenen Cordova, einen ehemaligen WM-Herausforderer mit solider Amateurbasis, der sich zuletzt in den USA gut präsentierte. Ein temporeicher Kampf im Fliegengewicht ist zu erwarten.
Lucas Bahdi (19-0, #15) vs. Roger Gutierrez (29-6-1, #126), Leichtgewicht:
Der Kanadier Bahdi sorgte im vergangenen Jahr für Aufsehen, als er Ashton Sylve nach deutlichem Rückstand spektakulär durch KO stoppte – für viele der Knockout des Jahres. Nun tritt er in einem WBA-Eliminator gegen den Venezolaner Gutierrez an, der bereits WBA-Weltmeister im Superfedergewicht war. Zwar ist Gutierrez zuletzt weniger in Erscheinung getreten, doch Bahdi gilt als technisch schlagbar – womit die Chancen auf eine Überraschung stets gegeben sind.
Um die WBA-Weltmeisterschaft der Damen im Leichtgewicht kämpft die ungeschlagene Stephanie Han (10-0) gegen die unbekannte Kolumbianerin Paulina Angel (7-1-2), die als Außenseiterin in den Ring steigt. Im Opener der Maincard tritt der frühere MMA-Kämpfer Chris Avila (6-1) an. Er bekommt es im Halbschwergewicht mit dem ungeschlagenen Ariel Perez (7-0) zu tun.
Auch die kostenlosen Prelims bieten was. Der frühere WM-Herausforderer Jamaine Ortiz (19-2-1) sollte ursprünglich auf der Maincard gegen Steve Claggett antreten, doch dieser musste verletzungsbedingt absagen. Nun boxt Ortiz gegen Ersatzgegner Ambiorix Bautista (19-2). Darüber hinaus wird ein WBA-Interimstitelkampf der Damen im Fliegengewicht zwischen Jasmine Artiga (13-0-1) und Linn Sandstrom (10-3-3) stattfinden.
Der Streamingdienst DAZN überträgt das Event
Der Streamingdienst DAZN überträgt das Event am Samstag live aus Orlando. Die Maincard beginnt in der Nacht zum Sonntag um 2 Uhr MESZ, der Kampf von Abass Baraou ist als Co-Main-Event angesetzt und dürfte gegen 4 Uhr steigen.
Die kostenlosen Prelims sind bereits ab 0 Uhr auf YouTube verfügbar.














