Gallagher optimistisch

Smith-Coach vor Abraham-Kampf: „Trikot für Wegner, WM-Titel für Paul!“

Joe Gallagher hat den 27. September im Kalender rot angestrichen. Dieser Tag soll für ihn und seinen Schützling Paul Smith ein ganz besonderer werden. Dann soll Smith den amtierenden WBO-Weltmeister Arthur Abraham in der Kieler Sparkassen-Arena schlagen und sich zum Champion krönen. Was Gallagher dieser Erfolg bedeuten würde, wie sich der Herausforderer ins Training reinhängt und was der Coach vom Gegner hält, erzählt er in diesem Interview.

Herr Gallagher, am 27. September wollen Sie Paul Smith zum Weltmeister machen. Können Sie kurz den Weg beschreiben, auf dem Sie Ihren Schützling zu dieser Chance geführt haben?

Joe Gallagher: Paul hat sich in den letzten Jahren, seitdem er bei mir trainiert, hervorragend entwickelt. Er hat gezeigt, dass er die vergangenen Rückschläge gut weggesteckt hat. Nach diesen ist Paul stärker denn je zurückgekommen. Er saugt alles auf, was ich ihm sage und zeige. Daher bin ich sehr zuversichtlich, dass Paul den Ring in Kiel als neuer Weltmeister verlassen wird.

Demnach laufen die Vorbereitungen also nach Plan?

Joe Gallagher: Da kann ich nichts Gegenteiliges zu sagen. Paul trainiert extrem hart. Für die Kondition lasse ich ihn zum Beispiel des Öfteren ein paar Bahnen im Schwimmbad ziehen. Doch teilweise muss ich ihn echt schon bremsen und aufpassen, dass er nicht übertrainiert. Für diesen Kampf von Paul habe ich einen schönen Vergleich parat: Es ist so, als ob ein Kind am Weihnachtsabend kurz davor steht, beschenkt zu werden.

Dann kommen wir jetzt vom Schenken zum Einschenken. Sie trainieren ja in Ihrem Gym fast so viele Boxer, dass man daraus eine Fußball-Mannschaft formen könnte. Wo würden Sie denn Paul Smith in Ihrem Team aufstellen?

Joe Gallagher: Im Training und Sparring ist Paul der Typ Boxer, der die Ärmel hochkrempelt. Er geht dahin, wo es wehtut. Daher glaube ich, dass er am besten im Mittelfeld aufgehoben wäre. Er kann andere motivieren und besser machen – daher sehe ich ihn auch irgendwann als Trainer in der Ecke. Im Ring ist Paul im Gegensatz zum Fußball aber auf sich allein gestellt und muss selbst für die Volltreffer sorgen.

Sie sprachen schon anfangs die Rückschläge an, die Paul Smith hinter sich hat. Wie sehr werden ihm die Erfahrungen aus den Niederlagen gegen Groves und DeGale gegen Abraham helfen?

Joe Gallagher: Dieses Wissen könnte für Paul den Schlüssel zum Sieg bedeuten. Man muss ja nur einmal schauen, wo Groves und DeGale jetzt stehen: Der eine boxt um die Europameisterschaft und um das Recht einer Pflichtherausforderung und der andere ist bereits Pflichtherausforderer. Sowohl Groves als auch DeGale sind auf Weltklasse-Niveau. Und momentan sehe ich Paul, sich an diese Qualität heranzuarbeiten.

Mitte August trafen Sie und Ihr Schützling erstmals Arthur Abraham und seinen Coach Ulli Wegner. Welchen Eindruck hat der Weltmeister auf Sie gemacht?

Joe Gallagher: Den eines Champions, der es bereits mit den Besten in seiner Gewichtsklasse aufgenommen hat. Abraham hat schon Leute wie Andre Ward und Carl Froch geboxt. Und genau da könnte unser Vorteil liegen: Für Abraham ist es Routine, um die Weltmeisterschaft zu boxen. Paul hingegen tritt zu seinem ersten WM-Kampf an. Wenn in diesem Kampf einer den anderen überraschen kann, dann ist das Paul!

Also sind Sie der Meinung, dass Ihr Boxer genau im richtigen Moment auf Abraham trifft?

Joe Gallagher: Es ist für einen Herausforderer immer der richtige Zeitpunkt, um die Chance eines WM-Kampfes wahrzunehmen. Abraham hat schon den Höhepunkt seiner Karriere hinter sich – Paul ist derjenige, der sich noch etwas beweisen muss. Um zu zeigen, wer der Bessere von beiden ist, sollte Paul für eine klare Entscheidung sorgen. Ich denke, es ist klar, was ich damit meine.

Was würde es Ihnen denn bedeuten, falls dies klappen sollte?

Joe Gallagher: Das wäre einfach fantastisch. Paul wäre ja nicht der erste Weltmeister, den ich hervorbringe. Doch lassen Sie mich eines sagen: Ihn feiernd mit dem WM-Titel zu sehen, wäre das Größte für mich.

Das deutet auf eine enge Beziehung zu Ihrem Schützling hin. Wenn wir jetzt jedoch abschließend zum Thema Fußball zurückkommen, stehen Sie und Smith auf rivalisierenden Seiten: Sie stehen zu Manchester United, Smith zum FC Liverpool. Die Ironie des Schicksals will es, dass Abrahams Trainer Ulli Wegner ebenfalls ein Anhänger Ihres Lieblingsvereins ist. Würden Sie ihn sogar zu einem Spiel im Old Trafford einladen?

Joe Gallagher: Ich würde mich sehr freuen, wenn wir beide zusammen ein Spiel in Manchester schauen könnten. Auf jeden Fall versuche ich ihm ein Trikot nach Kiel mitzubringen. Wir sprechen zwar beide nicht die gleiche Sprache aber der Fußball, ebenso wie das Boxen, verbindet Menschen ohne Worte, sondern mit purer Emotion. Am 27. September werden wir auf verschiedenen Seiten versuchen, das Gleiche zu erreichen: Unsere Jungs zum Erfolg zu führen!

Eintrittskarten für die Box-Nacht am 27. September in Kiel sind über die telefonische Ticket-Hotline 01806-570044 (€ 0,20/min., Mobilfunkpreise max. € 0,60/min.) sowie im Internet bei www.eventim.de erhältlich.

Quelle: Sauerland Event

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