Heute vor 25 Jahren: Die Klitschkos geben ihr Profidebüt und läuten eine Ära ein

Heute vor 25 Jahren gaben die Klitschko-Brüder Vitali und Wladimir ihr Debüt als Berufsboxer beim Hamburger Promoter Universum um Klaus-Peter Kohl und Peter Hanraths.

16. November 1996: In Wandsbek beginnt eine Schwergewichts-Ära

Am 16. November 1996, heute vor exakt 25 Jahren, haben Vitali und Wladimir Klitschko beim damaligen Vorzeige-Boxstall Universum Boxpromotion ihr Debüt als Profiboxer gegeben. In der mit 2000 Plätzen ausverkauften Sporthalle im Hamburger Stadtteil Wandsbek betraten zuerst Vitali und dann dessen jüngerer Bruder Wladimir die Halle. Im Alter von 25 Jahren traf der heutige Bürgermeister von Kiew auf Tony Bradham (damals 6-4(2), 5 KOs). Mit einem Schlag zum Körper beendete der ältere der beiden Klitschko-Brüder den Kampf durch KO in Runde 2.

Nur einige Minuten später, tat es ihm sein 5 Jahre jüngerer Bruder gleich. Gegen Fabian Meza (damals 4-1-1, 1 KOs) beendete auch Wladimir Klitschko sein Debüt im zweiten Durchgang. Er traf den Mann, der heute wegen sexuellen Missbrauchs im Gefängnis sitzt und 2017 zu 71 Jahren verurteilt wurde, mit einem rechten Haken. „Dieser Tag, dieser erste Profikampf, war für uns wie die erste Liebe, die du auch nie vergisst“, wird Vitali Klitschko in der Welt von Autor Gunnar Meinhardt zitiert.

Als Peter Hanraths die Klitschkos entdeckte & nach Hamburg lockte

Wladimir Klitschko, Peter Hanraths, Vitali Klitschko

Der Mann, der die Klitschkos nicht nur lange beobachte und entdeckte, sondern damals auch nach Hamburg lockte, sie von Universum überzeugte und weltweit eine Vielzahl anderer Promoter ausstach, ist Peter Hanraths. Der heute 76-jährige ehemalige Autoverkäufer, der auch EC Box-Promotions Schwergewicht Victor Faust nach Hamburg holte, erinnert sich: „Ich habe mich damals in der Sportschule Hennef einquartiert, wo sich die ukrainischen Boxer auf Olympia vorbereitet hatten. Dort traf ich Wladimir und Vitali zum ersten Mal. Wir sprachen täglich miteinander und näherten uns so an. Mit meinem damaligen Partner Klaus-Peter Kohl flog ich dann nach Atlanta zu den Spielen. Eine Woche nach Wladimirs Gewinn der Goldmedaille trafen wir uns in Hamburg.“ Beim WM-Titelkampf zwischen Dariusz Michalczewski und Graciano Rocchigiani saßen die ukrainischen Schwergewichtler erstmals bei einem Profikampf am Ring.

Vieles hätten die Klitschkos in der darauf folgenden Zeit richtig gemacht, sagte Vitali im Interview mit der Welt weiter. Neben Kohl und Hanraths, soll vor allem auch der verstorbene Trainer Fritz Sdunek ein wegweisender Schlüssel gewesen sein. „Fritz war unser Vater in Deutschland, er hat uns Deutsch beigebracht, er hat uns Profiboxen gelehrt, er war unser Schutzengel.“

Aufstieg der beiden schwergewichtigen Box-Brüder

1996 begann mit den Debüts der Brüder eine Ära im Schwergewicht, die bis heute ihresgleichen sucht. Am 26. Juni 1999, keine drei Jahre nach dem Einstand ins Berufsboxen, krönte sich Vitali Klitschko zum WBO-Weltmeister im Schwergewicht. Damals entthronte er in London Herbie Hide durch KO in Runde 2. Zwei vorzeitige Niederlagen, die auch die einzigen bleiben sollten, musste „Dr. Ironfist“ im Laufe seiner Profikarriere hinnehmen – beide verletzungsbedingt. Am 1. April 2000 unterlag er Chris Byrd vorzeitig wegen einer Schulterverletzung. Vier Jahre kämpfte er sich zurück, um im geschichtsträchtigen WBC-Titelkampf gegen Lennox Lewis schließlich, nach fünf Siegen in Folge, wegen einer Cutverletzung die nächste vorzeitige Niederlage hinzunehmen.

Es folgte ein erfolgreicher WBC-Titeleliminator, dann der Sieg im WBC-WM-Kampf gegen Corrie Sanders, acht Monate darauf die erste erfolgreiche Titelverteidigung. Vier Jahre Zwangspause stoppten den Aufstieg von „Dr. Eisenfaust“, da sich Vitali Klitschko einer Rücken-OP unterziehen musste. 2008 dann das spektakuläre Comeback gegen den damaligen WBC-Weltmeister Samuel Peter. Bis zu seinem letzten Kampf gegen Mahmoud (damals Manuel) Charr im September 2012, verteidigte Vitali Klitschko seinen WM-Titel des World Boxing Council noch insgesamt neun Mal erfolgreich.

Alle Titel in Familienbesitz: Dr. Ironfist und Dr. Steelhammer dominieren das Schwergewicht

Der jüngere der beiden Klitschko-Brüder, „Dr. Steelhammer“, Wladimir, konnte seinen älteren Bruder im Oktober 2000 „rächen“, als er Chris Byrd zweimal zu Boden schlug und letztendlich haushoch nach Punkten im Kampf um die WBO-WM siegte. Doch auch für Wladimir Klitschko gab es, von der Niederlage 1998 gegen Ross Puritty abgesehen, zwei weitere desaströse Rückschläge bis zur fast 10 Jahre anhaltenden Regentschaft im Schwergewicht. Im März 2003 musste Wladimir Klitschko gegen Corrie Sanders schon in Runde 2 die Segel streichen. Nach zwei Aufbaukämpfen war es dann Lamon Brewster, der den Olympiasieger im Kampf um die vakante WBO-WM in Runde 5 stoppte. Doch Wladimir Klitschko bewies „Herz“, wie man im Boxen so schön sagt. Er kämpfte sich zurück an die Spitze, überwand die Demütigungen und holte sich 2006, erneut im Kampf gegen Chris Byrd, die WM-Titel der IBF und IBO.

2008 sollte der WBO-Weltmeistergürtel von Sultan Ibragimov folgen, den er haushoch nach Punkten bezwang. Als Dr. Steelhammer 2011 auch noch den Briten David Haye im Kampf um die WBA-Weltmeisterschaft bezwang, waren plötzlich alle Weltmeistertitel der großen Weltverbände in Besitz der „Familie Klitschko“ – einmalig in der Geschichte des Boxens, denn noch nie zuvor hielten zwei Brüder alle bedeutenden WM-Titel in einer Gewichtsklasse gleichzeitig. Nachdem Vitali (45-2(2), 41 KOs) seine Handschuhe 2013 an den berühmten Nagel hing, regierte Wladimir die „Heavyweight Division“ bis 2015 nahezu eine Dekade lang, bis er vom heutigen WBC-Weltmeister Tyson Fury am 28.11.2015 eindrucksvoll nach Punkten geschlagen wurde. Eineinhalb Jahre später kehrte der einstige Dominator des Schwergewichts für ein Aufeinandertreffen gegen den damaligen IBF, WBA und IBO-Weltmeister Anthony Joshua zurück und lieferte den wohl besten Fight seiner Karriere – auch wenn er in Runde 11 aus dem Kampf genommen wurde und seine Karriere nach 69 Kämpfen (64-5(4), 53 KOs) beendete.

Wladimir und Vitali Klitschko: Erfolgreich, auch nach dem Ende einer Ära

Auch heute noch sind die Klitschkos, beide promovierte Sportwissenschaftler, gefragte ehemalige Profisportler, gern gesehene Gäste bei Shows & Events und erfolgreiche Geschäftsmänner. Sie haben eine Karriere nach der Karriere. Vitali ist seit 2015 Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Zusammen mit Bruder Wladimir, der als Dozent an der Universität St. Gallen arbeitet, ist er außerdem erfolgreicher Unternehmer. Im kommenden Jahr soll Wladimir Klitschko in die „International Boxing Hall of Fame“ aufgenommen werden. Sein Bruder gehört dieser bereits seit gut drei Jahren an. Damit geht dann auch der letzte Traum der ukrainischen Ausnahme-Box-Brüder in Erfüllung.

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