
„The Ring III“ bot in New York ausgeglichene Kämpfe, starke Knockouts und umstrittene Punkturteile.
Am Samstag fand im Louis Armstrong Stadium im New Yorker Stadtteil Queens das Box-Event „Ring III“ statt. Es versprach eine interessante Maincard mit vier sehenswerten Hauptkämpfen, die live im DAZN-PPV übertragen wurden.
Hamzah Sheeraz stoppt Edgar Berlanga in Runde 5
Im Main Event des Abends kam es im Supermittelgewicht zum Duell zwischen Hamzah Sheeraz (22-0-1) und Edgar Berlanga (23-2). Beide Kämpfer hatten zuletzt Rückschläge hinnehmen müssen: Sheeraz rettete sich gegen Carlos Adames mit einem fragwürdigen Unentschieden, während Berlanga gegen Canelo chancenlos blieb. Entsprechend war dieser Kampf für beide von großer Bedeutung, um sich weiterhin in der Weltspitze zu etablieren.
Der Kampf begann sehr ereignisarm. Sheeraz punktete mit seinen langen Armen aus der Distanz, agierte jedoch noch sehr vorsichtig. Auch Berlanga konnte kaum Akzente setzen, wodurch der Fight zunächst wenig zu bieten hatte. Erst zum Ende der dritten Runde nahm die Intensität deutlich zu, beide lieferten sich phasenweise einen Schlagabtausch. Das Publikum war zufrieden und stellte sich auf einen hart geführten Kampf ein – doch das Ende kam schneller als gedacht.
In der Schlussphase der vierten Runde traf Sheeraz Berlanga hart und schickte ihn zu Boden. Insgesamt musste Berlanga zwei Niederschläge in dieser Runde verkraften, überstand sie aber mit dem Wohlwollen des Ringrichters. Erholen konnte er sich davon nicht mehr – kurz nach Beginn der fünften Runde ging Berlanga erneut zu Boden, und der Kampf wurde beendet.
Für Sheeraz war dies nach der enttäuschenden Vorstellung gegen Adames ein enorm wichtiger Sieg. Auch Turki Al-Sheikh zeigte sich erfreut – nicht zuletzt, weil er in Saudi-Arabien künftig gerne mehr starke muslimische Boxer wie Sheeraz, der pakistanische Wurzeln hat, repräsentiert sehen möchte.
Shakur Stevenson bleibt Weltmeister gegen William Zepeda

Im Leichtgewicht verteidigte Shakur Stevenson (24-0) seinen WBC-Titel gegen William Zepeda (33-1). Es war ein Duell der Gegensätze: Stevenson, der bei vielen Zuschauern wenig Gegenliebe findet, gilt als defensivstarker Mover – während Zepeda als brachialer Volumenpuncher bekannt ist. Umso spannender war es zu beobachten, welcher der beiden konträren Stile sich durchsetzen würde.
Der Kampf begann erwartungsgemäß: Zepeda machte permanent Druck und marschierte pausenlos nach vorne. Stevenson agierte geschlossen, setzte auf Konter – die auch immer wieder Wirkung zeigten. Insgesamt entwickelte sich ein sehr ausgeglichener und sehenswerter Kampf in den ersten sechs bis sieben Runden, in denen beide Kämpfer regelmäßig ihre Momente hatten. Zwar wirkte Stevenson effektiver, Zepeda hingegen deutlich aktiver – was eine klare Bewertung erschwerte.
Ab Runde 8 übernahm Stevenson dann deutlich die Kontrolle. Zepeda blieb zwar weiterhin druckvoll und schlug viele Serien, kam jedoch kaum noch präzise durch. Stevenson konterte den Mexikaner mehrfach gekonnt aus und setzte immer wieder die entscheidenden Nadelstiche. Aus einem zunächst engen Gefecht wurde so am Ende ein komfortabler Punktsieg für Stevenson.
Die Punktrichter werteten den Kampf überraschend deutlich mit 2× 118-110 und 119-109 zugunsten des US-Amerikaners.
Subriel Matías ist neuer WBC-Weltmeister im Superleichtgewicht

Im Superleichtgewicht verteidigte WBC-Weltmeister Alberto Puello (24-1) seinen Titel erstmals und stellte sich dem gefürchteten Pressure-Fighter Subriel Matías (23-2). Auf dem Papier war es eine spannende Paarung, die das typische Duell „beweglicher Boxer vs. Puncher“ versprach. Eine Konstellation, die für Matías durchaus ungünstig schien: Zwar ist er brandgefährlich, wenn er im Infight arbeiten kann – wirkt jedoch auch statisch, sobald der Gegner in Bewegung bleibt. Das zeigte sich bereits im Kampf gegen Liam Paro vor einem Jahr, bei dem Matías gegen den beweglichen Gegner nicht zurechtkam.
Das Tempo war von Beginn an hoch, beide Kämpfer teilten ordentlich aus. Überraschend war, dass sich Puello phasenweise auf den Schlagabtausch einließ, obwohl sein Gameplan eigentlich im Rückwärtsgang hätte liegen sollen. Nach engen Anfangsrunden übernahm Matías zunehmend die Kontrolle, drängte seinen Gegner zurück und ging kompromisslos zum Körper – was Puello sichtlich zusetzte. Ab Runde 5 und 6 versuchte dieser verstärkt durch konsequentes Clinchen, Matías‘ Druck zu neutralisieren. Das gelang teilweise, doch Matías blieb der bestimmende Mann im Ring.
Allerdings zeigte sich ab der neunten Runde, dass Matías seinem hohen Arbeitstempo Tribut zollen musste. Puello wirkte frischer und setzte mit explosiveren Händen wieder Akzente. Der Kampf ging schließlich über die volle Distanz von 12 intensiven Runden. Es wirkte, als habe sich Puello mit einem späten Comeback zumindest ein Unentschieden verdient – doch die Punktrichter werteten mit 114–114 sowie 2× 115–113 zugunsten von Matías, der damit etwas überraschend neuer WBC-Weltmeister wurde.
David Morrell siegt umstritten nach Punkten gegen Imam Khataev

Im Opener der PPV-Card traf im Halbschwergewicht David Morrell (12-1) auf den in Kanada unter Vertrag stehenden Imam Khataev (10-1). Khataev stand zuletzt wegen einer vermeintlich positiven Dopingprobe aus dem Jahr 2024 in den Schlagzeilen – Auswirkungen auf diesen Kampf hatte das jedoch nicht.
Von Beginn an entwickelte sich ein rassiger und sehenswerter Fight. Khataev setzte Morrell mit konstantem Druck und kraftvollen Powerpunches unter Druck – mit Erfolg. Die Kommentatoren verglichen ihn stellenweise sogar mit Arthur Abraham, ein echter Ritterschlag. Morrell agierte beweglich, ließ die Deckung oft hängen und punktete im Rückwärtsgang. Dabei wirkte er mitunter zu lässig und offen – was Khataev immer wieder ausnutzte. Besonders in Runde 5, als er Morrell mit einem Haken schwer zu Boden schickte – ein Schocker, doch der Kubaner erholte sich und blieb im Kampf.
In der zweiten Kampfhälfte ließ Khataevs Tempo merklich nach. Morrell nutzte das, punktete mit seinem Jab und setzte immer wieder explosive Akzente. Es kam zu sehenswerten Schlagabtauschen, in denen Morrell zunehmend Oberwasser bekam. Diese späte Leistungssteigerung war dringend nötig, denn Khataev hatte zahlreiche Runden schon gewonnen – inklusive des Niederschlags.
In Runde 10 drehte Morrell noch einmal richtig auf, brachte Khataev ins Wanken, konnte ihn jedoch nicht zu Boden schicken. Der spektakuläre Kampf ging über die volle Distanz – und die Punktrichter mussten entscheiden. Das Urteil lautete: 95–94 für Khataev, 95–94 und 96–93 für Morrell – folglich ein Sieg durch Split Decision für David Morrell. Ein umstrittenes Urteil, das für Diskussionen sorgte, aber angesichts der starken zweiten Kampfhälfte Morrells nicht völlig unverständlich war.














