In der Rangauhalle Markt Erlbach fand am Samstagabend eine der bedeutendsten Masterboxing-Veranstaltungen des Jahres statt.
Ein Meilenstein für den europäischen Masterboxsport
Vor ausverkauftem Haus wurden 21 Kämpfe ausgetragen, darunter drei offiziell sanktionierte WBU-Weltmeisterschaften, von denen zwei erstmals vergeben und eine erfolgreich verteidigt wurden.
Das Masterboxen, lange Zeit belächelt, präsentierte sich hier auf professionellem Niveau:
Athletinnen und Athleten aus Deutschland, England, Italien, Österreich, Bulgarien und den Niederlanden, im Alter zwischen 32 und über 60 Jahren, lieferten technisch hochwertige und fair geführte Kämpfe.
Organisiert wurde das Event von Ralf-Peter Frohn-Lux und Ralph Heerdegen, die sich seit Jahren für professionelle Strukturen im Masterboxen einsetzen.
Ein besonderer Moment des Abends war die erfolgreiche Titelverteidigung von WBU-Weltmeister Jürgen Grabosch, betreut von Siegfried „Sigi“ Schuster, einem ehemaligen erfolgreichen österreichischen Boxer.
Die Veranstaltung setzte sportlich wie organisatorisch Maßstäbe und gilt als weiterer Beweis dafür, dass das Masterboxen seinen festen Platz im europäischen Boxsport gefunden hat.
Sabri Ulas Goecman (DEU) vs. Klemens Ruder (DEU)
39 J. – 65 Kämpfe – 68,0 kg
43 J. – 101 Kämpfe – 69,7 kg
Sieger: Klemens Ruder (Punktsieg)
Der Abend begann mit direkt mit einem technisch anspruchsvollen Duell zweier Routiniers.
Goecman arbeitete aus einer aktiven Führhand heraus und suchte früh den Vorwärtsgang, während Ruder die Distanz klug kontrollierte und über sauber gesetzte Konter die klareren Treffer setzte.
Im Verlauf der drei Runden entwickelte sich ein taktisch hochwertiges Gefecht ohne unnötige Clinchs, geprägt von guter Beinarbeit und präziser Boxtechnik auf beiden Seiten.
Ruder überzeugte mit besserem Rhythmuswechsel, höherer Trefferqualität und klarerer Ringkontrolle und sicherte sich damit vollkommen verdient den Punktsieg im Eröffnungskampf.
WBU-Weltmeisterschaft – erstmalige Titelvergabe
Thomas Koch (DEU) vs. Peter Burkhardt (DEU)
61 J. – 27 Kämpfe – 86 kg
56 J. – 8 Kämpfe – 83,9 kg
Sieger: Peter Burkhardt – neuer WBU-Weltmeister
Im ersten WM-Titelkampf des Abends trafen zwei der erfahrensten deutschen Masterboxer aufeinander. Beide begannen konzentriert und taktisch diszipliniert, Koch suchte vermehrt den Vorwärtsgang, während Burkhardt aus einer kompakten Guard heraus konterstark antwortete.
Mit zunehmender Kampfdauer legte Burkhardt sichtbar an Druck zu, variierte zwischen Körpertreffern und rechten Geraden und setzte damit die klareren Wirkungstreffer. Koch blieb jederzeit gefährlich, konnte aber in den entscheidenden Momenten nicht genügend Durchschlagskraft entwickeln, um den Rhythmus des Kampfes zu drehen.
Nach sechs intensiven Runden sprachen die Punktrichter einstimmig für Burkhardt, der sich mit einer taktisch reifen und physisch beeindruckenden Vorstellung zum ersten WBU-Weltmeister dieser neu geschaffenen Master-Division krönte.
Hos Haydar (DEU) vs. Allen James (ENG)
41 J. – 0 Kämpfe – 83,6 kg
49 J. – 3 Kämpfe – 86,5 kg
Ergebnis: Unentschieden
Trotz des großen Erfahrungsunterschieds entwickelte sich ein überraschend ausgeglichener Kampf. Haydar, der sein Debüt gab, zeigte sich von Beginn an entschlossen, suchte permanent den Vorwärtsgang und arbeitete mit druckvollen Einzelaktionen. James setzte dem seine Routine entgegen, blieb ruhig unter Druck und antwortete mit präzisen Kontern über die Schlaghand.
Beide Boxer hielten ein hohes Tempo, ohne taktisch die Linie zu verlieren. In der Schlussrunde versuchten sowohl Haydar als auch James, die Entscheidung zu erzwingen, doch keiner konnte sich entscheidend absetzen.
Das Ergebnis, ein leistungsgerechtes Unentschieden, spiegelt den Verlauf exakt wider: ein intensiver, fair geführter Kampf zweier Athleten, die beide sportlich überzeugt haben.
Frauenkampf – Nina Danninger (DEU) vs. Catherine Metcliffe (ENG)
36 J. – 1 Kampf – 62,4 kg
36 J. – 4 Kämpfe – 68,9 kg
Siegerin: Nina Danninger (Punktsieg)
Der erste Frauenkampf des Abends bot eine technisch saubere und taktisch disziplinierte Vorstellung beider Athletinnen. Danninger arbeitete konsequent über die Führhand, nutzte ihre Beweglichkeit und hielt damit den Druck von Metcliffe größtenteils kontrolliert auf Distanz.
Die Engländerin versuchte, mit kurzen Offensivaktionen und Körpertreffern den Rhythmus zu brechen, fand jedoch nur phasenweise Lösungen gegen Danningers variables Konterboxen.
Am Ende entschieden Präzision und Struktur: Danninger setzte die klareren Treffer, blieb taktisch stabil und sicherte sich einen verdienten, wenn auch engen Punktsieg in einem fair geführten Duell zweier stilistisch gut ausgebildeter Boxerinnen.
Alexander Meringer (DEU) vs. Steven Budgen (ENG)
39 J. – 1 Kampf – 79,9 kg
44 J. – 1 Kampf – 79,5 kg
Sieger: Alexander Meringer (Punktsieg)
Meringer übernahm bereits früh die Kontrolle im Ring und setzte mit einer stabilen Führhand sowie konsequenter Vorwärtsbewegung klare Akzente. Er diktierte das Tempo, nutzte die Ringmitte und arbeitete immer wieder erfolgreich mit Schlagserien zum Kopf und Körper.
Budgen blieb jederzeit engagiert, versuchte mit Einzelaktionen und Gegenangriffen den Rhythmus zu brechen, konnte jedoch nur selten nachhaltigen Druck erzeugen.
Über die gesamte Distanz zeigte Meringer die strukturiertere und aktivere Kampfführung, setzte die deutlich höhere Trefferquote und gewann folgerichtig nach Punkten. Ein überzeugender Auftritt des Deutschen, der seine boxerische Linie konsequent durchgesetzt hat.
Erwin Hoogduinen (NED) vs. Joe Loxley (ENG)
42 J. – 1 Kampf – 94,5 kg
38 J. – 0 Kämpfe – 89,4 kg
Sieger: Erwin Hoogduinen (Punktsieg)
Hoogduinen, der für das Team Deutschland antrat, übernahm von Beginn an die Kontrolle über Distanz und Schlagfrequenz. Mit einem aktiven Jab, guter Beinarbeit und klarem Vorwärtsdruck bestimmte er das Gefecht und verhinderte wirkungsvoll, dass Loxley seine Reichweitenvorteile in Offensivaktionen umsetzen konnte.
Der Engländer zeigte eine beherzte Leistung, blieb über alle drei Runden defensiv stabil und versuchte, über einzelne harte Konter in den Kampf zu finden. Doch Hoogduinen ließ kaum Raum für taktische Anpassungen und hielt das Tempo konstant hoch.
Am Ende stand ein verdienter Punktsieg für den Niederländer, der durch konsequente Linienführung, klare Trefferquote und ringtaktische Disziplin überzeugte.
Frauenkampf – Birgit Kretzer (DEU) vs. Michelle Minadies (ENG)
49 J. – 9 Kämpfe – 75,2 kg
40 J. – 24 Kämpfe – 73,4 kg
Siegerin: Michelle Minadies (Punktsieg)
Der zweite Frauenkampf des Abends war nicht nur sportlich, sondern auch menschlich bemerkenswert:
Birgit Kretzer trat trotz gesundheitlicher Einschränkung an, um die extra aus England angereiste Gegnerin nicht ohne Kampf wieder nach Hause zu schicken, ein Beispiel für den respektvollen Geist des Masterboxens.
Minadies setzte von Beginn an Akzente, arbeitete mit hoher Schlagfrequenz und versuchte, Kretzer über Tempo und Volumen unter Druck zu setzen. Die Deutsche verteidigte clever, suchte immer wieder den Konter und zeigte trotz Handicap eine bemerkenswerte Ringübersicht.
Über die volle Distanz war Minadies jedoch die aktivere und treffsichere Athletin und gewann folgerichtig nach Punkten.
Kretzer erhielt für ihren aufrechten Einsatz und ihr sportliches Vorbildverhalten einen Sonderpokal für Fairness und Kampfgeist, völlig zu Recht.
Peter Belogai (DEU) vs. Dave Farley (ENG)
46 J. – 3 Kämpfe – 87,6 kg
40 J. – 11 Kämpfe – 88,2 kg
Sieger: Peter Belogai (Punktsieg)
Der Kampf zwischen Belogai und Farley entwickelte sich schnell zu einem physisch intensiven Duell im Halbschwergewichtsbereich. Belogai setzte früh auf Vorwärtsdruck und suchte immer wieder den Weg in den Infight, während Farley versuchte, mit Schlagkombinationen aus der Halbdistanz die Kontrolle zurückzugewinnen.
Die erste Runde verlief ausgeglichen, doch ab Runde zwei übernahm Belogai zunehmend die Initiative. Mit klareren Treffern zum Kopf und konsequenter Ringmitte erarbeitete er sich optische und taktische Vorteile. Farley blieb jederzeit gefährlich, zeigte eine solide Defensive und suchte den offenen Schlagabtausch, fand aber zu selten durch die Deckung seines Gegners.
Über drei Runden hinweg war Belogai der aktivere Boxer mit der höheren Schlagfrequenz und besseren Treffereffizienz, ein verdienter Punktsieg in einem kampfstarken, fair geführten Duell zweier physisch robuster Athleten.
Jörg Schumacher (DEU) vs. Didi Raditsch (AUT)
55 J. – 3 Kämpfe – 91,4 kg
51 J. – 3 Kämpfe – 91,3 kg
Sieger: Jörg Schumacher (Punktsieg)
Im deutsch-österreichischen Vergleich standen sich zwei nahezu gleich schwere und gleich erfahrene Boxer gegenüber. Schumacher übernahm früh die Initiative, setzte klare Führhände und versuchte, Raditsch permanent in Bewegung zu halten. Der Österreicher blieb defensiv stabil, lauerte auf Konter und suchte immer wieder den rechten Schlaghandtreffer über die Außenbahn.
Der Kampf verlief über alle drei Runden taktisch diszipliniert, ohne wilde Schlagwechsel, jedoch mit klar sichtbarer Intensität auf beiden Seiten. Schumacher variierte seine Aktionen besser, wechselte zwischen Kopf und Körpertreffern und hielt das Tempo höher. Raditsch blieb gefährlich und technisch sauber, ließ jedoch in den entscheidenden Momenten die Offensivinitiative vermissen.
Am Ende fiel die Punktrichterwertung zugunsten von Schumacher aus, der durch Aktivität, Trefferqualität und Ringkontrolle die entscheidenden Argumente auf seiner Seite hatte. Ein fair geführter Kampf zweier erfahrenen Masterboxer.
Celik Hüseyin (DEU) vs. Ben Whitworth (ENG)
38 J. – 1 Kampf – 75,8 kg
32 J. – 3 Kämpfe – 75,5 kg
Sieger: Celik Hüseyin (Punktsieg)
Der Kampf entwickelte sich von Beginn an zu einem schnellen und bewegungsintensiven Duell im Welter-/Mittelgewichtsbereich. Hüseyin arbeitete mit hoher Frequenz aus der Führhand, nutzte seine Beinarbeit effektiv und suchte immer wieder den Winkelwechsel, um Whitworths Deckung aufzubrechen.
Der Engländer versuchte vor allem über explosive Einzelaktionen und Konterschläge zu antworten, fand jedoch nur phasenweise den richtigen Abstand, um seine Schlaghand wirkungsvoll unterzubringen. Hüseyin hingegen blieb über alle drei Runden hinweg strukturiert, variierte seine Serien und setzte die optisch klareren Treffer.
In einer engen, taktisch geführten Begegnung machte letztlich Hüseyins Aktivität und Präzision den Unterschied: ein verdienter Punktsieg für den deutschen Boxer, der über die gesamte Distanz die Ringkontrolle behauptete.
Viktor Hristoskov (BUL) vs. Pete Stoten (ENG)
50 J. – 2 Kämpfe – 112,5 kg
50 J. – 15 Kämpfe – 98 kg
Sieger: Pete Stoten (TKO durch Cut)
Im Schwergewichtsduell zweier erfahrener Masterboxer begann Hristoskov druckvoll und suchte immer wieder den Infight, um seine physische Überlegenheit auszuspielen. Stoten hingegen setzte auf Bewegung, Distanzwechsel und gezielte Konter über die Schlaghand.
Bereits im zweiten Durchgang kam es nach einem unbeabsichtigten Zusammenprall zu einer Cutverletzung über Hristoskovs Auge. Trotz kurzer Unterbrechung wurde schnell deutlich, dass die Platzwunde stark blutete und ein regulärer Kampfverlauf nicht mehr möglich war.
Ringarzt und Offizielle entschieden folgerichtig auf Abbruch, zum Schutz des Sportlers und im Einklang mit internationalen Wettkampfregeln.
Bis dahin war der Kampf taktisch interessant und ausgeglichen geführt. Der Sieg wurde regelkonform „TKO aufgrund Cutverletzung“ für Pete Stoten gewertet.
Alexander Bartuli (DEU) vs. Joe Carpenter (ENG)
38 J. – 1 Kampf – 89,4 kg
38 J. – 3 Kämpfe – 93 kg
Sieger: Alexander Bartuli (Punktsieg)
Bartuli setzte von Beginn an auf kontrollierte Ringführung und arbeitete konsequent über die Führhand, um Carpenter aus der Distanz zu halten. Der Engländer versuchte, mit schnellen Vorstößen und rechten Geraden Druck aufzubauen, fand jedoch nur selten die klaren Trefferlinien.
Besonders in der zweiten Runde zeigte Bartuli ein sauberes Timing im Konter, stoppte mehrere Angriffsbemühungen mit präzisen Gegenhänden und zwang Carpenter immer wieder in Seitwärtsbewegungen. Obwohl der Fight über weite Strecken taktisch geblieben ist, entwickelten sich in der Schlussrunde noch einmal kurze Schlagserien beider Boxer, ohne dass sich der Ausgang fundamental änderte.
Über alle drei Runden hinweg war Bartuli der strukturiertere und treffsichere Boxer. Die Punktrichter werteten folgerichtig zugunsten des Deutschen, der damit einen kontrollierten und verdienten Punktesieg verbuchte.
Maxim Legler (DEU) vs. Ross Dimmock (ENG)
43 J. – 15 Kämpfe – 78,9 kg
45 J. – 7 Kämpfe – 78 kg
Sieger: Maxim Legler (Punktsieg)
Legler und Dimmock lieferten einen der emotionalsten Kämpfe des Abends, geprägt von permanenter Vorwärtsbewegung, hohem Grundtempo und spürbarem Wettkampfwillen auf beiden Seiten. Legler suchte früh die Initiative, kontrollierte die Ringmitte und setzte wiederholt Körper-Kopf-Serien, während Dimmock mit beeindruckender Härte und unerschütterlichem Vorwärtsdrang konterte.
Besonders in Runde zwei entwickelte sich ein intensiver Schlagabtausch im Infight, bei dem beide Boxer klare Treffer landeten und das Publikum lautstark reagierte. Dimmock zwang seinen Gegner immer wieder in kurze Schlagwechsel, blieb jedoch in der Trefferquote leicht unterlegen.
Legler behielt trotz des hohen Drucks die bessere Übersicht, arbeitete mit mehr Variation und setzte die taktisch intelligenteren Akzente. Die Punktrichter werteten geschlossen zugunsten des Deutschen, während Ross Dimmock verdient den Sonderpokal „Härtester Fighter des Abends“ erhielt, eine Auszeichnung, die seine kompromisslose, ehrliche Kampfführung widerspiegelte.
WBU-Weltmeisterschaft – erstmalige Titelvergabe
Rafal Kwiatkowski (DEU) vs. Loris Baldacci (ITA)
48 J. – 12 Kämpfe – 81,7 kg
45 J. – 10 Kämpfe – 76,6 kg
Sieger: Loris Baldacci (Punktsieg – neuer WBU-Weltmeister)
Der zweite WM-Kampf des Abends entwickelte sich zu einem taktischen Duell zweier stilistisch unterschiedlicher Boxer. Kwiatkowski begann dynamisch, suchte früh die Offensive und setzte in der ersten Runde mehrere klare Treffer, die das Publikum sofort mitrissen. Doch bereits in der zweiten Runde geriet der Deutsche nach einem Wirkungstreffer ins Anzählen, ein Moment, der den Rhythmus des Kampfes nachhaltig veränderte.
Baldacci blieb über die gesamte Distanz taktisch diszipliniert, nutzte seine Beinarbeit effektiv und konterte mehrfach über die rechte Gerade. Während Kwiatkowski immer wieder versuchte, das Tempo zu erhöhen und in den Schlagabtausch zu gehen, blieb der Italiener in seiner Linie stabil, bewegte sich intelligent aus der Distanz und verhinderte jede längerfristige Druckphase des Deutschen.
Über sechs Runden war Baldacci der variablere und präziser agierende Boxer, während Kwiatkowski trotz großen Kampfherzens nicht mehr vollständig in die Spur zurückfand. Die Entscheidung der Punktrichter fiel eindeutig zugunsten Baldaccis aus, der sich damit zum ersten WBU-Weltmeister dieser Gewichtsklasse im Masterbereich krönte.
Ein Rückkampf gilt sportlich wie atmosphärisch als äußerst interessant, nicht zuletzt, weil Kwiatkowski in Bestform zweifellos das Potential zu einem ausgeglichenen WM-Duell besitzt.
Jens Kirwin (DEU) vs. Ryan Shilton (ENG)
40 J. – 2 Kämpfe – 73 kg
35 J. – 1 Kampf – 74,8 kg
Sieger: Jens Kirwin (Punktsieg)
Kirwin begann konzentriert, kontrollierte über weite Strecken die Ringmitte und setzte seine Führhand gezielt ein, um die Distanz zu diktieren. Shilton versuchte, mit kurzen explosiven Aktionen und schnellen Vorstößen über die rechte Gerade zum Erfolg zu kommen, fand jedoch nur sporadisch den Weg an Kirwins Deckung vorbei.
Besonders in Runde zwei zeigte Kirwin sein taktisches Verständnis, variierte Tempo und Schlaghöhe und hielt den Engländer mit präzisen Treffern in der Rückwärtsbewegung. Shilton blieb physisch präsent, konnte aber weder den Rhythmus brechen noch entscheidende Wirkungstreffer setzen.
Über alle drei Runden hinweg blieb Kirwin der klar strukturiertere Boxer, arbeitete mit der höheren Trefferqualität und entschied das Duell verdient nach Punkten für sich. Ein souveräner Auftritt, der zeigt, dass Kirwin boxerisch weiter an Stabilität und Reife gewinnt.
Christian Kettner (DEU) vs. Peter Lines (ENG)
36 J. – 2 Kämpfe – 77 kg
41 J. – 15 Kämpfe – 84,7 kg
Sieger: Peter Lines (Punktsieg)
Dieser Kampf war in doppelter Hinsicht bemerkenswert:
Kettner erlebte kurzfristig einen Gegnerwechsel und Peter Lines, eigentlich nur als Betreuer und Zuschauer angereist, erklärte sich wenige Stunden vor Veranstaltungsbeginn bereit, ohne Vorbereitung einzuspringen.
Trotz dieser besonderen Ausgangslage entwickelte sich ein technisch sauberer und fair geführter Kampf. Kettner begann aktiv, nutzte seine Schnelligkeit und versuchte, über schnelle Führhandaktionen und Winkelwechsel die Kontrolle zu übernehmen. Lines blieb jedoch erstaunlich abgeklärt, setzte seine Erfahrung klug ein und platzierte mit präzisen Kontern immer wieder klare Hände.
Im Verlauf der drei Runden übernahm der Engländer zunehmend die taktische Initiative. Mit guter Distanzarbeit, stabiler Defensive und sauber gesetzten Treffern verschaffte er sich Runde für Runde Vorteile. Kettner kämpfte beherzt, blieb engagiert und versuchte bis zum Schluss, das Tempo zu drehen, konnte jedoch nicht mehr entscheidend aufschließen.
Die Punktrichter entschieden folgerichtig auf Sieg für Peter Lines, dessen Leistung angesichts der Umstände als bemerkenswert professionell und sportlich beeindruckend einzustufen ist.
Nicht weniger Respekt verdient Christian Kettner, der ohne Zögern einen neuen Gegner akzeptierte und ein vollwertiges Gefecht lieferte.
Valeri Quade (DEU) vs. Chris Hamilton (ENG)
54 J. – 198 Kämpfe – 88,2 kg
50 J. – 50 Kämpfe – 84,7 kg
Sieger: Valeri Quade (Punktsieg)
Mit zusammen fast 250 offiziellen Ringauftritten standen sich hier zwei der erfahrensten Masterboxer Europas gegenüber und genau so wirkte dieser Kampf: hochdiszipliniert, taktisch ausgefeilt und geprägt von gegenseitigem Respekt.
Quade nutzte seine Reichweite und Routine, um den Engländer mit sauberem Jab und kontrollierter Führhandarbeit auf Distanz zu halten. Hamilton versuchte immer wieder, mit explosiven Antritten und kompakten Schlagserien in die Nahdistanz zu kommen, wo er seine physischen Vorteile ausspielen konnte.
Im zweiten Durchgang stabilisierte Quade seine Linie, setzte klare Treffer zum Körper und kontrollierte zunehmend das Zentrum des Rings. Hamilton blieb jederzeit gefährlich, überstand auch intensive Schlagwechsel ohne den eigenen taktischen Plan aufzugeben, konnte jedoch in der Trefferquote nicht mehr gleichziehen.
Nach drei hochwertig geführten Runden werteten die Punktrichter einstimmig zugunsten von Quade, dessen Erfahrung und Linienklarheit letztlich den Ausschlag gaben.
Ein technisch starker Masterfight auf respektvollem Niveau und einer der sehenswertesten Kämpfe des Abends.
Kevin Zimmer (DEU) vs. Carlo Pierozzi (ITA)
44 J. – 5 Kämpfe – 84,6 kg
44 J. – 1 Kampf – 86 kg
Sieger: Kevin Zimmer (Punktsieg)
Zimmer übernahm früh die Initiative, setzte klare Führhände und nutzte seine Athletik, um Pierozzi permanent unter Druck zu halten. Der Deutsche zeigte eine stabile Grundstellung, variierte geschickt zwischen Einzelschlägen und kurzen Serien und verhinderte damit wirkungsvoll den strukturierten Angriffsvortrag seines Gegners.
Pierozzi suchte seinerseits den offenen Schlagabtausch und versuchte immer wieder, mit überfallartigen Angriffen die Distanz zu verkürzen. Zimmer blieb jedoch konzentriert, kontrollierte die Ringmitte und setzte die optisch deutlich saubereren Treffer, insbesondere über die rechte Gerade.
Mit fortschreitender Kampfdauer wurde der Unterschied in Präzision und Trefferquote klar erkennbar. Zimmer blieb taktisch geschlossen, während Pierozzi zunehmend in Einzelaktionen und unvorbereitete Angriffe fiel.
Die Punktrichterwertung zugunsten von Zimmer fiel folgerichtig und ohne Diskussion aus. Ein überzeugender Auftritt des Deutschen, der körperliche Fitness, taktisches Verständnis und Schlagpräzision miteinander verband.
Stephan Smith (ENG) vs. Adam Dyer (ENG)
52 J. – 11 Kämpfe – 64,4 kg
44 J. – 14 Kämpfe – 64,7 kg
Sieger: Stephan Smith (Punktsieg)
Im rein englischen Duell trafen zwei erfahrene Techniker aufeinander, deren Stil mehr auf taktische Kontrolle als auf offene Schlagwechsel ausgerichtet war. Smith arbeitete über weite Strecken mit einer sauberen Führhand, kontrollierte die Distanz und zwang Dyer immer wieder in kleine Schrittwechsel, ohne ihm den Zugriff auf lange Schlagserien zu erlauben.
Dyer versuchte, über Druckphasen und wechselnde Angriffswinkel den Rhythmus zu brechen, fand jedoch nur selten die Lücken, um seine Schlaghand wirkungsvoll zu platzieren. Smith blieb defensiv stabil, variierte den Jab gut und setzte die klareren Treffer aus der Distanz.
Besonders in der dritten Runde zeigte sich seine Erfahrung deutlich: während Dyer vermehrt Risiko ging, blieb Smith ruhig, konterte präzise und verhinderte jede späte Wende im Kampfverlauf.
Die Punktrichterwertung zugunsten von Smith fiel folgerichtig und ohne Proteste aus. Ein taktisch sauber geführter Kampf zweier Routiniers, mit Vorteilen für den technisch strukturierteren Boxer.
Abdouqaisim Lak (DEU) vs. Marty Deacon Gray (ENG)
42 J. – 5 Kämpfe – 66,2 kg
41 J. – 20 Kämpfe – 66,1 kg
Sieger: Marty Deacon Gray (Punktsieg)
Der vorletzte Kampf des Abends war aus technischer Sicht einer der anspruchsvollsten. Lak begann aktiv, setzte auf saubere Führhände und schnelle Fußarbeit, um die Distanz zu kontrollieren. Gray blieb ruhig, bewegte sich spielerisch leicht um den Ring und wartete geduldig auf Kontergelegenheiten.
Mit zunehmender Kampfdauer zeigte der Engländer seine boxerische Reife: präzise Kombinationen, variable Winkelwechsel und kluge Rhythmusunterbrechungen. Lak suchte immer wieder den Druck nach vorn, fand jedoch seltener klare Trefferlinien und musste zunehmend auf Einzelaktionen ausweichen.
In Runde drei erhöhte Gray nochmals sichtbar das Tempo, platzierte mehrere saubere Hände zum Kopf und nahm seinem Gegner damit endgültig das Momentum. Trotz starker kämpferischer Leistung und hoher Arbeitsrate auf deutscher Seite war Gray der taktisch komplettere und effizientere Boxer.
Die Punktrichter werteten folgerichtig zugunsten des Engländers, dessen Leistung nicht nur technisch überzeugte, sondern auch die Frage aufwarf, wie er in einem Mastertitelkampf bestehen würde.
WBU-Weltmeisterschaft – Titelverteidigung
Jürgen Grabosch (DEU) vs. Mario Schröder (DEU)
55 J. – 279 Kämpfe – 84 kg
53 J. – 120 Kämpfe – 79 kg
Sieger: Jürgen Grabosch (Punktsieg – Titel verteidigt)
Der Hauptkampf des Abends brachte zwei der erfahrensten Masterboxer Europas in den Ring:
Mit zusammen nahezu 400 absolvierten Ringkämpfen standen sich hier zwei Ausnahmeathleten gegenüber, deren Erfahrung und Routine den Kampf zu einem besonderen sportlichen Moment machten.
Grabosch, seit Jahren eine feste Größe im internationalen Masterboxen, wurde in seiner Ecke von Siegfried „Sigi“ Schuster betreut, einem ehemaligen erfolgreichen österreichischen Boxer und anerkannten Coach, dessen Name im deutschsprachigen Boxsport hohes Ansehen genießt.
Schröder, taktisch clever und konditionell stark vorbereitet, begann engagiert, nutzte seine Beweglichkeit und suchte immer wieder den schnellen Vorstoß in den Schlagabtausch. Grabosch antwortete mit seiner bekannten Ruhe, kontrollierte über weite Strecken die Distanz und setzte präzise Einzelaktionen, die seine boxerische Klasse deutlich machten.
Im Mittelteil des Kampfes erhöhte Schröder sichtbar das Tempo, traf mit mehreren klaren Händen und zwang den Weltmeister in kurze Phasen der Defensive. Doch Grabosch blieb mental stabil, setzte in den entscheidenden Momenten die klareren Treffer und demonstrierte genau jenen Unterschied, der Top-Athleten im Masterbereich auszeichnet: Effizienz statt Volumen.
Nach sechs intensiv geführten Runden werteten die Punktrichter geschlossen zugunsten des amtierenden Weltmeisters, der damit seinen Titel verdient verteidigte.
Der Respekt unter beiden Athleten war groß und nicht wenige Stimmen im Publikum äußerten den Wunsch nach einer Neuauflage dieses Duells. Sportlich wäre ein Rückkampf ohne Frage gerechtfertigt.
GESAMTFAZIT
- 21 Kämpfe auf höchstem Master-Niveau
- 3 WBU-WM-Titelkämpfe (2 neue Champions, 1 Titelverteidigung)
- Athleten aus 6 Nationen
- Altersspektrum 32–60+ Jahre
- Technische Klasse, physische Härte und außergewöhnlicher Sportsgeist
Diese Veranstaltung setzte in Europa neue Maßstäbe für den Masterboxsport.














