
Die Undercard zum großen Homecoming von Agit Kabayel in Oberhausen steht: Gleich sieben Schwergewichtskämpfe werden erfolgen!
Es sind nur noch wenige Tage bis zum großen Homecoming-Event des deutschen Schwergewichtsstars Agit Kabayel (26-0), der am 10. Januar in der Rudolf Weber-Arena in Oberhausen die WBC-Interimsweltmeisterschaft gegen den ungeschlagenen Polen Damian Knyba (17-0) verteidigen wird. Zugleich markiert die Veranstaltung den Startschuss von Queensberry Promotions in Deutschland, die sich ein dauerhaftes Engagement hierzulande vorstellen können und sich auf dem hiesigen Boxmarkt etablieren möchten.
Lange war die Informationslage dünn, was die Undercard betraf. Nun sind voraussichtlich sämtliche Kämpfe bekanntgegeben. Es werden gleich sieben Schwergewichtskämpfe in Oberhausen stattfinden, zudem noch ein Kampf im Cruisergewicht. Schwergewichtige Action pur also. Einen derart klaren Fokus sah man bislang selten, soll aber das Interesse der deutschen Boxfans widerspiegeln, die sich vermehrt ausschließlich für das Schwergewicht interessieren.
Was kann man von ihnen jeweils erwarten?
Shala und Milas versprechen ein 50/50-Duell

Das Co-Mainevent soll um den IBF-International-Titel im Schwergewicht gehen. Shala steht bei AGON Sports unter Vertrag, Milas hingegen bei FIDES Sports. Shala gehörte im Amateurbereich zu den besten Superschwergewichten des Landes, wurde nationaler Meister und bezwang auch Peter Kadiru. Beim Versuch, EBU-Europameister zu werden, scheiterte er jedoch krachend gegen den Ukrainer Oleksandr Zakhozhyi – meldete sich daraufhin aber überzeugend gegen Daniel Dietz zurück.
Nun wartet mit Milas ein ebenfalls hungriges sowie schlagstarkes Schwergewicht. Milas musste sich lediglich Olympiasieger Tony Yoka in Frankreich geschlagen geben und war einer der wenigen Männer, die Kevin Johnson vorzeitig bezwingen konnten. Rein technisch dürfte Shala der tendenziell bessere Mann sein, doch besitzt er auch die Härte und Nervenstärke, um sich gegen einen drückenden Milas über zehn Runden durchzusetzen? Ein schöner 50/50-Kampf erwartet Oberhausen.
Kubanisches Top-Talent Jadier Herrera boxt um die WBC-Interims-WM

Einer der wenigen Kämpfe außerhalb des Schwergewichts wird die WBC-Interimsweltmeisterschaft im Leichtgewicht sein. Dort bewirbt sich das starke kubanische Prospect Jadier Herrera (17-0), dem eine große Zukunft nachgesagt wird. Nach zahlreichen überzeugenden Siegen möchte er nun den WM-Schritt entscheidend näher kommen und fordert den erfahrenen Ricardo Núñez (26-7) heraus. Núñez gilt als tougher Mann, der sich bereits um die Weltmeisterschaft gegen Gervonta Davis duellierte. Zwar erscheint Herrera noch ziemlich ungetestet, dürfte dennoch als klarer Favorit gegen den soliden Núñez in den Kampf gehen.
Weltklasse-Amateur Gleb Bakshi boxt in Oberhausen

WBA-Interconti-Titel: Gleb Bakshi (SRB) – Gino Natalio Godoy (ARG)
© Torsten Helmke
Eine spannende Personalie ist sicherlich auch der in Wien lebende Gleb Bakshi (6-0). Bakshi galt im Amateurbereich als einer der besten Boxer weltweit, gewann 2019 die IBA-Weltmeisterschaft und holte Bronze bei den Olympischen Spielen in Tokio. Auch im Profibereich lief es für den Schützling von Maxim Michailew bislang ausschließlich positiv. Er hält momentan den WBA-Intercontinental-Titel im Mittelgewicht und ist nach sechs Kämpfen bereits in den Top 40 bei BoxRec gelistet.
Nun wartet der Mexikaner Juan José Rodríguez Durán (21-1) auf Bakshi, der durchaus eine numerisch starke Bilanz mitbringt. 19 seiner 21 Siege holte er vorzeitig, wobei man dazu sagen muss, dass die meisten seiner Erfolge gegen schwächere Gegner erfolgten und somit nicht sonderlich gewichtig erscheinen. Gegen den französischen EBU-Europameister Bilel Jkitou erlitt er vor einem Jahr eine Punktniederlage, präsentierte sich dabei jedoch ordentlich und gewann auch einige Runden. Ob es allerdings gegen den technisch überragenden Bakshi nun zum Sieg reichen dürfte, bleibt zweifelhaft. Dennoch kann man von Rodríguez viel Offensivdrang erwarten.
Oronzo Birardi möchte auf deutschem Boden glänzen

Das Cruisergewicht Oronzo Birardi (9-1) darf auf einer Queensberry-Veranstaltung in Deutschland nicht fehlen, denn er war das erste deutsche Signing in der Geschichte von Frank Warren. Nach zwei Siegen in England musste er sich im Mai 2024 dem starken Aloys Junior nach Punkten geschlagen geben. Ein kleiner temporärer Rückschlag, doch Birardi meldete sich mit einem Sieg in Gibraltar zurück und ist nun heiß darauf, auf deutschem Boden wieder zu glänzen.
Dies soll gegen den Serben Milosav Savic (9-10-1) gelingen, der rein numerisch mit zehn Niederlagen keine sonderlich starke Bilanz aufweist. Davon sollte man sich jedoch nicht täuschen lassen: Savic boxt durchgehend starke Gegner und holte beispielsweise ein sehr respektables Unentschieden gegen den amtierenden EBU-Europameister Labinot Xhoxhaj. Entsprechend dürfte es keine leichte Aufgabe für Birardi werden, und der Kampf zählt zu den besseren auf der Card.
Olympia-Bronzemedaillist Nelvie Tiafack boxt ebenfalls

© Marco Baumann
Wenn es Schwergewichtsboxen in Deutschland zu sehen gibt, darf eine Personalie natürlich nicht fehlen: Nelvie Tiafack (2-0). Tiafack gewann 2024 die Bronzemedaille im Superschwergewicht bei den Olympischen Spielen in Paris und schrieb damit Geschichte. Zuvor gelang ihm bereits der historische Sieg bei den Europameisterschaften 2022 in Jerewan.
Tiafack gilt als absolutes Top-Prospect, das internationale Interesse ist enorm. Nach einem gelungenen Profidebüt bei der Ringside-Zone-Veranstaltung in Heidelberg unterschrieb er einen Promotionsvertrag bei Jake Pauls Most Valuable Promotions in den USA. Nach einem vorzeitigen Sieg in Montreal wird Tiafack nun wieder in Deutschland zu sehen sein und trifft auf den Polen Piotr Cwik (9-5), der neben dem Boxen auch Erfahrung im Kickboxen sowie im Bare-Knuckle-Fighting gesammelt hat.
Starkes Duell zwischen Daniel Dietz und Seun Salami

Foto: Konstantinos Sarigiannidis
Deutlich ausgeglichener dürfte der Schwergewichtskampf zwischen Daniel Dietz (15-1) und Seun Salami (9-0) ausfallen. Dietz kommt ursprünglich aus dem Kickboxen und misst mit 2,04 Metern eine enorme Länge. Dennoch bewies er, dass er sich auch beweglich im Ring präsentieren kann, was er in einem souveränen Punktsieg gegen Felix Langberg unter Beweis stellte.
Nun wartet mit Salami ein ungeschlagenes Prospect auf Dietz. Der Österreicher mit Wurzeln in Nigeria hat sich bereits einen Namen gemacht und galt als heißer Kandidat für ein Signing bei einer der großen deutschen Promotions. Mit einem Sieg über den gut gerankten Dietz würde Salami endgültig den Durchbruch schaffen. Gelingt ihm das? Eine spannende Frage und sicherlich einer der besten Kämpfe der Veranstaltung. Die Distanz von lediglich sechs Runden dürfte eher Salami in die Karten spielen, da Dietz bereits bewiesen hat, dass er auch über zwölf Runden gehen kann. Vermutlich wäre ein Acht-Runder hier passender gewesen.
Weitere Undercard mit Kevin Saszik vs. Patrick Schäfer + David Adeleye

Auch britische Schwergewichte werden in Oberhausen zu sehen sein. Darunter befindet sich der bekannte David Adeleye (14-2), der nach seiner Niederlage gegen Filip Hrgovic einen lockeren Aufbaukampf gegen Osasu Otobo (15-6-1) bestreiten wird. Sportlich hat dieses Duell keinerlei Relevanz und dürfte nicht lange dauern.
Roman Fury (5-0), der Bruder von Tyson Fury, wird ebenfalls im Schwergewicht antreten. Er fordert den routinierten Toni Thes (29-18-1) heraus.
Größere Spannung verspricht hingegen das NRW-Duell zwischen Kevin Saszik (9-0) und Patrick Schäfer (11-1).
DAZN überträgt im zusätzlichen PPV – wenige Karten auf Eventim verfügbar
Insgesamt ist es sicherlich keine überragende Undercard, aber auch keine schwache. Der klare Fokus auf das Schwergewicht ist bemerkenswert und dürfte insbesondere Liebhaber dieser Gewichtsklasse ansprechen. Mit Herrera und Bakshi sind zudem international interessante Talente vertreten.
Der Streamingdienst DAZN wird am Samstag, den 10. Januar, live ab 19 Uhr auf Sendung gehen. Leider ist neben einem bestehenden Abonnement im DACH-Raum ein zusätzliches PPV für 10 € erforderlich.














