Mein Recap von der gestrigen Pressekonferenz Fury vs Joshua.
Erinnert Ihr Euch noch an den Kampf Floyd Mayweather vs. Conor McGregor bzw. an die Pressekonferenzen vor dem Kampf?
Es gab insgesamt vier große öffentliche Pressekonferenzen in vier Städten und drei Ländern, verteilt auf vier aufeinanderfolgende Tage: Los Angeles, Toronto, New York und London.
Insgesamt mehr als 50.000 Fans kamen alleine zu diesen Pressekonferenzen.
Für Fury vs Joshua, den größten Kampf in der Geschichte Großbritanniens, hatte ich ähnlich Gigantisches erwartet:
Etwa Fury, der zu AC/DC, die live vor Ort „You Shook Me All Night Long“ spielen, als spartanischer König mit einer Eskorte von Kriegern die Bühne betritt… bei Fury vs. Wilder gab es das schon einmal, aber ohne AC/DC live vor Ort…
Jetzt mit Finanzierung von Saudi-Arabien war ALLES möglich. Auch Neil Diamond, der mit 85 Jahren noch einmal vor Ort „Sweet Caroline“ für Anthony Joshua performt …
Es gab Gerüchte Dana White könnte nicht kommen – aber vielleicht war Donald Trump stattdessen da?
Und ich durfte auch dabei sein – einen Tag zuvor hatte ich spontan meine Akkreditierung beim Ring Magazine beantragt – und ich durfte wirklich dabei sein! Bei dem größten derzeit vorstellbaren Kampf überhaupt, womöglich als einziger Deutscher.
Die große Eröffnungspressekonferenz fand im Olympia London statt, ein riesiger Messe-, Kultur- und Unterhaltungskomplex im Westen Londons, im Stadtteil Kensington.
Auf dem Weg dorthin von meinem Hotel telefonierte ich noch mit einem Freund, der regelmäßig für das Ring Magazine und BoxingNews schreibt, und er sprach von „Witness History“ und anderen Dingen… ich war so gehypt für diese Pressekonferenz!
Sie sollte um 18 Uhr Ortszeit beginnen – um einen guten Platz zu bekommen, wollte ich bereits um 16.30 Uhr zum Einlass vor Ort sein.
Ich traf sogar etwas früher ein – ich hatte mit hunderten Wartenden gerechnet, aber es waren vielleicht 40-50 Leutchen, die bereits vor Ort waren.
Wie immer dauerte es dann wieder länger, bis wir unsere Credentials bekamen. Es waren aber nicht nur Journalisten vor Ort – anscheinend waren auch Tickets an Fans verlost worden, die dann vom Balkon, den hohen Rängen, zusehen konnten. Ich denke so gegen 17.15-17.30 Uhr war ich dann in dem Saal, in dem die Pressekonferenz stattfinden sollte.
Es wurde laut Musik gespielt, Fernsehteams bauten ihre Stellungen auf und wir nahmen Platz – ich saß nur wenige Meter direkt vor der großen Bühne. Als die Pressekonferenz begann, waren vielleicht wenige Hundert vor Ort, nicht alle Reihen waren gefüllt – es gab wirklich noch einige freie Plätze. Besonders oben auf den Rängen war noch Platz für Zuschauer.
Ich mache es kurz, weder AC/DC noch Neil Diamond oder auch Donald Trump waren vor Ort. Es gab kein Special Event im Rahmen dieser Pressekonferenz, auch keine spektakulären Walkins der Protagonisten.
Michael Buffer führte in das Programm ein und dann übernahm Max Kellermann als Moderator. Fury und Joshua kamen auf ein Winken von Max Kellermann später von den Seiten dazu, winkten und setzten sich, völlig unspektakulär.
Kellermann erzählte erst einmal etwas von Boxgeschichte, die Geschichte der Schwergewichtschampions etc. Für ihn war Lennox Lewis der erste britische Schwergewichtsweltmeister – dabei vergaß er geflissentlich Bob Fitzsimmons. Dann sprach er davon, dass beide, Fury und Joshua, nach ihrem Sieg über Klitschko Champions seien und jetzt nach zehn Jahren endlich die Frage geklärt würde, wer der wahre Champ sei – als hätte es Oleksandr Usyk niemals gegeben, der beide jeweils zwei Mal besiegt hatte.
Auf der Bühne waren neben Fury und Joshua noch Eddie Hearn, Frank Warren, Spencer Brown, der Manager von Tyson Fury, und Rick „Verzace“ Reeno, CEO des Ring Magazine. Der Saudi-Mäzen Turki Al-Sheikh war nicht auf der Bühne, sondern er saß auf einem exklusiven Sofa unmittelbar vor der Bühne, er war aber ständig präsent – ihm wurde vielfach von jedem gedankt und auch mehrfach das Wort erteilt.
Turki zeigte klar, bei wem seine Sympathien lagen. Dana White war sein „brother“ ebenso wie Nick Khan der CEO der WWE und Board Member von TKO.
Zu Eddie Hearn sagte Turki wörtlich: „Eddie don’t watch Braveheart a lot!“
Im Film „Braveheart“ spielt Mel Gibson den schottischen Freiheitskämpfer William Wallace, der sich gegen die englische Vorherrschaft auflehnt. Sein berühmter Schlachtruf lautet „Freedom!“. Turki meinte damit sinngemäß: „Eddie, hör auf, dich wie William Wallace aufzuführen und gegen alle in den Krieg zu ziehen.“
Im Publikum waren dagegen die Sympathien klar auf Seiten von Eddie Hearn – als der Name „Dana White“ fiel, gab es dagegen Buhrufe.
Tatsächlich sagte Eddie Hearn auf der Pressekonferenz kaum etwas – nur am Ende, als er gefragt wurde. Man hatte den Eindruck, die Promoter auf dem Podium waren mit eine Art Redeverbot belegt worden – anders ist das gar nicht vorstellbar; ich habe so etwas von eine Art Redeverbot auch irgendwo im Nachhinein gelesen.
Lustig war, als Turki sich bei Rick Reeno beschwerte, dass er in eine Art bunten Badegarderobe auf der Bühne saß – Reeno erwiderte daraufhin, er hätte im Vorfeld gehört, er würde neben Hearn auf dem Podium sitzen und wollte sich hierfür passend anziehen – eine weitere Spitze gegen Hearn.
Stimmung kam etwas auf, als Fury und Joshua zu Wort kamen: “I’m a bald, fat, bearded, ugly, slow, ponderous, all of the above, whatever people want to say. But at the end of the day, I get shit done.” “And then you got this guy here, he’s carved in stone like he’s made of marble, and every time he gets cracked on the jaw, he falls over.” “I’m built like a blancmange and he’s built like an Adonis.” “And when I crack him on that jaw with a big right hand, he’s going to go down like a sack of shit!”
[„Ich bin glatzköpfig, fett, bärtig, hässlich, langsam und schwerfällig – alles zusammen. Die Leute können über mich sagen, was sie wollen. Aber am Ende des Tages liefere ich ab.Und dann haben wir hier diesen Typen, der aussieht, als wäre er aus Stein gemeißelt, als bestünde er aus Marmor. Aber jedes Mal, wenn er einen ordentlichen Schlag aufs Kinn bekommt, fällt er um. Ich bin gebaut wie ein Wackelpudding, und er sieht aus wie ein Adonis. Aber wenn ich ihm mit meiner mächtigen Rechten einen aufs Kinn verpasse, wird er umfallen wie ein Sack Scheiße!“]
Sprüche klopfen kann er, der Gypsy King!
Als Fury sich selbst als glatzköpfig, fett, hässlich, bärtig, langsam und schwerfällig bezeichnete, unterbrach Joshua ihn trocken mit: “It’s true.”
Joshua griff auch immer wieder Furys eigene Worte auf und konterte humorvoll. So rief er mehrfach in Anlehnung an Fury: „Get up!“ – Gefühlte einhundert Mal.
Lustig war es irgendwie.
Joshua bezog auch das Publikum mit ein und ließ es Fragen stellen, dadurch kam etwas Abwechslung auf.
Aber bei weitem war es nicht die einmalige Pressekonferenz, die ich erwartet hatte, als ich an einen Gladiatoreneinmarsch, AC/DC, Neil Diamond und Donald Trump vor Ort gedacht hatte. Es war eher langweilig.
Woran lag es? Wahrscheinlich waren die Emotionen im Vorfeld schon so groß gewesen – wir erinnern uns, der Kampf stand bereits einen Tag nach Veröffentlichung auf Messers Schneide, dass man jegliche Art von weiteren Emotionen vermeiden wollte – und womöglich auch die Promoter und Verantwortlichen angewiesen worden waren, kein weiteres böses Blut zu vergießen.
Der Vorverkauf für den Kampf startet am 9. Oktober – ich würde nicht mein Vermögen darauf wetten, dass der Kampf tatsächlich kommt. Aus aktueller Sicht scheint es wahrscheinlich, aber wer weiß, was noch bis zum 11. Dezember passiert.














