
In Riad findet das Event der Woche statt, live auf DAZN. Die PPV-Preispolitik stößt hingegen sauer auf.
In der traditionellen Sommerpause werden interessante Boxkämpfe und Events seltener. Umso erfreulicher also für viele, dass endlich mal wieder ein großes Riad-PPV ansteht. Am Samstag findet nämlich in Saudi-Arabien ein Event mit vier internationalen Kämpfen statt. Im Hauptkampf kommt es zum Generationenduell im Schwergewicht – und möglicherweise zu einer Wachablösung.
Jung gegen Alt – das Generationenduell zwischen Itauma und Whyte

Im Hauptkampf findet ein interessantes britisches Schwergewichtsduell statt. Der erst 20-jährige Moses Itauma (12-0) erfährt aktuell einen regelrechten Hype und gilt als das kommende Gesicht einer neuen Schwergewichtsära. Mit zügigen vorzeitigen Siegen machte er sich einen Namen und möchte nun im Profibereich auch seinen ersten namhaften Gegner bezwingen.
Die Rede ist von Dillian Whyte (31-3), der WBC-Interimsweltmeister gewesen ist und im April 2022 seine große WM-Chance gegen Tyson Fury (34-2-1) bekam, sie allerdings nicht nutzen konnte. Whyte galt seit vielen Jahren als legitimer Top-10-Kandidat und bezwang starke Namen, darunter auch Joseph Parker (36-3) in der Vergangenheit.
Verspricht dies also ein echter Härtetest für Itauma zu werden? Nominell könnte man dies vom Namen her meinen, allerdings gehört zur Wahrheit auch, dass Whyte zuletzt nicht mehr zu überzeugen wusste. Seit der Fury-Niederlage kam nicht mehr viel, zudem ist er mit 37 sicherlich auch schon ein gutes Stück von seiner Prime entfernt. Im letzten Kampf gegen Ebenezer Tetteh (23-3) in Gibraltar tat er sich sehr schwer und enttäuschte. All das führt dazu, dass Whyte schon als past prime gilt und somit als dankbarer Gegner für Itauma.
Whyte ist ein perfekter Gegner, um den Hype zu befeuern
Die Vorzeichen stehen einfach zu günstig für den britischen Newcomer. Er ist jung und kommt auf einer Euphoriewelle – Whyte hingegen scheint seine besten Jahre hinter sich zu haben. Er ist vermutlich ein größerer Name, als er es sportlich im Jahr 2025 rechtfertigen kann. Somit ist er zugleich auch ein perfekter Name für Itauma. Mit einem vorzeitigen Sieg über den renommierten Whyte könnte er seinen bestehenden Hype nochmals stärker befeuern – und so unrealistisch ist dieses Szenario gewiss nicht.
Ein Blick auf die Undercard

Selbstverständlich benötigt ein PPV-Event auch eine entsprechende Undercard. Die fällt am Samstag nicht schlecht aus, wenngleich sie kein wirkliches Highlight darstellt.
Nick Ball (22-0-1) #2 vs. Sam Goodman (20-0) #3, Federgewicht: Der qualitativ beste Kampf ist diese WBA-Weltmeisterschaft im Federgewicht. Ball konnte sich den Titel im vergangenen Jahr gegen Ford sichern und ist ein Stammgast bei Riad-Veranstaltungen. Der kleine Brite gilt als unangenehmer Gegner, der sehr physisch agiert und teilweise auch dirty boxing zeigt.
Auf der Gegenseite hat man mit Goodman einen ungeschlagenen Australier, der zuletzt zweimal gegen Boxsuperstar Naoya Inoue hätte kämpfen sollen – ein Cut bei Goodman durchkreuzte die Pläne. Nun steigt Goodman auf und bekommt seine WM-Chance im Federgewicht. Grundsätzlich muss man Goodman technisch bevorzugen, allerdings verfügt Ball über entsprechende Qualitäten, um seinen physischen Stil den Gegnern aufzudrücken. Das verspricht also ein spannender und enger Kampf zu werden.
Raymond Ford (17-1-1) #4 vs. Abraham Nova (24-3-1) #60, Superfedergewicht: Ford stieg nach der Niederlage gegen Ball ins Superfedergewicht auf und sicherte sich dort bislang zwei ungefährdete Punktsiege. Nun sollte ein Kampf gegen den aktuellen IBO-Titelträger Anthony Cacace stattfinden, dieser fällt jedoch leider aus.
Relativ kurzfristig rückte Nova als Ersatz auf. Der gebürtige Puerto-Ricaner mit dem Howard-Eastman-Gedächtnisbart konnte zuletzt durchwachsene Resultate einfahren. Dennoch gilt er durchaus als starker Mann in der zweiten Reihe und wurde im vergangenen Jahr fast WBC-Weltmeister, verlor nur knapp via geteiltem Punktentscheid. Ein kurzfristiger Gegnerwechsel ist immer suboptimal, dennoch hat man mit Nova sicherlich einen soliden Ersatz für Ford gefunden.
Filip Hrgovic (18-1) #15 vs. David Adeleye (14-1) #28, Schwergewicht: Und noch ein Kampf für die Schwergewichtsfraktion. Hrgovic bescheinigte man nach dessen starker Amateurlaufbahn große Aussichtschancen, doch die Kritiker konnte er nicht restlos überzeugen. Gegen Zhang sahen ihn viele hinten, zudem scheint er nicht über die beste Kondition zu verfügen.
Dennoch bleibt er eine Personalie mit viel Potenzial und wird teilweise wohl auch zu kritisch betrachtet. Bilder zeigen aktuell einen physisch sehr imposanten Hrgovic, der sich in toller Form befindet. Diese wird er nun gegen den Briten Adeleye unter Beweis stellen, der zuletzt kontrovers britischer Meister wurde – mit einem vorzeitigen Sieg in Runde 6. Adeleye ist ein Schützling von Warren, konnte nach seiner Niederlage gegen Wardley zwei gute Siege verbuchen und gilt als schlagstark. Durchaus ein legitimes und sinnvolles Duell aus der zweiten Reihe, bei dem der Sieger noch einmal ganz nach oben angreifen kann. Hrgovic wird jedoch als Favorit gelten.
Auf der weiteren Undercard wird beispielsweise noch das japanische Superfedergewicht Hayato Tsutsumi (7-0) zu sehen sein, der sich gegen den Briten Qais Ashfaq (13-3-1) beweisen soll.
DAZN überträgt das Event im zusätzlichen PPV
Insgesamt erwartet die Boxsportfreunde sicherlich eine sehenswerte Veranstaltung. Zwei gute Schwergewichtskämpfe und eine Federgewichtsweltmeisterschaft sprechen für sich. Leider gibt es allerdings Kritik an der Entscheidung, dass das Event als zusätzliches PPV angedacht ist.
Der Streamingdienst DAZN wird am Samstag ab 18:45 Uhr live aus Riad übertragen und neben einem bestehenden Abo noch zusätzlich 20 € verlangen. Das erscheint schon sehr optimistisch für eine Fightcard, die sicherlich kein absolutes Highlight darstellt. Im regulären Abo wäre es sicherlich angebrachter gewesen.














