
Der Deutsch-Türke Cinkara lebt seinen Traum und kämpft in Gold Coast um die Weltmeisterschaft im Cruisergewicht. Sein Gegner ist gefürchtet.
Am Samstag ist es endlich so weit: Der große Moment für Hüseyin Cinkara (23-0) steht bevor. Der Deutsch-Türke, geboren in Speyer in Rheinland-Pfalz, boxt um die IBF-Weltmeisterschaft im Cruisergewicht im Gold Coast Convention Centre im fernen Australien. Dort trifft er auf keinen Geringeren als die aktuelle Nummer 1 der Gewichtsklasse, Jai Opetaia (28-0). Ein gefürchteter Southpaw, der als klar bester Mann im Cruisergewicht gilt und bereits eine gewisse P4P-Relevanz besitzt.
Seit April 2024 wartet Cinkara auf seine WM-Gelegenheit
Eine sehr große Aufgabe also für Cinkara, der jedoch fest entschlossen scheint, diese zu nutzen. Zu lange hat er auf diesen Moment hingearbeitet, um ihn jetzt – mit fast 41 Jahren – nicht zu ergreifen. Das Anrecht auf die Weltmeisterschaft erkämpfte sich Cinkara im April 2024, als er in einem IBF-Final-Eliminator glänzte und Armend Xhoxhaj (23-4) krachend in der zweiten Runde stoppte. Dieser Erfolg sorgte international für Verwunderung. Zahlreiche Beobachter stellten sich die Frage, wer dieser „alte Mann“ mit dem Dynamit in den Fäusten eigentlich sei.
Durch diesen Sieg wurde er zum IBF-Pflichtherausforderer ernannt und sollte bereits im Januar seine Gelegenheit in Australien gegen Jai Opetaia erhalten. Doch eine Verletzung warf den 40-Jährigen zurück – die WM-Chance schien plötzlich geplatzt.
„Nach meiner Verletzung dachten alle, dass es für mich vorbei sei und ich nie wieder eine Chance auf die WM bekommen würde. Aber ehrlich gesagt: Wenn ich jemand wäre, der darauf achtet, was andere über mich sagen oder denken, hätte ich schon vor elf Jahren mit dem Boxen aufhören müssen“, schilderte Cinkara gegenüber Boxen1.
Huseyin Cinkara (22-0, 18 KOs) 🇹🇷🇩🇪 dominates the IBF Cruiserweight Eliminator bout against Armend Xhoxhaj (18-4, 9 KOs) 🇹🇷 and stops him in round 2 in Nuremberg, Germany. pic.twitter.com/LOyhLKwwjl
— Permante (@PermantexG) April 27, 2024
Cinkara lehnte 150.000 Dollar für seine WM-Gelegenheit ab

Hueseyin Cinkara (GER) – Juan Diaz (VEN)
© Torsten Helmke
Nun ergibt sich doch noch die WM-Chance – allerdings kam dies der Seite von Opetaia alles andere als gelegen. Man versuchte, Cinkara mit einem sogenannten step-aside-Angebot vom Kampf abzuhalten und bot stolze 150.000 Dollar. Doch der Deutsch-Türke ließ sich darauf nicht ein. Seit Monaten denkt er nur an seine WM-Chance, Geld ist zweitrangig für ihn.
„Ob ich mehr oder weniger verdiene, war mir egal. Ich bin 40 Jahre alt, boxe schon seit 29 Jahren, da spielt Geld keine Rolle. Wenn man jetzt gewinnt und Erfolg hat, dann kommt das Geld sowieso. Aber für Geld das jetzt aufzugeben – das mache ich nicht. Ich boxe lieber für nichts, um meinen Traum zu ermöglichen“, so ein fest entschlossener Cinkara gegenüber Boxen1.
Opetaia gilt als klarer Favorit vor dem Kampf

Nun ist vermutlich jede WM-Chance im Ausland enorm knifflig, doch für Cinkara wird es am Samstag einem Himmelfahrtskommando gleichkommen. Er fordert nicht nur einen Titelträger heraus, sondern die klare Nummer 1, die zudem den The Ring-Titel hält. Die Vorzeichen stehen also alles andere als auf Sieg. Die meisten Beobachter erwarten einen zügigen vorzeitigen Erfolg von Opetaia gegen den Pflichtherausforderer.
Doch bei dieser Konstellation ergeben sich auch Chancen. Im Grunde erwartet niemand etwas von Cinkara, der in diesem Duell nur positiv überraschen kann. Zudem verfügt er über einen sehr interessanten und individuellen Kampfstil. Er boxt nicht nur statisch in der Doppeldeckung, sondern hält diese teilweise tief und sucht sehr proaktiv seine Kontergelegenheiten, die beispielsweise Xhoxhaj umgehend erschütterten. Entsprechend darf sich auch Opetaia seiner Sache nicht zu sicher sein.
„Mein Ziel ist es, Geschichte zu schreiben. Hier nach Australien zu kommen und gegen den besten Mann zu boxen, wo viele es für unmöglich halten, dass der alte Mann Cinkara einen 10 Jahre jüngeren schlägt – jeder hält das für unwahrscheinlich. Das motiviert mich umso mehr.“
Ein Kampf mit KO-Garantie
Der Australier verfügt zwar über nahezu alle boxerischen Eigenschaften, ist jedoch in seinen Kämpfen durchaus gut zu treffen. Hier liegt die Chance für Cinkara, der den Kampf nach Punkten auswärts kaum gewinnen wird. Er muss seine Puncherchance ergreifen und die harten Momente im Kampf suchen – und finden. Natürlich ist es ebenso möglich, dass Opetaia diese Momente selbst finden wird.
Entsprechend ist es unwahrscheinlich, dass der WM-Kampf über die vollen zwölf Runden gehen wird. Doch im Boxen ist alles möglich, auch ein Upset. Cinkara weiß das, vertraut seinem Trainingsfleiß, seiner Power sowie Gott.
„Eins steht fest: Wahrscheinlich wird einer fallen. Ob ich das bin oder er, kann ich nicht sagen. Ich bin für eine Schlacht bereit!“
Mit Vorfreude verweist Cinkara außerdem auf Folgendes:
„Bei uns sagt man: Eine Schlacht ist für Türken wie ein Fest. Am Samstag wird es für mich also ein Fest sein, weil es eine Schlacht gibt – und darauf freue ich mich.“
DAZN überträgt das Event nicht – Jason Moloney und Teremoana Teremoana boxen auf der Undercard

Die Veranstaltung wird von Tasman Fighters promotet und umfasst insgesamt neun Kämpfe. Auf der Undercard finden sich zahlreiche solide nationale Duelle. Mit Jason Moloney (27-4) wird zudem ein Ex-Weltmeister im Ring stehen, der sich nach zwei Niederlagen in Folge im Bantamgewicht gegen Herlan Gomez (14-2) zurückmelden möchte. Außerdem wird das spannende Schwergewicht Teremoana Teremoana (8-0) seinen bislang stärksten Kontrahenten erhalten – den soliden Mexikaner German Garcia Montes (9-6).
Das Schwergewicht Justis Huni (12-1) wird hingegen nicht das heiß ersehnte Rematch gegen Kiki Toa Leutele (12-2-2) bestreiten. Hunis Trainer verstarb überraschend im November, weshalb der Kampf gestrichen wurde.
Eine weitere schlechte Nachricht ist die Tatsache, dass DAZN das Event offenbar nicht übertragen wird. Aktuell scheint es außerhalb Australiens keinen Anbieter zu geben – eine äußerst bedauerliche Situation. Ebenso enttäuschend ist, dass sich auch in der Türkei kein Übertragungspartner bemüht hat, die Weltmeisterschaftschance von Cinkara zu begleiten.
In Australien selbst wird das Event im PPV auf Stan Sport für umgerechnet etwa 30 € übertragen. Der Beginn der Übertragung ist für 7:30 Uhr deutscher Zeit am Samstag vorgesehen. Der Hauptkampf dürfte gegen Mittag stattfinden. Leider ist der Anbieter Stan Sport außerhalb Australiens nicht verfügbar, weshalb vermutlich ein australischer VPN notwendig wäre.
Wichtiger Nachtrag: Das Event soll wohl außerhalb Australiens nun doch angeboten werden im UFC Fight Pass.















Enttäuschend das türkische Medien nicht unterstützen. Ist ja in Deutschland auch so geworden.
Obwohl das ein top WM fight ist.