Hamburger Präsidentenwahl ungültig?

Sportmann-Boss Hans John ruft das Gericht an

Ein Bericht von Wolfgang Weggen

Am Sonntag schon war das Fax da, spätestens heute geht beim Hamburger Amtsgericht (Vereinsregister) das offizielle Protestschreiben gegen die Vorstandswahl des HABV am 19. März ein. Hans John, Vorsitzender des BC Sportmann, hat die Wahl angefochten. Damit brechen harte Zeiten für den umstrittenen alten und neuen (?) Päsidenten Peter Hamel an, der sich nach zweimaligem Patt (11:11 bei 3 Enthaltungen) doch noch das Präsidentenamt durch Losentscheid angeln konnte…

„Das ging gar nicht“, empört sich John, der nebenbei übrigens Mitglied im honorigen Kuratorium des DABV ist. „Das war ja wie im Panoptikum, einfach nicht stilvoll, was da am Wahlabend abgelaufen ist“. Der unfeine Stil des polternden Hamel wäre aber kein Grund, die Wahl anzufechten. „Nein“, sagt John, die Gründe liegen darin, dass nicht satzungsgemäß eingeladen wurde, also verspätet. Und dass ich bzw. der BC Sportmann überhaupt nicht eingeladen wurde. Da nützt es auch nichts, wenn Hamel sagt, es tue ihm leid, aber er habe ja nur den Verteiler von Frank Riedt übernommen. Außerdem ist der Wahlvorgang nicht korrekt abgelaufen. Das war ja eine reine Zettelwirtschaft. Keiner konnte überblicken, ob alles korrekt abläuft. Jetzt liegt es bei dem Richter oder Rechtspfleger darüber zu entscheiden“.

Stichwort stilvoll. Während Gegenkandidatin Marlene Märtin, eine studierte Rechtspflegerin, die seit Jahren im Vorstand des HTB 62 arbeitet, den Vertretern der anwesenden 25 Hamburger Vereine ihr Konzept, ihre Pläne, ihre Ideen in wohlformulierten Worten (ohne zu stänkern) vortrug, sprang Hamel als nächster Redner auf und polterte im Straßenjargon los: „Ich bin ein Mann der Taten. Das ist doch alles bla, bla, bla“! Auch der Zuruf eines Vereinsvertreters „Peter, was soll das? das ist doch unterste Schublade!“ konnte den offensichtlich wütenden Hamel nicht bremsen. „Das ist alles Lüge, alles Quatsch! Wir sind doch der Fels in der Brandung im Norden. Vor der Wahl wurde hintenrum wieder gemacht und getan. Ich will euch nicht die Zeit stehlen, also Abstimmung“! So also hört sich die Wahl-Werbung eines Präsidenten für die Verlängerung seines Mandats an…

Auf die Frage eines Vereinsvertreters, ob er nicht auf eine Neuwahl verzichten wolle, da ihn die Hälfte der Vereine offensichtlich nicht mehr als Präsident wolle, und dass er stattdessen doch als Vize unter Märtin weitermachen könne, raunzte der aufgebrachte Hamel: „Aber eine Hälfte war ja auch für mich. Wenn ich schon Präsident war, gehe ich doch nicht runter“!

Na ja, dass die Vergabe dieses so wichtigen Amtes dann schließlich durch die dreijährige Mara (sie zog das Los) entschieden wurde, das allein spricht schon für sich. Und ist außerdem wohl auch nicht rechtens.

Doch damit nicht genug. Hamel, der neben seiner Funktion als Präsident auch gleichzeitig Geschäftsführer des Verbandes war (alles in einer Hand) wurde bei der Neuwahl dieses wichtigen Postens kräftig abgewatscht. Die Delegierten wählten nämlich BOX-OUT-Geschäftsführer Christian Görisch mit 17:5 Stimmen in das neue Amt.

Und schon ist neuer Ärger programmiert! Denn Hamel wiederholte unmittelbar nach der Wahl auf Nachfrage von Görisch seine Behauptung, BOX-OUT habe finanzielle Probleme und Görisch versuche deshalb, über ein Amt an die Halle Braamkamp zu kommen. Görisch: „Eine Frechheit! Was nimmt der Mann sich nur alles raus. Mit solchen Reden schädigt er meinen guten Ruf“! Der Diplom-Wissenschaftler überlegt jetzt, ob diese üblen Anschuldigungen nach Hans Johns Anfechtung der Wahl ein weiterer Fall für die Hamburger Justiz werden sollte.

Görisch: „Dabei wollte ich Hamel doch als Geschäftsführer die Hand zur Zusammenarbeit reichen – im Sinne des Verbandes, denn es gibt viel zu tun. Aber der Präsident muss doch den Verband nach innen und außen präsentieren, er muss für alle ein Vorbild sein. Und dann so etwas, das geht natürlich überhaupt nicht. Das war schlicht unmöglich“.

Respektlos, ja geradezu frauenfeindlich, auch Hamburgs Verbandstrainer Frank Riedt (weiterhin im Amt) gegenüber Präsidentschaftskandidatin Marlene Märtin. Als die 36-Jährige sich den Fragen der Vereinsvertreter stellte, wollte er von ihr wissen, „ob du denn auch trinkfest bist? Ein Präsident muss trinken können“! Schatzmeister Torben Koop (weiterhin im Amt) konnte ebenso dummfrech fragen: „Würdest du zum Putzen der Halle auch mal einen Lappen in die Hand nehmen“?

Da liegt es doch schon fast auf der Hand, dass der Schreiber eines Artikels über die anstehende Vorstandswahl, in dem er sich kritisch über den Präsidenten geäußert hatte, von (Noch)Präsident Hamel in Gutsherrnart angefaucht wurde: „Schmierfink“!

Na, dann ist doch alles klar – oder?

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