Historische Begebenheiten – Der Mythos Max Schmeling

Gestern vor genau 82 Jahren ergab sich im ehrwürdigen New Yorker Yankee Stadium eine Sensation, die so von keinem der anwesenden 42.000 Zuschauer für möglich gehalten wurde, außer vom Hauptdarsteller selbst. Denn Max Schmeling, hierzulande eine alles überdauernde Legende, kündigte noch vor dem Kampf gegen den bis dato in 27 Kämpfen unbesiegten Joe „The Brown Bomber“ Louis, bei den amerikanischen Boxsportexperten vollmundig an: „Ich habe da etwas gesehen, was mich zuversichtlich macht!“ Für diese Aussage wurde der damals 31-jährige Ex-Champion, mit dem Kampfnamen „Der schwarze Ulan vom Rhein“, nur müde belächelt. Doch er sollte aller Welt das Gegenteil beweisen…

Der Anfang der Karriere: Schmeling mit Erfolgen im Halbschwergewicht

Doch kommen wir zunächst zu einem anderen Mythos der unzertrennbar mit dem Namen Max Schmeling verbunden ist – Nämlich dem, dass Max Schmeling der bislang einzige deutsche Schwergewichtsweltmeister aus einem der anerkannten Verbände ist. Aber auch diese Geschichte passte einwandfrei zum 1905 in Klein-Luckow, in der Uckermark, geborenen Schmeling. Denn erstaunlicherweise wissen nur die wenigsten, dass Schmeling zunächst nur im Halbschwergewicht, der heutigen Klasse bis 79,7 Kg boxte. Aber auch dort, wo er immerhin bis in die späten 1920er antrat, feierte er beachtliche Erfolge. Er wurde mehrmals deutscher Meister des BDB und Europameister der EBU. Doch noch 1928 gelang es Schmeling, auch im Schwergewicht deutscher Meister zu werden und dies ebnete ihm den Weg etwas zu schaffen, was seitdem kein Deutscher mehr zu schaffen vermochte…

Die Reise über den Teich, erste Rückschläge und der Weg zum Titelkampf

Max Schmeling mit seinem Manager, dem Amerikaner Joe Jacobs / Foto: Bundesarchiv, Bild 102-09942 / CC-BY-SA 3.0

Er ging aus dem Rheinland, der damaligen Hochburg des deutschen Boxens, über den großen Teich, fiel dort aber zunächst, mangels Kontakten, auf den Hosenboden.
Erst nachdem er den Manager wechselte und beinahe pausenlos in den wichtigsten Zeitungen erschien, nahm die Karriere auch in den USA Fahrt auf – Beleg dafür ist, dass gleich seine ersten beiden Kämpfe, gegen Joe Monte und Joe Sekyra, im legendären Madison Square Garden statt fanden. Im Anschluss besiegte er nach Punkten den Spanier Paulino Uzcudun und folgend gewann er seinen Kampf gegen den aus Cleveland, Ohio stammenden Johnny Risko, durch TKO in Runde 9. Dies brachte ihm unter anderem die Auszeichnung für den Kampf des Jahres 1929 vom Ring Magazine ein und die Chance auf die Mutter aller Titel im Boxen – den Schwergewichtstitel.

Der Weg zur Unsterblichkeit durch den WM-Titel, 102.000 Menschen in Lokstedt und ein alter Bekannter

Max Schmeling 1930 / Foto: Bundesarchiv, Bild 102-09348 / CC-BY-SA 3.0

So ging es also am 12.06.1930 gegen Jack Sharkey, im New Yorker Yankee Stadium, um die Schwergewichtstitel der beiden großen Verbände der damaligen Zeit. Das war zum einen der Titel der National Boxing Association (heute WBA) und der Titel der New York State Athletic Commission. Nach einem unspektakulären Kampfverlauf wurde Sharkey in der 4. Runde wegen eines absichtlichen Tiefschlages disqualifiziert und Schmeling damit über Nacht zum Star und zum Weltmeister aller Klassen. Den NBA-Titel verteidigte er genau ein einziges Mal und das durch TKO, nur 14 Sekunden vor Ende der 15. Runde, gegen Young Stribling. 1932 dann im Rückkampf mit Sharkey, verlor Schmeling umstritten durch eine Split Decision.

Doch seiner Popularität, gerade in Europa, tat diese Niederlage keinen Abbruch – Im Gegenteil, zwei Jahre später im Kampf gegen Walter Neusel, gelang es den bis heute gültigen Zuschauerrekord in Europa für eine Boxveranstaltung aufzustellen – Neusel und Schmeling boxten auf der Sandbahn Lokstedt vor unglaublichen 102.000 Menschen. Der „schwarze Ulan“ gewann durch Technischen Knockout in Runde 9. Die weiterhin ungebrochene Aufmerksamkeit für Schmeling brachte ihm somit einen alten Bekannten als Gegner vor die Fäuste – Paulino Uzcudun. Der Spanier verlor allerdings beim Heimspiel Schmelings, im Poststadion von Moabit, nach einem von beiden Seiten harten Kampf, erneut nach Punkten.

Mit diesem Sieg allerdings, wurde der Grundstein für den größten Mythos des Max Schmeling gelegt…

Schmeling gegen Louis I – Die Sensation gelingt und das erneute Scheitern am Gesetz „They never come back“!

… und dieser noch größere Verdienst, den er am 19.06.1936 erbrachte, führte letztlich auch zu diesem riesigen Renommee, welches er bis über seinen Tod hinaus (im Jahre 2005), auch heute noch besitzt. Er wollte das bis 1960 ungeschriebene Gesetz „They never come back“ brechen und unternahm erneut den Versuch, obwohl bereits einmal entthront, Schwergewichtsweltmeister zu werden. Um aber einen erneuten Titelkampf zu bekommen, musste er den zur damaligen Zeit gefährlichsten, gefürchtetsten und als unschlagbar geltenden Schwergewichtsboxer Joe „The Brown Bomber“ Louis, der mit einem makellosen Kampfrekord von 27-0 aufwartete, besiegen.

Doch wie bereits im Vorspann erwähnt, war er, Maximilian Adolph Otto Siegfried Schmeling, wie er mit vollen Namen hieß, sicher, den „Bomber“ Louis schlagen zu können. Besonderen Ausdruck seiner Sicherheit verlieh er mit einer Aussage auf der Pressekonferenz vor dem Kampf. Dort sagte er die berühmten Worte: „Ich habe da etwas gesehen, was mich zuversichtlich macht“. Es kam wie es kommen musste: Der 31-Jährige, der zur damaligen Zeit bereits als Veteran galt, lieferte dem neun Jahre jüngeren 10:1-Favoriten einen Weltklasse-Kampf!

Max Schmeling zusammen mit Ebby Thust in Las Vegas

Er überstand die ersten Runden und drehte dann den Kampf zu seinen Gunsten. In Runde 4 traf er den Bomber wie angekündigt, mit einem rechten Volltreffer. Dieses Kalkül bewies gleichzeitig seine Aussage, denn Louis ließ nach eigenen Jabs, die linke Führhand hängen und offenbarte so, für einen kurzen Moment, eine Lücke in seiner Deckung. Nach weiteren Schlagsalven beförderte er seinen Kontrahenten zum ersten Mal in dessen Karriere in den Ringstaub. Folgerichtig blieb Schmeling am Drücker! Er bestimmte fortan den Kampf und traf immer wieder nach gleichem Muster.

In Runde 12 war die Sensation perfekt: Mit einer mörderischen Links-Rechts-Kombination, einem folgenden rechten Cross und einem Uppercut, sorgte er für die Vorentscheidung, ehe nochmals seine beste Waffe, der rechte Cross, für die Entscheidung und lebenslangem Ruhm sorgte. Er gewann somit in Runde 12, nach 2:29 Minuten, durch KO und sorgte so für die größte Sensation des Boxsports. Außerdem erkämpfte er sich sein Recht, auf einen erneuten Titelkampf.

Zwei Jahre später war es dann soweit – Louis, mittlerweile Weltmeister nach seinem Sieg über den zweitklassigen Jim Braddock, bat Schmeling, im Stadion seines größten Erfolges, zum Rückkampf. Schmeling verlor jedoch vernichtend gegen den perfekt agierenden Bomber und ging in Runde 1, nach 2:04 Minuetn, KO. Joe Louis dominierte danach über 12 Jahre das Schwergewicht!

Aus Rivalen werden Freunde, Kriegswirren und restliches Leben

Schmeling als Fallschirmjäger in einer Ju 52 / Foto: Bundesarchiv, Bild 146-1977-115-04 / CC-BY-SA 3.0

Schmeling und Louis blieben ihr Leben lang einander freundschaftlich verbunden. Schmeling besuchte ihn regelmäßig, half ihm nach der 1951 beendeten Karriere sogar finanziell, bezahlte 1981 die Beerdigung des völlig verarmten Ausnahmeboxers aus den USA und erwies seinem „Freund“ die letzte Ehre als Sargträger. Das letzte große Highlight für Max Schmeling, bildete zugleich seinen vorläufigen Rücktritt vom Boxsport – 1939, auf der damaligen „Adolf-Hitler-Kampfbahn“ in Stuttgart, besiegte er Adolf Heuser durch KO in Runde 1 und verabschiedete sich vor 70.000 Zuschauern mit dem EBU-Europameistertitel. Er kam zwar 1947, nach den Kriegswirren, noch einmal für 6 Kämpfe zurück, doch dies geschah eher aus finanziellen Gründen und führte nicht mehr zu Titeln.

Doch trotz alledem und mit bescheidenen Mitteln, gelang es nach und nach ein sorgenfreies Leben aufzubauen. Unter anderem war Schmeling Generalvertreter für Coca-Cola. Dem Boxsport blieb er als Ringrichter erhalten und auch seinem neuen Wohnort Hollenstedt (bei Hamburg), leistete er oft großzügige Spenden. Seine boxerischen Leistungen wurden 1991 mit der Aufnahme in die International Boxing Hall of Fame gewürdigt.

Außerhalb des Sports erinnern heute noch die Max-Schmeling-Halle in Berlin und zahlreiche Denkmäler, Büsten und Gedenktafeln an den wohl größten und bekanntesten Boxer Deutschlands. Er verstarb nach kurzer Krankheit am 02.02.2005 in seinem Haus. Sein ewiger Kamprekord liegt bei 56 Siegen, 10 Niederlagen und 4 Unentschieden. 39 mal gewann er durch Knockout (56-10-4(39)) und rangiert bei Boxrec auf Platz 9 der besten Schwergewichtsboxer aller Zeiten. Mögen wir uns heute an den großen Max Schmeling erinnern. Ruhe auf ewig in Frieden, Champion!

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