
WBF-Weltmeisterschaft und WBO-Global: Freddy Kiwitt (GER) – Suleiman Jafaru (NIG)
© Torsten Helmke
„Flensburg boxt 2.0“: Lokalmatador Kiwitt liefert sich am Samstagabend eine harte Schlacht gegen seinen Kontrahenten Suleiman Jafaru – und siegt einstimmig nach Punkten. Damit verteidigt er seinen WBF-WM-Titel im Superweltergewicht und holt sich zugleich den WBO-Global-Gürtel. Darian Yasar gewinnt in einem temporeichen Fight die WBF-Europameisterschaft – Gegner Menal „Meno“ Topcu fordert ein Rematch. Schwergewicht Viktor Faust erledigt sein Werk im Schnelldurchlauf – und ist neuer Europameister der WBO.
Volle Distanz, volle Power – und doppelter Triumph. Kurz: Freddy Kiwitt ist am Ziel. Der Superweltergewichtler verteidigt am Samstagabend seinen WBF-WM-Titel und holt sich den WBO-Global-Gürtel. In der GP Joule Arena vor 1.500 Zuschauern, dort, wo sonst die Spieler der SG Flensburg-Handewitt auf Torejagd gehen. Die Handballhölle als Boxtempel.
Der 35-jährige Lokalmatador (29-3) hatte Suleiman Jafaru (18-1) aus Nigeria vor den Fäusten. Es war das Main-Event von „Flensburg boxt 2.0“, veranstaltet von PWR Box Promotion in Kooperation mit Claussen Events. Der Doubleheader über zwölf Runden stand bereits Ende November vergangenen Jahres auf dem Programm. Kiwitt musste damals aber absagen – krankheitsbedingt. Nun gab es die Neuauflage.
Und was für eine. Ein Schlagabtausch auf Augenhöhe. Jafaru agiert druckvoll, sucht den Infight – und schlägt aus einer stabilen Deckung. Kiwitt dominiert optisch von der Ringmitte mit seiner linken Führhand, hält seinen Kontrahenten auf Distanz, zielt vereinzelt mit der Rechten auf den Körper. Aber Jafaru antwortet. Etwa mit Uppercuts und knackigen, explosiven Schlagsalven. Einige Hände kommen durch, bisweilen kann Jafaru Kiwitt an den Seilen stellen – allerdings ohne Wirkungstreffer.

WBF-Weltmeisterschaft und WBO-Global: Freddy Kiwitt (GER) – Suleiman Jafaru (NIG)
© Torsten Helmke
Die erste Halbzeit, die ersten sechs Runden, gleichen sich. Kiwitt kommt aktiver aus der Ringecke, verliert nach anderthalb Minuten aber die Initiative an Jafaru, der seinerseits versucht zu punkten.
Ab der siebten Runde liegen die Vorteile bei Kiwitt. Jafarus Nasenbein scheint gebrochen, Blut rinnt über Lippen und Kinn. Dennoch, Jafaru bleibt gefährlich, ist stets zu einem Konter samt Folgeattacke fähig. Kiwitt boxt taktisch-diszipliniert, lauert mit hängenden Händen auf Lücken in Jafarus Deckung – und zieht seine Rechte als Gerade oder Haken durch. Das Heimpublikum goutiert die Aktionen mit „Freddy-Freddy“-Rufen, während Kiwitts Mutter ihren Sohn – deutlich über die Außenmikros hörbar – lautstark aus der ersten Reihe anfeuert: „Pass‘ auf, Freddy!“ Oder: „Zack-zack, Freddy!“ Oder: „Freddy, hau‘ auf die Nase!“ Eine Extra-Motivation.

WBF-Weltmeisterschaft und WBO-Global: Freddy Kiwitt (GER) – Suleiman Jafaru (NIG)
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In den letzten drei, vier Runden mobilisiert Kiwitt seine Reserven, boxt variabel, setzt Akzente, ist präsenter. Das überzeugt. Schlussgong. Der Heimfavorit reißt die Arme nach oben, Kiwitts irischer Trainer Ciaran Duffy klettert in den Ring, packt seinen Schützling an den Hüften und reckt ihn in die Höhe. Zu Recht – Ergebnis: einstimmiger Punktsieg (118:110, 117:111, 117:110).
Wie hat der Champion nach seinem Doppeltriumph reagiert? Überlegt, verhalten. Als Ringsprecher Ingo Rohrbach ihm das Mikro unter die Nasenspitze hält, rückt Kiwitt seinen WBO-Gürtel über der linken Schulter gerade – und sagt: „Es war eine harte Schlacht, schwerer als gedacht.“ Mit Mitte 30 falle auch das Gewichtmachen nicht mehr so leicht. „Ich überlege, eine Gewichtsklasse höherzugehen.“ Und nach der Zukunft befragt: Er müsse gucken, „was geht“.

WBF-Weltmeisterschaft und WBO-Global: Freddy Kiwitt (GER) – Suleiman Jafaru (NIG)
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Im Moment könne er nicht sagen, wie lange er noch im Ring stehen werde. Schließlich sei er auch Manager, Promoter, Matchmaker und Inhaber eines Gyms. Nun gilt aber erst einmal: den Coup feiern – und anschließend durchatmen, verschnaufen.
Yasar voll im Angriffsmodus – Rematch von Topcu gefordert
Das wird bestimmt auch Darian Yasar (15-1-1) machen. Der 35-jährige ist ein Tempomacher, ein Dauermarschierer im Seilquadrat. Im Co-Main Event traf er auf Menal „Meno“ Topcu (8-1). Nicht nur ein Clinch um die WBF-Europameisterschaft im Weltergewicht; nein, auch ein Wettkampf der beiden Hamburger Jungs um die Vorherrschaft in der Hansestadt.
Unter den Klängen des italienischen Partisanenliedes „Bella Ciao“ zieht Yasar in den Ring – der Slogan auf dem roten Stirnband ist eine Kampfansage: „Krieg dem Krieg.“ Und sofort schaltet Yasar in den Angriffsmodus. Topcu stellt sich, schlägt mit, das Duo schenkt sich nichts, keinen Zentimeter auf den Brettern. Die Fans sind begeistert. In der dritten Runde passiert es: Linker Kopfhaken von Yasar, Topcu fällt rückwärts in die Seile, kann sich nicht mehr auf den Beinen halten, wird angezählt.
Kommt der neun Jahre jüngere Topcu noch einmal zurück, kann er seinem Kontrahenten weiter Paroli bieten? Nein. Wie auch, Yasar hält den Druck hoch, presst, sucht die vorzeitige Entscheidung. Mit Erfolg. Treffer zum Kopf, Treffer zum Körper setzen Topcu arg zu. Er geht abermals zu Boden, einmal, zweimal – das Handtuch fliegt. TKO nach 2:10 Minuten in der sechsten Runde.
Der Sieg sei „surreal“, sagt der neue WBF-Europameister Yasar auf Nachfrage von Rohrbach im Ring. Weil: „Ich bin meinem Traum nähergekommen.“ Für Topcu bedeuten die Niederschläge hingegen einen Rückschlag, ein Knick in der jungen Karriere. Kleinbeigeben will er aber nicht. Beleg: Noch im Seilgeviert vor laufender Kamera fordert er Yasar zum Rematch auf. „Egal wo und wann.“ Der neue Titelträger nickt und stimmt zu.
Schwergewicht Viktor Faust macht kurzen Prozess

Viktor Faust (UKR) – Todorche Cvetkov (MCD)
© Torsten Helmke
Im Schnelldurchgang geht es für Viktor Faust (17-1). Der ukrainische WM-Aspirant, der in Las Vegas lebt, braucht beim Featured Bout, dem dritten Hauptkampf des Abends, nur 18 Sekunden für den EM-Titel der WBO im Schwergewicht. Der Arbeitsnachweis: Ein satter rechter Leberhaken, zwei Wischer hinterher. Und schon hockt Todorche Cvetkov aus Mazedonien mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Hosenboden. Der untersetzte 123-Kilo-Mann aus Skopje schüttelt mit dem Kopf, hat genug – und der Ringrichter zeigt Einsehen. TKO für Faust in Runde eins. Die Quittung: Ein paar Buhrufe vom Parkett und von der Tribüne. „Bei einem EM-Kampf darf man vom Gegner mehr erwarten“, betont Faust nüchtern.

Viktor Faust (UKR) – Todorche Cvetkov (MCD)
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Ohne Überraschungen: Fünf Fights auf der Undercard
Zum Auftakt steht das Supermittelgewichtsduell zwischen Can Gök (4-0) aus Saarbrücken und Robin Zamora (22-45) aus Spanien auf dem Zettel. Ein Kampf zweier Rechtsausleger, angesetzt auf sechs Runden. Gök bestimmt über weite Strecken das Gefecht ohne große Höhepunkte. Der gebürtige Argentinier Zamora wagt sich ab und an nach vorne, Gök hält ihn mit seiner langen Rechten und guten Meidbewegungen auf Distanz. In der Schlussrunde zieht der Saarländer das Tempo an, punktet mit Rechts-links-Kombinationen. Unter dem Strich ein einstimmiger Punktsieg für Gök (59:55, 59:54, 58:56).
Im zweiten Kampf des Abends fackelt Erol Ekin (2-0) nicht lange. Der Mittelgewichtler aus Flensburg braucht nur einige wenige Aktionen im Ring. Der kurzfristig eingesprungene Hayden Sheriff (2-6) aus Manchester ist chancenlos. Zwei Treffer Ekins reichen, ein linker Jab zum Kopf, ein rechter Haken zum Körper. Technischer Knockout nach etwas mehr als einer Minute in Runde eins.
Vorzeitig siegt auch Robert Toman (5-0). Der Tscheche bestimmt mit weitausholenden, schnellen Händen die Auseinandersetzung im Mittelgewicht nach Belieben. Der in Barcelona lebende Venezolaner Gregorio Dominguez (24-11) hat dem athletischen Toman nichts entgegenzusetzen. Der Niederschlag zum Ende der zweiten Runde ist bereits der finale Schlag. Dominguez ist groggy – Ergebnis: TKO für Toman in der dritten Runde.
Ein Debüt, ein Draw (alle Punktrichter werten 38:38). Das hat sich Christian „Pasha“ Patzke bei seinem Heimauftritt sicher anders vorgestellt. Entsprechend enttäuscht wirkt der Debütant nach dem Vierrunder im Supermittelgewicht. Patzke – optisch im Vorteil – kassiert im Vorwärtsgang immer wieder Konter seines Kontrahenten aus Manchester, Dean Porter. Der schlägt sich in seinem zweiten Profikampf wacker – und kehrt mit einem Unentschieden nach Hause.
Alexander Chupils Kampfrekord bleibt makellos, auch nach dem 16. Fight. Für den Hamburger ist der aus Tansania stammenden Augsburger Ajemi Amani Jr. (22-8-2) kein echter Prüfstein. Bereits in Runde eins wird der überforderte Amani Jr. zweimal vom Ringrichter angezählt. Der zweite Treffer, ein schulbuchmäßiger Hook zum Körper, zeigt Wirkung. TKO für Chupil in Runde zwei.














