Gennadiy Golovkin zermürbt Kamil Szeremeta und ist neuer Rekordhalter im Mittelgewicht

Foto: Matchroom Boxing

Nach 14-monatiger Ringabstinenz bedingt durch Corona, demonstrierte Gennadiy Golovkin im Seminole Hard Rock Hotel & Casino in Hollywood (Florida, USA) eindrucksvoll seine noch immer vorhandene Klasse und bewies, dass er mit 38 Jahren noch zur absoluten Elite im Mittelgewicht zählt. Sein polnischer Pflichtherausforderer, war zwar kein Prüfstein, stellte sich aber als extrem zäh heraus.

Golovkin mindestens zwei Klassen zu stark

The Champ is back! Nach der extrem harten Abnutzungsschlacht im Oktober letzten Jahres gegen Sergiy Derevyanchenko (13-3-0, 10 K.o.), bei der Gennadiy Golovkin seine WM-Titel der IBF und IBO wiedergewinnen konnte, die er 2018 an Canelo Alvarez verloren hatte, ging es kurz vor Weihnachten darum, Ringrost abzuschütteln und das ohnehin verkorkste Box-Jahr mit einem guten Statement abzuschließen. Gegner Kamil Szeremeta (31), der bereits im Vorfeld als zu krasser Außenseiter moniert wurde, sollte in der Tat nicht den Hauch einer Chance besitzen, verkaufte sich aber dennoch äußerst tapfer gegen die kasachische K.o. – Maschine.

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Gleich zu Beginn des ersten Durchgangs arbeitete „Triple-G” mit guten Haken über die Außenbahn zum Kopf von Szeremeta und hinterließ auch mit einigen Körpertreffern Eindruck beim Polen, der nach einem linken Kopfhaken kurz vor Rundenende das erste Mal auf die Bretter musste. Auch in Runde zwei agierte „GGG” sehr entschlossen, arbeitete mit seinem Jab wahlweise gut zu Körper und Kopf und versuchte immer wieder Szeremeta mit seinem linken Aufwärtshaken zu fällen. Der Pole konnte in dieser Phase durch „Stick and Move” nur  vereinzelt mit seinem Jab punkten, hierbei aber keinerlei Schlagwirkung bei Triple-G hinterlassen. Und so kam es nach einer knallharten Rechten von Golovkin aufs Ohr von Szeremeta im selben Durchgang schon zum zweiten Knockdown.

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Auch in den Runden drei und vier beherrschte Golovkin klar die Ringmitte und zeigte sich im Vergleich zu früheren Kämpfen durch gute Meidbewegungen hierbei auch im Defensivbereich leicht verbessert. Der Kasache variierte gut mit seinen Schlägen, zielte oft auf die Leber von Szeremeta und hielt den Druck konstant, ohne dabei zu überhasten. In Runde vier erwischte Golovkin Szeremeta mit einer Rechten über die Außenbahn an der Schläfe, gefolgt von einem weiteren linken Kopfhaken, der den Polen bereits das dritte Mal in den Ringstaub beförderte. Doch auch hier bewies der ehemalige Europameister (EBU) im Mittelgewicht sein großes Kämpferherz und kam abermals wieder auf die Beine.

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Die Runden fünf und sechs nutzte Golovkin gewissermaßen als „Experimentierfeld” für zukünftig größere Aufgaben. Er bewegte sich mit dem Oberkörper gut aus der Schlaglinie von Szeremeta heraus und erwischte seinen Gegner immer wieder mit dem Uppercut. In Runde sieben machte Triple-G dann allerdings ernst und erwischte Szeremeta mit einer starken Führhand am Kinnwinkel, die seinen Widersacher das vierte und letzte Mal auf zu Fall brachte. Auch hier kam der Pole noch einmal hoch und boxte den Durchgang tapfer zu Ende. In der Rundenpause folgte dann aber die Erlösung durch Referee Telis Assimenios, der das einzig Richtige tat und Szeremeta aus dem Kampf nahm, um ihn so vor Folgeschäden zu bewahren.

Triple-G bricht jahrelangen Rekord von Bernard Hopkins

Für Golovkin bedeutete dieser Sieg die insgesamt 21. erfolgreiche Titelverteidigung eines WM-Gürtels und der insgesamt 41. Sieg im Profikampf Nummer 43. Damit überbot der Kasache die bisherige Bestmarke von Ex-Champion und Hall-of-Famer Bernard Hopkins (55), der es im Mittelgewicht auf 20 erfolgreiche Titelverteidigungen gebracht hat. Allerdings war Kamil Szeremeta kein echter Gradmesser, um den wahren Leistungsstand von Golovkin zu testen.

Es bleibt zu hoffen, dass Triple-G im neuen Jahr Gegner vom Kaliber eines Jermall Charlo (WBC) oder Demetrius Andrade (WBO) vor die Fäuste bekommt. Auch über die Trilogie gegen Erzrivale Canelo Alvarez wird für den Cinco de Mayo 2021 spekuliert. Doch zunächst muss Canelo heute Nacht in Arlington (Texas) gegen Callum Smith (WBA-Super, Ring Magazine) im Supermittelgewicht ran, wo ihm im Gegensatz zu Golovkin eine ungleich schwerere Aufgabe bevorsteht. Sollte sich der mexikanische Rotschopf, der als leichter Favorit gehandelt wird, aber durchsetzen, dürfen Box-Fans im kommenden Jahr durchaus auf den „Decider” hoffen. Eine weitere Option für Golovkin wäre außerdem der mexikanische Jungspund Jaime Munguia (36-0-0, 29 K.o.).

Gongora neuer IBO-Weltmeister im Supermittelgewicht, Ryder mit erfolgreichem Comeback

Im Co.-Main-Event konnte der Ecuadorianer Carlos Gongora (19-0-0, 14 K.o.) für eine faustdicke Überraschung sorgen. Als 17:1 Außenseiter schlug er Ali Akhmedov (16-1-0, 12 K.o.) mit zwei Knockdowns (jeweils durch einen linken Uppercut) in der zwölften und finalen Runde eines aufsehenerregenden Kampfes K.o. Akhmedov, der wie sein Landsmann Golovkin ebenfalls von Jonathan Banks gecoacht wird, fand zunächst gut in den Kampf und konnte Gongora bereits in Runde zwei mit mehreren rechten Händen zum Kopf in starke Bedrängnis bringen. Doch Gongora kämpfte sich zurück. Es entwickelte sich ein äußerst enges Fuß-an-Fuß Duell, welches bis zum Schluss spannend blieb.

Nach seiner umstrittenen Punktniederlage im WM-Kampf gegen Callum Smith im November letzten Jahres gelang John Ryder ein erfolgreiches Comeback im Supermittel gegen Veteran Mike Guy (12-6-1, 5 K.o.). In dem auf zehn Runden angesetzten Duell konnte sich Ryder nahezu jeden Durchgang sichern und so am Ende klar und einstimmig nach Punkten gewinnen.

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