Dmitry Bivol legt WBC-Titel nieder! Benavidez nun vollwertiger Champion

Dmitry Bivol war nur sechs Wochen lang unumstrittener Weltmeister im Halbschwergewicht. Nun legte er seinen WBC-Titel nieder.

Dmitry Bivol forciert Trilogie mit Artur Beterbiev und legt WBC-Titel nieder

Am Montag informierte Dmitry Bivol den World Boxing Council (WBC) mithilfe seines Anwalts Pat English darüber, dass er auf den WBC-Titel verzichtet und den angesetzten Pflichtherausfordererkampf gegen den Interims-Champion David Benavidez nicht antreten werde. Grund für diesen Schritt ist das geplante dritte Duell mit Artur Beterbiev. Bivol und Beterbiev hatten sich zuvor jeweils einen der beiden ersten Aufeinandertreffen gesichert, weshalb ein finaler Kampf zwischen den beiden Top-Halbschwergewichtlern vereinbart wurde.

Nach Bivols Rückzug erklärte der WBC David Benavidez (30-0, 24 KOs) zum neuen Weltmeister in der Gewichtsklasse bis 175 Pfund. Hätte der Kampf gegen Benavidez stattgefunden, wäre die Börse im Verhältnis 60:40 zugunsten von Bivol aufgeteilt worden. Bivol hatte am 22. Februar in Riad, Saudi-Arabien, durch Mehrheitsentscheidung gegen Beterbiev gewonnen und sich damit zum unangefochtenen Weltmeister gekrönt. Es war zugleich die Revanche für seine knappe und umstrittene Niederlage im Oktober, bei der er seinen WBA-Titel an Beterbiev verloren hatte, was ihn zum Undisputed Champion machte. Auch der Rückkampf diente der Vereinigung aller vier großen Titel im Halbschwergewicht.

In einem Brief an WBC-Präsident Mauricio Sulaiman erklärte Patrick English, der Anwalt von Benavidez: „Mr. Bivol wurde in eine Lage gebracht, in der er leider gezwungen ist, den World Boxing Council Light Heavyweight Title aufzugeben. Jeder im Boxsport weiß, dass es eine Verpflichtung für einen dritten Kampf mit Artur Beterbiev gibt, der allgemein als zweitbester Halbschwergewichtler im Boxen gilt. Wir arbeiten daran, diesen Kampf zu absolvieren.“

English äußerte auch Kritik an den Weltverbänden: „Darüber hinaus sind wir bestürzt über die Unfähigkeit der Rating-Organisationen, sich an das vor vielen Jahren eingeführte Rotationssystem zu halten. Wie Sie wissen, hat die IBF zu Recht den Anspruch erhoben, für den nächsten Kampf gegen Bivol die Federführung zu übernehmen.“ Bei der International Boxing Federation (IBF) wartet SES-Halbschwergewichtler Michael Eifert seit nunmehr zwei Jahren auf seinen „Title-Shot“ und ist Pflichtherausforderer von Bivol.

Eifert hatte jedoch zugestimmt, zurückzutreten (Step aside), um die Trilogie zwischen Bivol und Beterbiev zu ermöglichen – unter der Bedingung, dass er danach der nächste Gegner des Siegers wird. Trotz der Reihenfolge im Rotationssystem ordnete der WBC dennoch den Kampf gegen Benavidez an.

„Wir möchten denjenigen gegenüber höflich sein, die an dem angesetzten potenziellen Purse Bid beteiligt sind“, schrieb English weiter. „Daher teilen wir Ihnen den Verzicht auf den Gürtel vor diesem Zeitpunkt mit, damit den Leuten keine unnötigen Reisekosten entstehen. Mr. Bivol schätzt solche Höflichkeiten des WBC, wie sie ihm in der Vergangenheit gewährt wurden.“

WBC-Präsident Sulaiman sauer über Schreiben von Bivols Anwalt

WBC-Präsident Sulaiman reagierte auf das Schreiben postwendend und erklärte Benavidez, der auch den „regulären“ WBA-Titel hält, zum neuen Weltmeister. Auf seinen sozialen Kanälen kommentierte Sulaiman: „Ich habe soeben eine kalte und unpersönliche Benachrichtigung von Dmitry Bivols Anwalt Patrick English erhalten, mit Argumenten, die so lächerlich sind, dass ich lieber nicht darüber diskutieren möchte, das WBC darüber zu informieren, dass Dmitry Bivol beschlossen hat, seinen WBC-Titel im Halbschwergewicht abzugeben. Wir wünschen Bivol viel Erfolg und bestätigen hiermit David Benavidez als WBC-Weltmeister im Halbschwergewicht.“

Der dritte Kampf zwischen Bivol und Beterbiev ist zwar noch nicht offiziell bestätigt, soll aber im Oktober zur Eröffnung der nächsten Riyadh Season in Saudi-Arabien stattfinden.

Benavidez-Promoter Sampson Lewkowicz sagte, dass er und sein Boxer bereit wären, dem Sieger der Trilogie erneut einen Undisputed-Kampf zu ermöglichen: „Er hat den Titel aufgegeben, weil er nicht gegen Benavidez antreten wollte. Er will unbedingt die Trilogie mit Beterbiev machen. Aber das sollte jeder wissen: Wir werden dem Sieger die Möglichkeit geben, den WBC-Titel jederzeit zurückzubekommen. Wir sind nur einen Telefonanruf entfernt, um diesen Kampf zu realisieren.“

Für Benavidez steht nun die Suche nach einem geeigneten nächsten Gegner an. Lewkowicz erklärte dazu: „Für Benavidez‘ nächsten Kampf müssen wir den bestmöglichen Herausforderer verhandeln, der den Mut hat, sich ihm zu stellen.“ Zuletzt hatte Benavidez einen überzeugenden Sieg gegen David Morrell eingefahren. In der T-Mobile Arena in Las Vegas sicherte er sich am 1. Februar durch einstimmige Entscheidung den Sieg und damit sowohl den WBC-Interimstitel als auch den „regulären“ WBA-Gürtel im Hauptkampf einer PBC-Veranstaltung auf Prime Video Pay-per-View.

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1 Kommentar

  1. Ich würde den Sieg von Bertebijew im ersten Kampf nicht umstritten und eigentlich auch nicht wirklich knapp, vom Verlauf her nennen: auch wenn Bivol vielleicht nach 4 Runden geführt haben könnte, hat er danach nur eine Runde meiner Meinung nach gewonnen (die 9. wahrscheinlich), ansonsten war er einfach zu passiv und man könnte sehen, wer überwiegend mehr Wirkung erzielt hat, bei 15 Runden wäre er möglicherweise zu Boden gegangen.

    Auch hat Benavidez bisher erst einen richtigen hochbewerteten Halbschwergewichtler geboxt, der im Herbst seiner Karriere stehende Gwodiz, wo er den Interimstitel in dieser Klasse holte. Im Supermittelgewicht war er viel erfolgreicher und hat wesentlich länger auf eine Pflichtverteidigung von Alvarez gewartet, glaube ab 2020 schon (dort hatte er schon den vollwertigen WBC-WM-Titel) und war auch ganz klar der stärkste Gegner für diesen (anders als jetzt), bereits von Plant und Saunders.

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