
Foto: Marco Baumann.
Die Boxlegende verabschiedet sich mit einer Punktniederlage in der Porsche Arena gegen einen feurigen Sieger.
Wie stellt man sich das große Finale einer großen Sportlerkarriere im Fernsehen vor? Womöglich blutverschmiert mit einem großen Weltmeisterschaftssieg als Underdog, während Silvester Stallone einen coacht. Doch die Wahrheit sieht zumeist anders aus. Das musste auch die deutsch-bosnische Boxlegende Felix Sturm (45-7-3) am Samstag in der Porsche Arena in Stuttgart erfahren.
Der fünffache Weltmeister stellte sich für seinen finalen Kampf dem hungrigen Herausforderer Granit Stein (21-2-1) aus Ingolstadt. Es sollte der große Abschied werden: noch einmal vor Tausenden Zuschauern das eigene Boxkönnen unter Beweis stellen und im Idealfall mit einem Sieg abtreten. Doch schon im Vorfeld wurde bei der Gegnerwahl klar, dass dies kein einfaches Vorhaben werden würde. Stein galt als hungriger und kompromissloser Pressurefighter, der Sturm das Leben maximal schwer machen würde – und genau das bewahrheitete sich im Ring.
Aktivität trifft auf Präzision
Der Kampf begann in Stuttgart und von Beginn an sah man einen aktiven Granit Stein. Das musste man auch erwarten, denn als Tanzpartner für den „Last Dance“ von Felix Sturm galt es, mit einer hohen Workrate den Partycrasher zu spielen. Stein kam aus einer knappen, aber harten Niederlage im Mai und hatte entsprechend nur eine kurze Vorbereitungszeit, die er mit seinem neuen Trainer Toklir Xhoxhaj jedoch bestens nutzte.
Das zahlte sich von Beginn an für Stein aus, der schlichtweg aktiver erschien. Zwar antwortete Sturm regelmäßig und punktete insbesondere über die Innenbahn mit dem Jab, doch häufig ließ sich der Ex-Weltmeister in der geschlossenen Doppeldeckung bearbeiten. Vieles von Stein ging zwar auf die Deckung, aber eben nicht alles. Immer wieder variierte Stein seine Angriffe, brachte Jabs zum Körper und arbeitete anschließend mit wuchtigen Kombinationen gegen die Doppeldeckung.
Dennoch hielt Sturm dagegen und wollte sich unbedingt mit einem Sieg verabschieden. Die dritte Runde verlief ausgeglichen, in der vierten Runde punktete Sturm immer wieder mit explosiven Kontern und konnte Stein zwischenzeitlich sogar so anklingeln, dass dieser kurzzeitig den Stand verlor. Es war in der ersten Kampfhälfte ein ausgeglichener Kampf, der hohe Spannung bot.
Stein dreht hinten heraus auf und verschafft sich Vorteile

Foto: Marco Baumann
Der Kommentator bei Bild+ sah Sturm konstant vorne und lobte seine hohe Effektivität. Grundsätzlich ist es natürlich einfacher, wenn man weniger schlägt und dann zum richtigen Zeitpunkt die Nadelstiche setzt – doch Stein erschien zeitweise dreimal so aktiv und traf dabei ebenfalls immer wieder.
Man kam nicht umhin, Stein ein deutliches Plus bei der Aktivität zu attestieren, wodurch es letztlich unerheblich erschien, dass manches auf die Deckung ging. Aufgrund der boxerischen Vorteile von Sturm versuchte Stein zudem, den Kampf physisch zu gestalten, wobei es teilweise auch nickelig wurde. So stieß Stein Sturm in der Nahdistanz immer wieder weg oder arbeitete mit dem Kopf voraus, weshalb ihm der Ringrichter bereits in der sechsten Runde einen Punkt abzog.
Der Kampf bog auf die Zielgerade ein und für beide Männer war noch alles möglich. Sturm versuchte gegenzuhalten und explodierte mehrfach, sehr zur Freude der Zuschauer. Insgesamt war es jedoch Stein, der mehr Druck machte und häufiger traf. Dadurch diktierte und gewann er die zweite Kampfhälfte mehrheitlich, wenngleich nicht jeder Schlag sauber ins Ziel fand.
Sturm verliert seinen letzten Kampf und zeigt dennoch Größe

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Die finale Runde begann und Sturm versuchte noch einmal Akzente zu setzen, doch überwiegend war es Stein, der im Ring austeilte. Damit ging ein rasanter und ansehnlicher Kampf über die volle Distanz von zehn Runden. Die Punktrichter werteten schließlich per geteiltem Punktentscheid für Stein (96:95, 95:94 Stein, 96:93 Sturm), was insgesamt absolut vertretbar erschien. Sturm war zwar durchgehend im Kampf, fand in der zweiten Hälfte jedoch zu selten die richtigen Antworten auf den aktiven Kontrahenten.
Nach dem Urteil suchte Sturm die Niederlage weder beim Ringrichter noch bei einer Erkrankung, sondern bewies Größe und akzeptierte die sportliche Niederlage. Er verließ den Ring zwar nicht als Sieger – aber als einer der größten deutschen Boxer seiner Generation.
„Man wünscht sich einen anderen Abgang, aber so ist das Leben nun mal“, sagte Sturm reflektiert im Interview und ergänzte: „Der Kampf ist nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Am Ende zählt nur eine Sache: Ich hatte eine tolle Karriere, auch wenn ich nicht den Abschluss hatte, den ich mir gewünscht habe.“
Große Freude bei Stein und Fides Sports

Umso erleichterter war die Stimmung auf der anderen Seite. Gegenüber Boxen1 verwies Stein zunächst noch einmal auf die schwierige Vorbereitung.
„Ich habe erst mal zwei Wochen runtergefahren und musste dann komplett alles umorientieren. Ich habe wirklich jeden Stein umgedreht und alles neu aufgestellt, den Trainer gewechselt.“
Am Sieg zweifelte Stein jedoch nie.
„Du musst ihn haushoch besiegen. Das habe ich heute gemacht, sonst hätte ich den Sieg nicht bekommen. Der aktivere Mann hat die besseren Schläge gemacht und ich habe mich selbst neun Runden vorne gesehen. Vielleicht kann man eine oder zwei Runden abgeben, wenn überhaupt.“
Auch Fides-Sports-Promoter Burim Sylejmani, der Stein unter Vertrag hat, meldete sich zu Wort. Nach dem Sieg von Petar Milas gegen Granit Shala im Januar konnte Fides erneut eine große Auswärtsbühne erfolgreich nutzen.
„Ich bin überwältigt über den Sieg gegen solch eine Boxlegende. Gezweifelt habe ich keine Minute daran, für mich war das klar. Ich habe den Kampf schon vor seiner Niederlage im Mai eingetütet. Die Niederlage hat Granit wachgerüttelt und mit den neuen Trainern wurde vieles komplett umgestellt. Einen großen Dank an Toklir Xhoxhaj, der nicht umsonst Labinot Xhoxhaj zum Europameister geführt hat. Ich bin einfach nur überwältigt und denke, dass Granit jetzt alle Türen offen stehen.“
An diesem besonderen Abend wollte Sylejmani jedoch noch keine Gedanken an die Zukunft verschwenden: „Wir freuen uns einfach und werden heute richtig feiern. Wir genießen das jetzt und alles andere kommt in den nächsten Wochen.“
Elvir Sendro siegt erstmals über die Punkte

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Im Co-Main-Event des Abends stand das bosnische Cruisergewicht Elvir Sendro (18-0) im Ring. Sendro kam mit einer perfekten Bilanz von 17 vorzeitigen Siegen in 17 Kämpfen nach Stuttgart und wollte diese Serie gegen den Brasilianer Luciano Falcao (11-3) fortsetzen.
Es entwickelte sich jedoch von Beginn an kein leichter Kampf für Sendro, da Falcao sehr aktiv auftrat. Immer wieder punktete der Brasilianer zum Körper, bewegte sich gut und band Sendro im Infight. Die erste Runde ging an Falcao, ehe Sendro zum Ende der Runde mit einem linken Haken aus dem Nichts einen Niederschlag erzielte. Es war die erste Duftmarke seiner Schlagkraft.
Daraufhin entwickelte sich ein durchaus ausgeglichener Kampf, in dem beide Boxer ihre Akzente setzten. Falcao war zunächst der agilere Mann und punktete mit dem Jab. In den späteren Runden wurde Sendro stärker und hatte insbesondere mit dem linken Haken Erfolg. Schließlich ging der Kampf über die volle Distanz, wo Sendro den einstimmigen Punktsieg davontrug. Die genauen Punkturteile wurden zwar nicht verlesen, sollen jedoch knapp ausgefallen sein und das Kampfgeschehen entsprechend widergespiegelt haben.
Malek Semmo bezwingt einstimmig Khamzat Musaev

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Zuvor war noch das AGON-Sports-Talent Malek Semmo (6-0) im Mittelgewicht zu sehen. Der hochveranlagte Semmo begeistert mit seiner technisch reifen Herangehensweise, worauf auch Promoter Ingo Volckmann förmlich ins Schwärmen gerät. Nun stand gegen den Österreicher Khamzat Musaev sein bislang härtester Test an. Der in Tschetschenien geborene Amateurboxer brachte von Beginn an ein hohes Tempo in den Ring.
Musaev suchte konsequent den Vorwärtsgang, lief dabei jedoch immer wieder in die Aktionen von Semmo, der diszipliniert aus dem Rückwärtsgang agierte. Semmo punktete mit seinem überzeugenden Handspeed, erlitt allerdings in der zweiten Runde einen Cut seitlich am Auge und musste sich fortan durchbeißen. Erschwerend kam hinzu, dass Musaev permanent Druck erzeugte und Semmo regelmäßig an den Seilen stellte. Dennoch fand Semmo immer wieder die richtigen Konter.
So endete ein rassiger und sehenswerter Kampf über sechs Runden, in dem Semmo trotz der hohen Aktivität seines Gegners die klareren Treffer setzte. Das sahen auch die Punktrichter so und sprachen Semmo schließlich den verdienten einstimmigen Punktsieg zu.















Felix Sturm 😂😂😂😂
Weg mit ihm für immer