Felix Sturm wird in Oberhausen zum 5. mal Weltmeister

Foto: Konstantinos Sarigiannidis

Felix Sturm hat es geschafft: der Deutsch-Bosnier konnte sich seinen 1. WM-Gürtel im Supermittelgewicht im Rückkampf gegen den Russen Fedor Chudinov sichern und damit Boxgeschichte schreiben: er ist der erste Deutsche, der es das 5. mal schaffte, sich den WM Gürtel umzuschnallen. In der mit 8000 Fans ausverkauften König-Pilsener-Arena in Oberhausen, siegte Sturm knapp nach Punkten per Mehrheitsentscheid.

Felix Sturm aktiver und schneller als im ersten Aufeinandertreffen

Felix Sturm vs. Fedor Chudinov 2Sturm startete aktiver in den Kampf, als noch im Mai vergangenen Jahres und konnte bereits in der ersten Runde gute Treffer landen, agierte mit seinem schnellen Jab. Doch auch Chudinov punktete mit Wirkungstreffern, welche in Runde 2 vor allem auf den Körper gingen. Sturm schien die ersten Runden leicht zu dominieren, marschierte mit dem Jab nach vorn, gab die vierte Runde jedoch deutlich an Chudinov ab, nachdem er sich zu viele Konter seines russischen Gegenüber einfing.

Begannen die ersten Runden der beiden noch recht ausgeglichen, legte Chudinov spätestens zur zweiten Hälfte an Tempo zu, setzte deutliche Treffer bei Sturm und erzielte bei diesem zunächst eine zunehmende Passivität, welche sich in geringerer Schlagfrequenz deutlich machte. Dennoch war Sturms Schnelligkeit oft der Schlüssel zum Erfolg, wenn es darum ging, Treffer bei Chudinov zu setzen. Dies gelang ihm auch in der Halbdistanz, wo er einige gute Treffer erzielen konnte.

Chudinov Kopfstoß Felix SturmRunde 7 und 8 waren erneut von Sturms Schnelligkeit geprägt, kosteten allerdings spürbar Kraft. Gute Kombinationen sowie die Schlaghand fanden ihr Ziel und hinterließen Wirkung bei Chudinov. Nach einer knappen Runde 9, welche sich Chudinov sicherte, schaltete Sturm in Runde 10 einen Gang zurück, arbeitete zu wenig und kassierte zu viele Treffer von Fedor Chudinov. Bei einem unbeabsichtigtem Kopfstoß Chudinovs zog er sich zudem einen Cut über dem rechten Auge zu, welcher jedoch in der Rundenpause durch Sturms Cutman gut versorgt werden konnte.

Zeigten sich in den der zweiten Hälfte bei Sturm, im Gegensatz zu Chudinov, einige Konditionsprobleme bedingt durch das hohe Tempo, waren diese in Runde 11 wie weggeblasen: „The Fighter“ machte seinem Namen alle Ehre, ging ein hohes Tempo ein und versuchte dem 28-jährigen Russen zuzusetzen. Auch in der letzten Runde wollte Sturm noch einmal Aufmerksamkeit bei den Punktrichtern bekommen, indem er versuchte harte Wirkungstreffer zu landen. In den letzten Sekunden des Fights suchte Chudinov den offenen Schlagabtausch, welchen Sturm einging und somit auch die letzte Runde holen konnte.

Felix Sturm mit Wirkungstreffer

Felix Sturm siegt knapp nach Punkten gegen Fedor Chudinov

Nach dem Schlussgong fühlte sich zunächst keiner der beiden als Sieger, stattdessen folgte eine kurze Umarmung der Protagonisten. Kurze Zeit später verkündete Ringsprecher Jimmy Lennon Jr. das Urteil vor 8000 begeisterten Boxfans nach einem engen aber guten Kampf:

Ignacio Robles wertete den Kampf mit 114-114 (Draw), Jean-Louis Legland und Giuseppe Quartarone werteten den Kampf hingegen 115-113 für Felix Sturm, welcher somit neuer Superchampion der WBA im Supermittelgewicht ist.

scorecard_sturm_chudinov_2Die Stimmen nach dem Kampf

Nach der Urteilsverkündung lies auch Sturm keinen Zweifel am Ausgang des Kampfes. Auf die Frage ob er weitermacht oder aufhört, lies er die Antwort (vermutlich bewusst) offen: „Vielleicht war das mein letzter Kampf“, sagte er. Ihn plagen zudem Probleme mit der Hand und dem Ellenbogen, welche erst einmal durch OPs behoben werden müssten. Sich danach wieder aufzubauen, kostet nicht nur Zeit, sondern auch viel Kraft.

Foto: Konstantinos Sarigiannidis

„Unter diesem immensen Druck ist es nicht einfach zu boxen. Ich muss jetzt erst mal entspannen, runterkommen und den Kampf sacken lassen. Ich bin jetzt 37. Vielleicht mach ich noch ein, zwei, drei Kämpfe. Es kann aber auch sein, dass ich mich verabschiede.“ Auch zu einem möglichen Kampf mit WBO-Champion Arthur Abraham, welcher seinen Titel am 9. April in Las Vegas verteidigt, konnte oder wollte Sturm nichts genaues sagen.

Fakt ist jedoch: ein Zusammentreffen der beiden um einen Titelvereinigungskampf (sofern Arthur die Verteidigung im April gelingt), wäre ein Kampf, den sich Box-Deutschland schon seit Jahren wünscht. Dieser Kampf hätte das Potenzial, ein Stadion zu füllen und würde mit Sicherheit für Rekordeinschaltquoten und -börsen sorgen – und zu einem Payday für beide Sportler, eventuell sogar zum letzten großen.

Verlierer Fedor Chudinov sagte im Anschluss auf der Pressekonferenz: „Felix war sehr stark, hat sehr gut gekämpft. Ich bin nicht einverstanden mit dem Resultat.“, sicherlich bedingt dadurch, da Chudinov mehr geschlagen hat und auch mehr Treffer ins Ziel brachte, wie CompuBox zeigt:

sturm-chudinov-rematch_compubox

Man darf hierbei jedoch nicht vergessen, dass beim Profiboxen anders gepunktet wird, als es bei den Amateuren der Fall ist. Neben der Aktivität im Ring und der Überlegenheit zählen vor allem die deutlichen Treffer, die auch Wirkung zeigen. „Klare Treffer – bei weitem der wichtigste Maßstab. Das Problem hierbei ist, dass es nicht nur um die Anzahl der Treffer geht, sondern auch um die Qualität: hinterlässt ein Treffer eindeutig Schlagwirkung, bringt dies dem schlagenden Boxer fast immer die Runde.“ Die Punktrichter sahen die Vorteile dabei bei Felix Sturm.

Sturm jedoch zeigte sich bereit für einen möglichen Rückkampf, auch wenn dieser in Moskau stattfinden könnte. Zudem wurde bekannt, dass Chudinov bereits Beschwerde bei der WBA gegen das Urteil eingelegt hat. Ein dritter Fight ist somit auch nicht ausgeschlossen…

Felix Sturm vs. Fedor Chudinov II – Das Video zum Kampf – Full Fight

Für alle die den Kampf Felix Sturm vs. Fedor Chudinov II noch einmal sehen und mitpunkten wollen, haben wir folgendes Video für euch:

ebby_thust_nach_sturm_fightAuch Boxen1-Chef Ebby Thust, welcher derzeit nach einer Herzklappen-OP im Krankenhaus liegt, verfolgte den Fight am TV und meldete sich heute morgen telefonisch aus Mallorca:

„Schon vor der Urteilsverkündung hab ich gesagt: ‚115:113 für Felix‘. Das Urteil geht daher vollkommen in Ordnung, da gibt es nichts zu diskutieren. Es war ein von Taktik bestimmer Kampf, in welchem keiner der Beiden ein Risiko einging. Felix war in guter Form, hatte schnelle Hände und Beine. Ich freue mich für ihn. Es war zwar nicht der Kampf des Jahres, allerdings ein spannender, guter Fight! Ich glaube auch ehrlich gesagt nicht, dass Felix jetzt aufhört – schließlich steht ein Kampf mit Arthur Abraham im Raum…“

Felix Sturm konnte mit diesem Sieg seinen 5. WM-Gürtel gewinnen und seine Kampfstatistik auf 40 Siege (18 KOs), 5 Niederlagen (1 KO) sowie 3 Draws ausbauen. Fedor Chudinov hingegen verlor den ersten Kampf seiner Profikarriere (14-1, 10 KOs).

Exklusive Fotos: Konstantinos Sarigiannidis

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