
Trainer Joe Goossen im Zentrum der Barrios-Garcia-Debatte
Obwohl Ryan Garcia ihn aus seiner Ecke entlassen hat, bezeichnet er ihn als Verräter, weil Goossen zugestimmt hat, ausgerechnet den WBC-Weltergewichts-Champion Mario Barrios gegen ihn zu trainieren.
Ryan Garcia fordert WBC-Weltergewichtsweltmeister Mario Barrios heraus – doch im Vorfeld dreht sich vieles um Hall-of-Fame-Trainer Joe Goossen. Der frühere Coach Garcias steht nun in der Ecke des Champions.

Goossen im Fokus statt Barrios
Wenn Ryan Garcia am Samstag in der T-Mobile Arena in Las Vegas auf Mario Barrios trifft, geht es offiziell um den WBC-Titel im Weltergewicht (bis 66,7 kg). Das Duell bildet das Main Event der „The Ring: High Stakes“-Card, übertragen auf DAZN im PPV.
Doch statt sportlicher Analysen dominieren persönliche Untertöne die Schlagzeilen. Im Zentrum steht Joe Goossen, Hall-of-Fame-Trainer und früherer Chefsekundant Garcias. Goossen betreut nun Barrios – und genau das sorgt im Team Garcia für Unmut.
Garcias Vater und Trainer Henry Garcia zeigte sich bereits bei der ersten Pressekonferenz irritiert. Es sei respektlos, dass ein Coach, der seinen Sohn trainiert habe, nun plötzlich einen Gegner vorbereite. Goossen habe ihm einst gesagt, dass niemand Ryan schlagen könne, wenn dieser bei 100 Prozent sei. „Und ich sage euch: Ryan ist bei 100 Prozent“, so Henry Garcia selbstbewusst.
Ryan Garcia ging noch weiter und bezeichnete Goossen öffentlich als „Verräter“.

Goossen bleibt sachlich
Goossen, der Garcia bereits als Amateur und später in drei Profikämpfen zwischen 2022 und 2023 betreute – gegen Emmanuel Tagoe, Javier Fortuna und bei der KO-Niederlage gegen Gervonta Davis – zeigte sich über die Aufregung verwundert.
„Meine Motivation ist immer dieselbe: Mein Boxer soll gewinnen“, stellte Goossen klar. Persönliche Rachegedanken kenne er nicht. Er denke vielmehr darüber nach, wie er seinen Schützling besser machen könne.
Zwar räumte er ein, dass die Konstellation „etwas schwierig“ sei, doch als Barrios und dessen Team ihn kontaktierten, habe er nicht gezögert. „Wer würde nicht den amtierenden Weltergewichtsweltmeister trainieren wollen?“, so Goossen.
Das Trainingslager mit Barrios begann bereits am 1. Dezember. Beide Kämpfer würden in Topform sein. Goossen erwartet einen „klassischen Kampf“.

Kein Wissensvorsprung?
Die These, Goossen könne dank seiner Kenntnisse über Garcia einen entscheidenden Vorteil verschaffen, weist der Trainer zurück. Man könne das vorhandene Videomaterial analysieren, es gebe genügend Aufnahmen. Die drei gemeinsamen Kämpfe böten zwar Einblicke, seien aber kein ausschlaggebender Faktor.
Barrios selbst betonte, dass die Verpflichtung Goossens nichts mit dessen Vergangenheit mit Garcia zu tun habe. Der Wechsel sei unabhängig von diesem Fight erfolgt. Nach der Trennung von Bob Santos habe man für die entscheidende Phase der Karriere einen neuen Impuls gesucht.
„Man braucht keine persönliche Beziehung, um sich einen Vorteil zu verschaffen“, erklärte Barrios nüchtern.

Sportliche Ausgangslage
Barrios (29-2-2, 18 KOs), 30 Jahre alt aus San Antonio, bestreitet seine dritte Titelverteidigung. In den ersten beiden gab es jeweils ein Remis, zuletzt im Juli gegen die zurückgekehrte Legende Manny Pacquiao. Viele Beobachter sahen Pacquiao vorne.
Garcia (24-2, 20 KOs), 27 aus Los Angeles, erhält seine Chance vor allem aufgrund seiner Popularität. Sportlich verliefen die vergangenen beiden Jahre turbulent.
Im Mai unterlag er Rolando Romero klar nach Punkten, nachdem er zuvor angezählt worden war. 2024 sorgte er im Duell mit Devin Haney zunächst für Furore mit drei Niederschlägen und einem knappen Punktsieg. Das Resultat wurde jedoch in ein No Contest geändert, nachdem Garcia mehrfach positiv auf das verbotene Mittel Ostarine getestet worden war – in einer Konzentration, die 60-mal über dem zulässigen Grenzwert lag.
Er akzeptierte eine einjährige Sperre sowie eine Geldstrafe der New York State Athletic Commission und verzichtete auf seine Börse von 1,1 Millionen US-Dollar. Eine Kontamination machte er geltend, Belege legte er aber nicht.

Zusätzliche Brisanz
Garcia wirft Goossen vor, ihn nach der Niederlage gegen Davis bei der Pressekonferenz im Stich gelassen zu haben. Goossen spricht von einem Missverständnis. Für Garcia ist die Personalie dennoch zusätzlicher Antrieb.
„Es ist ein Vorteil für mich“, sagt er. „Ich weiß, wie er trainiert. Und ich weiß, wie ich noch härter trainieren kann. Joe weiß, wie gemein ich sein kann. Und am Samstag werde ich genau das sein.“
Ob die emotionale Komponente den Ausschlag gibt oder am Ende doch die taktische Umsetzung im Ring entscheidet, wird sich am Samstagabend in Las Vegas zeigen. Sportlich hat der Titelkampf genug Substanz – auch ohne das Trainer-Drama.

Joe Goosen warnt Mario Barrios vor Ryan Garcia.














