Hamburg Giants beim Favoriten in Berlin unter Wert geschlagen

Edison Zani (Foto Torsten Helmke)
Edison Zani (Foto Torsten Helmke)

Dass es bei den in der Bundesliga-Nordstaffel favorisierten Berlinern von Hertha BSC schwer werden würde, wussten Trainer Anatoli Hoppe und Giants-Teammanager Christian Morales bereits. Am Ende stand eine 8:15-Niederlage zu Buche, die insbesondere aufgrund der Kampfverläufe im Schwer- und Superschwergewicht zu hoch ausfiel. „Leider zeigt dieses auf dem Papier deutliche Ergebnis nicht, dass die Jungs in vielen Kämpfen mindestens ebenbürtig waren“, so Morales.

Die Hamburg Giants mussten erneut auf Nenad Stancic und Teamkapitän Peter Kadiru verzichten, zudem war der ungarische Neuzugang Roland Gálos beim international besetzen Turnier in Debrecen im Einsatz und Bantamgewichtler Domenik Hirsch, bislang in allen Kämpfen gesetzt, musste kurzfristig krankheitsbedingt passen. Trotz dass Morales alle Hebel in Bewegung setzte, konnte in der Kürze der Zeit kein Ersatz gefunden werden, sodass die Riesen ohne den Wiegepunkt in der leichtesten Gewichtsklasse in den Kampfabend starteten.

Aufgrund der andauernden Ausfälle rüsteten die Riesen auch noch mal auf dem Transfermarkt nach. Im Mittelgewicht verstärkten sie sich mit dem Dänen Tadas Sakocius, im Superschwergewicht kam kein geringerer als der amtierende Schweizer Meister Ewene Hansen zum Einsatz.

Nachdem Morad Möllenbeck gegen den amtierenden Deutschen Meister Saeeb Omer den ersten Kampf des Abends verlor, brillierte der in der Bundesliga noch ungeschlagene Leistungsträger Edison Zani in gewohnter Manier und ließ dem Berliner Meister Mohamed Dahami keine Chance. Im Weltergewicht schonten die Berliner zwar WM-Bronzemedaillengewinnern Abass Baraou, dafür kam mit Paul Wall, Medaillengewinner bei der U22-Europameisterschaft, einer der hoffnungsvollsten deutschen Nachwuchsboxer zum Einsatz. Auf Seiten der Hamburger rutschte Carlos Angeles wieder eine Gewichtsklasse nach unten, brachte Wall durch seine überfallartigen Angriffe immer wieder in Verlegenheit, musste aber auch selbst harte Treffer des Berliners einstecken, sodass diese mit 11:8 ihr Drei-Punkte-Polster zur Halbzeit halten konnten.

Nach der Pause feierte mit Tadas Sakocius der erste Neuzugang sein Debüt. Auch wenn er sich Zelimhan Dadaev geschlagen geben musste, bot er dem Deutschen Vize-Meister ein Duell auf Augenhöhe, bei dem auch der Däne hätte als Sieger den Ring verlassen können. „Ich will allerdings nicht von Fehlurteil sprechen. Es war ein Kampf auf Augenhöhe“, bewertet Morales. Im Halbschwergewicht gab es den wohl hochklassigsten Kampf des Abends, bei dem es Ammar Abass auf Seiten der Giants mit dem Österreichischen Meister Umar Dzambekov zutun bekam. Auch wenn Abass seine erste Saisonniederlage einsteckte, gab es am Ende Lob vom Teammanager: „Ammar hat versucht sich nach schnellen Aktionen sofort wieder zu lösen, das hat Stellenweise gut geklappt. Mit der Verwarnung gegen Dzambekov in der dritten Runde wäre auch ein Unentschieden vertretbar gewesen. Hier freue ich mich schon auf einen spannendne Rückkampf.“

Kritik gab es allerdings an den Urteilen im Schwer- und Superschwergewicht. Auch wenn mögliche Siege der Giants nichts am Mannschaftserfolg der Herthaner geändert hätten, so wäre es eine Belohnung für den nimmermüden Kampfgeist der Hamburger Riege gewesen. „Und um die Boxer im Ring geht es letztlich, dass man ihnen durch die Bundesliga die Möglichkeit gibt, sich weiterzuentwickeln. Da sind Siege natürlich eine tolle Bestätigung, die für die zukünftige Arbeit motivieren“, unterstreicht General Manager Raiko Morales.

Max Degenhardt (Foto Torsten Helmke)
Max Degenhardt (Foto Torsten Helmke)

So warf Max Degenhardt in seinem zweiten Kampf nach Rückkehr aus Rumänien alles in die Waagschale, setzte gegen Marko Deckmann immer wieder Treffer, während er durch seine Beweglichkeit selbst nur wenig zuließ – trotzdem wurde er für seinen Aufwand nicht durch die Punktrichter belohnt. Der 23-jährige Elmshorner nahm das Ganze mit Humor: „Siege stärken das Selbstbewusstsein, Niederlagen den Charakter. Heute war es demnach eher eine Charakterschulung. Ich gebe aber nicht auf, fühle mich gut und habe Bock weiter zu kämpfen.“

Das gleiche Schicksaal erlitt der Schweizer Ewene Hansen, der mit Stefan Nikolic einen weiteren Österreicher vor die Fäuste bekam. In der zweiten Runde wackelte der Herthaner sogar, wurde durch den Ringrichter angezählt. Zum Erstaunen der Zuschauer in der Bruno-Gehrke-Halle verließ Nikolic trotzdem als Sieger den Ring. „Es ist schade, wenn die Jungs durch solche Urteile um den gerechten Lohn gebracht werden“, bemängelt Morales.

Die Hoffnung geben die Giants trotzdem noch nicht auf. Kommende Woche geht es auswärts bereits in Schwedt (17.02., 16:00 Uhr) weiter, wo dann endlich der erste Saisonsieg perfekt gemacht werden soll. Die beiden Neuzugänge Sakocius und Hansen zeigten, dass sie in den noch ausstehenden fünf Kämpfen der Bundesliga-Saison 2018 eine Verstärkung sein können. Zudem steht Leichtgewichtler Roland Gálos für den weiteren Saisonverlauf wieder zur Verfügung. Der Ungar gewann das Bocskai Memorial Tournament, ein international besetztes Turnier in seinem Heimatland. Im Finale am Samstag bezwang er den Weißrussen Dmitrij Aszanov, Olympiateilnehmer und Bronzemedaillengewinner der Weltmeisterschaften im Elitebereich – außerdem wurde Gálos als bester Boxer des Turniers ausgezeichnet.

Text: Hamburg Giants Presseabteilung

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