Ein Talent mit Tempo: Darian Strehse startet als Teenager durch

Der Berliner Youngster überspringt den Amateurbereich und steigt früh ins Profigeschäft ein. Am 7. Februar bestreitet der 17‑jährige Abiturient bei der KUC Boxing Ringside Dinner Night Vol.  9 in Berlin bereits seinen dritten Profi‑Fight – und erklärt im Gespräch mit Boxen1.com, wie er Schule, Training und Ambitionen unter einem Hut bringt.

Interview mit Darian Strehse

Darian, Du hast bereits mit 16 Jahren als Profiboxer begonnen. Damit zählst du zu den jüngsten deutschen Profis überhaupt. Jungs in deinem Alter kicken auf dem Bolzplatz, hocken als Gamer vor dem Computer, oder hängen auf der Straße ab. Warum ist das bei dir anders?

Ich hatte schon früh diesen Ehrgeiz, wollte immer besondere Dinge erreichen. Klar, ich zocke auch und treffe mich mit Freunden, aber mindestens genauso gerne bin ich im Gym. Boxen gibt mir Struktur – und das Gefühl nach einem harten Training ist einfach unschlagbar.

Wenn du dich an deine erste Szene, die im Zusammenhang mit Boxsport steht, erinnerst, welche ist das? Und: Wie prägend war das für dich?

Mein Vater trainiert selbst noch und hat mich früh mit ins Gym genommen. Ich durfte sofort mitmachen. Besonders prägend war sicherlich, dass er mit mir die alten Kämpfe von Henry Maske, Axel Schulz, Graciano Rocchigiani geschaut hat. Da wusste ich: Das will ich auch!

Wo hast du begonnen zu boxen? Und: Welche Rolle haben dabei dein Vater, deine Eltern oder Geschwister gespielt?

Ich bin in Berlin geboren und aufgewachsen. Mein Vater sagt, ich hätte geboxt, seit ich laufen konnte – da übertreibt er vielleicht etwas. Mit acht Jahren übernahm dann Michel Trabant mein Training. Fest steht, ohne meine Familie und Michel wäre das alles nicht möglich.

Üblicherweise durchlaufen Anfänger im Amateurbereich die Stufenleiter Schüler, Kadetten, Junioren und Jugend. Welche boxerische Grundausbildung hast du wo und wie erhalten?

Michel ließ mich von Anfang an wie ein Profi trainieren, das Amateurtraining habe ich übersprungen. Ich bin von Beginn an volle Drei-Minuten-Runden gegangen. Dabei lag der Fokus auf Athletik und Schlaghärte – wie bei den Profis halt. Und von Michels technischem Stil profitiere ich enorm. Seit ich 13 Jahre alt bin, habe ich erwachsene Sparringspartner.

Warum bist schon als Minderjähriger ins Profilager gewechselt? Was waren deine Motive, was macht den sportlichen Reiz aus?

Die Entscheidung für den Profibereich haben wir gemeinsam getroffen. Ich fühlte mich körperlich und mental dafür bereit. Profi zu werden, war für mich auch ein Ziel, um mir selbst zu beweisen: Wenn du an eine Sache glaubst und hart arbeitest, kannst du es packen. Sei es noch so schwierig.

Kritiker meinen, im Teenyalter Profi zu werden, sei unverantwortlich. Etwa weil der Körperbau noch nicht voll ausgebildet ist. Was entgegnest du?

Ich verstehe die Kritik, aber wir gehen alles sehr kontrolliert an. Mein Team ist erfahren, wir machen regelmäßig sportmedizinische Checks. Mein Aufbau, sowohl technisch als auch körperlich, ist sportwissenschaftlich sehr gezielt geplant.

Wie sieht dein Alltag als 17-jähriger Athlet aus? Gehst du noch zur Schule – und wie hoch ist dein Trainingspensum in der Woche? Vermisst du nichts?

Mein Tag ist gut organisiert: Nach der Schule lerne ich, ich bereite mich aufs Abitur vor. Training ist fünfmal pro Woche – in den Ferien und vor einem Kampf auch zweimal täglich. Meine Freundin und meine Freunde unterstützen mich voll. Ab und zu würde ich morgens gerne länger schlafen, aber ansonsten vermisse ich nichts.

Zum Boxerischen: Wie würdest du deinen Boxstil beschreiben, welchen bevorzugst du? Hast du Vorbilder? Und: Wo musst du taktisch, technisch und athletisch zulegen?

Ich boxe technisch und lese meine Gegner, habe aber auch eine sehr ordentliche Schlaghärte. Meine Vorbilder sind Naoya Inoue und Agit Kabayel. Wenn es um deutsche Boxer von früher geht, mag ich Henry Maskes und Michels technisches Denken. Ich arbeite gerade an meiner Defensive und an Kontern, kann aber in allen Bereichen noch viel lernen.

Du hast es bereits erwähnt, du wirst von Michel Trabant, dem früheren EBU-Champ und WBO-Interconti-Titelträger im Weltergewicht, trainiert. Wie kam es zu diesem Kontakt und plant ihr, längerfristig zusammenzuarbeiten?

Michel ist Trainer, Freund und Vertrauter zugleich. Er trainiert mich mehr als die Hälfte meines Lebens und kennt alle meine Stärken und Schwächen. Gleichzeitig fördert er aber auch, dass ich Input von anderen Trainern aus unterschiedlichen Gyms mitnehme. Ein Trainingslager in den USA wäre ein Traum.

Du wirst am 7. Februar bei der KUC Boxing Ringside Dinner Night Vol.9 in Berlin deinen dritten Profi-Fight innerhalb von vier Monaten haben – das ist sprichwörtlich sportlich. Warum dieses Tempo?

Ich habe einfach richtig Lust zu boxen! Und ich liebe auch das ganze Drumherum – die Vorbereitung, die Zuschauer, den Stolz meiner Familie und die Termine mit Sponsoren. Ich würde sogar gern öfter boxen, im Ring lernst du am meisten. Aber alles Schritt für Schritt.

Dein nächster Gegner ist ein alter Haudegen aus Tschechien. Deine beiden ersten Kontrahenten hast du jeweils in der ersten Runde ausgeknockt. Was erwartest du vom Kampf?

Ich weiß, dass es nicht immer so weiter gehen kann, wie in meinen ersten beiden Kämpfen und ich jeden Gegner durch Knockout besiege. Wir haben einen klaren Plan für die angesetzten sechs Runden, den gilt es umzusetzen. Ich werde versuchen, meinen Stil durchzusetzen und von Anfang an Druck machen.

Wie schätzt du das ein: Gibt es eine neue, junge Generation von Boxern, die sofort ins Profi-Lager strebt – ich denke dabei an Arminius Rolle, der als jüngster deutscher Profi aller Zeiten gilt?

Ich kenne Arminius nicht persönlich, habe mir aber Videos von ihm angeschaut. Er ist ein toller Boxer. Ich wünsche mir, dass mehr junge Boxerinnen und Boxer groß denken. Hauptsache man bleibt dabei auf dem Teppich und trainiert hart.

Was habt ihr bis Jahresende noch vor – weitere KBP‑Auftritte oder sogar ein Vertrag mit einem Profi‑Stall?

Für das Jahr 2026 sieht unsere Planung fünf Kämpfe vor. Kuc Boxing Promotion macht Top-Events, und Promotor Almin Kuc ist einfach supernett. Ich boxe dort immer, wenn ich darf, will mich aber natürlich auch bei anderen Veranstaltungen zeigen. Und falls ein Profi-Stall meint, dass ich etwas zum Erfolg beitragen kann – klar, warum nicht? Und falls ich noch etwas sagen darf…

… sicher doch.

Danke für das Interview und danke an die Leute, die es lesen! Junge Sportler beziehungsweise junge Boxer zu unterstützen ist nicht selbstverständlich, das bedeutet mir sehr viel.

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