Gelingt Daniel Dubois das Upset gegen Oleksandr Usyk?

Usyk und Dubois kämpfen am Samstag im Wembley Stadion

Am Samstag steigt der große Undisputed-Showdown im Schwergewicht – die Vorzeichen stehen im Rematch nun anders.

Die Spannung steigt: Am Samstag kommt es im Londoner Wembley-Stadion zum großen Undisputed-Kracher im Schwergewicht. Oleksandr Usyk (23–0) und Daniel Dubois (22–2) treten um sämtliche Titel an. Dabei kann sich Usyk erneut den einmaligen Undisputed-Titel in der Vier-Gürtel-Ära sichern, nachdem er im Mai des vergangenen Jahres Tyson Fury (34–2–1) entthront hatte.

Zwischenzeitlich wurde Usyk jedoch der IBF-Titel aberkannt, den nun Dubois hält – ebenjener Dubois, den Usyk im August 2023 im polnischen Breslau vorzeitig bezwungen hatte. Bedeutet das am Samstag folglich einen lockeren Sieg für die Nummer 1 des Schwergewichts? Wohl kaum, denn Dubois hat sich seit der Niederlage gegen Usyk stark verbessert und befindet sich in der Form seines Lebens.

Dubois befindet sich in der Form seines Lebens

Daniel Dubois.

Das Schöne am Sport ist, dass es immer wieder Phasen mit Höhen und Tiefen gibt. Mal läuft es über Jahre eher mäßig, dann erlebt man wenig später seinen zweiten Frühling und befindet sich in der Form seines Lebens. Letzteres durchlebt derzeit zweifellos Daniel Dubois, der sich sowohl körperlich als auch mental auf einem Höhepunkt befindet.

Nach der vorzeitigen Niederlage in Breslau gegen Usyk hat sich Dubois mit fulminanten Siegen in die absolute Weltspitze und zum IBF-Titel hochgearbeitet. Sein Resümee liest sich beeindruckend: Die vorzeitigen und spektakulären Siege über Jarrell Miller, Filip Hrgović und Anthony Joshua sprechen für sich. Dubois bewies Standfestigkeit, Abgeklärtheit und ausgeprägte Finisher-Qualitäten, die ihm derzeit den Status direkt hinter Usyk einbringen. Nun will der Brite am Samstag den finalen Schritt in Richtung Box-Olymp machen – und die ungeschlagene Nummer 1 der Gewichtsklasse entthronen.

Die Vorzeichen stehen günstiger für Dubois – Usyk bleibt dennoch der Favorit

Oleksandr Usyk bereitete sich im Sparring mit Peter Kadiru vor, der Dubois zu Amateurzeiten schon bezwang.

Die Wahrnehmung gegenüber Daniel Dubois hat sich in den vergangenen Monaten deutlich gewandelt. Er hat sich vom physisch starken Puncher zu einem interessanten Gesamtpaket entwickelt – und greift nun endgültig nach den Sternen. Diese veränderten Vorzeichen spiegeln sich auch in den Wettquoten wider: Während man im ersten Kampf für einen Dubois-Sieg noch eine Quote von bis zu 8,5 erhielt, liegt sie aktuell bei nur noch etwa 4. Ein Sieg von Dubois gilt damit als deutlich weniger unrealistisch und ist mittlerweile ein durchaus vorstellbares Szenario.

Trotzdem sollte Oleksandr Usyk weiterhin als Favorit betrachtet werden. Der ukrainische Ausnahmeboxer bezwang Dubois im ersten Aufeinandertreffen souverän – auch wenn es damals die kontroverse Tiefschlagszene gab. Nichtsdestotrotz gilt der Ukrainer als das Maß der Dinge im Schwergewicht und möchte in der finalen Phase seiner Karriere selbstverständlich nicht den Nimbus der Unbesiegbarkeit verlieren.

Dennoch ist Vorsicht geboten – denn eines ist klar: Dubois bringt enorme Schlagkraft und Selbstvertrauen mit. Usyk hingegen ist bereits 38,5 Jahre alt und dürfte tendenziell zunehmend abbauen. Das liegt auch daran, dass er als bewegliches Schwergewicht stark über Reflexe und Beinarbeit agiert – Attribute, die im höheren Alter schneller nachlassen als beispielsweise eine stabile Defensive oder rohe Schlagkraft. Aus diesem Grund gilt Usyk vom reinen Boxstil her als anfälliger für altersbedingten Leistungsabfall. Ob sich das bereits am Samstag im Wembley-Stadion bemerkbar macht, bleibt mit Spannung abzuwarten.

Enttäuschende Undercard mit Okolie vs. Lerena

Auf der Undercard von Usyk vs. Dubois ll treffen Okolie und Lerena aufeinander.

Selbstverständlich gehört zu jedem großen Kampf auch eine adäquate Undercard, die es zu verfolgen gilt. Der Hauptkampf kostet zahlreiche Millionen und drückte wohl das Budget für die Undercard – diese fällt in diesem Fall nämlich ziemlich überschaubar aus. Insbesondere im PPV-Kontext hätte man sich hier deutlich mehr gewünscht.

Lawrence Okolie (21–1) #8 vs. Kevin Lerena (31–3) #22, Schwergewicht:
Das Highlight der Undercard dürfte dieser Kampf werden. Sowohl Okolie als auch Lerena haben den Sprung aus dem Cruisergewicht über das Bridgergewicht ins Schwergewicht vollzogen. Okolie war mehrere Jahre WBO-Weltmeister im Cruisergewicht, Lerena hingegen IBO-Titelträger und stoppte unter anderem Firat Arslan in Deutschland durch den umstrittenen Handtuchwurf. Beide hielten zudem den WBC-Titel im Bridgergewicht: Okolie nach seinem Erfolg über Lukasz Rozanski im vergangenen Jahr in Polen, Lerena als dessen Nachfolger im Mai in Südafrika.

Nun treffen beide um den WBC-Silver-Titel aufeinander. Okolie gilt als wenig fanfreundlich mit einem sehr eigenwilligen Stil, der stark auf Clinch und Infight-Momente ausgelegt ist. Lerena hingegen wirkt kompakt und explosiv, muss als kleinerer Mann aber den Weg in die Distanz finden – was gegen Okolie schwierig werden dürfte. Entscheidend wird sein, wie gut Lerena mit den Clinch-Situationen umgeht und ob er im Nahkampf effektiv arbeiten kann. Andernfalls droht ihm ein langer Abend. Die Buchmacher sehen den Kampf relativ ausgeglichen, mit leichten Vorteilen für Okolie.

Daniel Lapin (11–0) #33 vs. Lewis Edmondson (11–0) #46, Halbschwergewicht:
Hier treffen zwei ungeschlagene Boxer aufeinander. Lapin ist Ukrainer und gehört zum Team Usyk. Es geht um einen WBA-Titel sowie um den prestigeträchtigen IBF-Intercontinental-Titel. Beide Athleten sind im IBF-Ranking gelistet – ein Sieg dürfte also einen deutlichen Sprung nach vorne bedeuten. Lapin gilt mit 1,98 m als außergewöhnlich groß für die Gewichtsklasse und ist als Rechtsausleger zudem schwer zu händeln.

Edmondson kommt aus England und bringt zwei starke Siege mit – unter anderem über den hoch eingeschätzten Dan Azeez um die englische Meisterschaft sowie den Commonwealth-Titel. Ein durchaus spannender Kampf zweier aufstrebender Boxer, die sich in Richtung Weltspitze vorkämpfen wollen. Für einen der beiden wird dieser Schritt am Samstag wohl gelingen.

Vladyslav Sirenko (22–0) #36 vs. Solomon Dacres (9–1) #129, Schwergewicht:
Ursprünglich sollte Sirenko gegen seinen Landsmann Andrii Novytskyi antreten, nun springt Dacres als Ersatz ein. Sirenko ist dem deutschen Publikum teilweise durch seine Auftritte bei Fächer-Sports-Veranstaltungen bekannt und boxte zuletzt regelmäßig auf kleineren Events in den USA – etwa bei CountryBox in Nashville. Nun steigt er von wenigen hundert Zuschauern auf eine Bühne vor fast 100.000 – ein beachtlicher Sprung.

Dacres ist ein Engländer mit guter Amateurvergangenheit. Bei den Profis wurde er zwar Englischer Meister, blieb aber bislang weitgehend blass. Vor allem der fehlende Punch ist auffällig, ebenso wie die Abwesenheit besonderer Fähigkeiten für die Weltspitze. Zuletzt wurde er auch prompt von David Adeleye gestoppt. Entsprechend geht Sirenko als Favorit in diesen Kampf, der eher die dritte Reihe des Schwergewichts repräsentiert.

DAZN überträgt den Kampfabend im PPV

Auch wenn die Undercard nicht allzu viel zu bieten hat, so wird der Hauptkampf umso spannender erwartet. Der Streamingdienst DAZN überträgt den gesamten Kampfabend exklusiv als kostenpflichtigen Pay-per-View zum Preis von 19,99 €. Der Beginn ist für 18:30 Uhr angesetzt. Eine zusätzliche Buchungsmöglichkeit über YouTube wird voraussichtlich nicht angeboten.

Ab 18:30 Uhr werden zudem die ersten Kämpfe der Prelims kostenlos zu sehen sein.

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