Devin Haney schlägt Brian Norman Jr. In der 2. Runde ihres Weltergewichts Wm-Kampfes zu Boden. Foto: Leigh Dawney/Queensberry.
Der ehemalige unbestrittene Leichtgewichts- und Junior-Weltergewichts-Champion sichert sich mit einer dominanten Leistung den Gürtel in einer dritten Gewichtsklasse.
Devin Haney gewann einen Weltmeistertitel in einer dritten Gewichtsklasse und ließ damit den Albtraum von 2024 hinter sich. Er fuhr einen klaren einstimmigen Punktsieg gegen Brian Norman Jr. ein und gewann den WBO-Weltergewichtstitel im Co-Hauptkampf der DAZN PPV-Veranstaltung „ The Ring IV: Night of the Champions“ am gestrigen Samstagabend in der ANB Arena in Riad, Saudi-Arabien.
Devin Haney, der ehemalige unbestrittene Leichtgewichts-Champion und ehemalige WBC-Junioren-Weltergewichts-Titelträger, fügte seiner wachsenden Gürtelsammlung in seinem ersten Kampf als Weltergewichtler (bis 66,7 kg) einen weiteren Gürtel hinzu und gewann den WM-Kampf klar und einstimmig mit 117-110, 116-111 und 114-113.
Devin Haney vs. Brian Norma Jr. Foto: Leigh Dawney/Queensberry.
Viele fragten sich im Vorfeld des Kampfes, wie sich Haney gegen den schlagstarken Norman Jr. schlagen würde, dessen Markenzeichen der linke Haken ist. Mit diesem Schlag schickte Ryan Garcia Haney in ihrem Kampf im April 2024 dreimal zu Boden.
Garcia wurde damals zwar ein Mehrheitsentscheid zugesprochen, doch selbst nachdem das Ergebnis in ein „No Contest“ geändert wurde, weil Garcia, der das Gewichtslimit um mehr als zwei Kilo überschritten hatte und somit nicht berechtigt war, den WBC-Titel im Halbmittelgewicht zu gewinnen, positiv auf das verbotene leistungssteigernde Mittel Ostarine getestet wurde, löschte dies dennoch nicht die Bilder von Haney, der damals dreimal zu Boden geschlagen wurde.
Nach 13 Monaten Pause kehrte Devin Haney im Mai dieses Jahres zurück und besiegte den ehemaligen Weltmeister im Halbweltergewicht, Jose Ramirez, in einem Kampf bis 65,3 kg deutlich nach Punkten. Obwohl Haney diesen Kampf gewann, war es ein lustloser Kampf, in dem er kaum Schläge austeilte, extrem vorsichtig agierte und alles tat, um Treffer zu vermeiden.
Devin Haney vs. Brian Norma Jr. Foto: Leigh Dawney/Queensberry.
Doch Devin Haney (33-0-0, 15 KOs) aus Las Vegas, der am 17. November 27 Jahre alt wurde, wirkte gegen Norman deutlich souveräner, und nach einem von verbalen Attacken geprägten Vorfeld zwischen den Kämpfern, da ihre Väter, die Trainer Bill Haney und Brian Norman Sr., ebenfalls als Trainer fungieren, zeigte Haney Norman eine Lektion, indem er unter anderem in der zweiten Runde einen harten Niederschlag erzielte und ihn während des gesamten Kampfes mit seinem Jab in Bedrängnis brachte.
„2024 habe ich alles verloren. Alles ist über mir zusammengebrochen“, sagte Haney. „2025 habe ich mir alles zurückgeholt und 2026 hole ich mir alle Titel im Weltergewicht.“
Der 24-jährige Brian Norman Jr. (28-1, 22 KOs), 24, aus Decatur, Georgia, USA, der seinen Titel zum dritten Mal verteidigte und in seinen ersten beiden Titelkämpfen starke KO-Siege errungen hatte, gewann die erste Runde auf allen drei Punktzetteln. Doch Haney übernahm mit einer dominanten zweiten Runde die Kontrolle über den Kampf.
1Devin Haney vs. Brian Norma Jr. Foto: Leigh Dawney/Queensberry.Devin Haney landete einen linken Haken, der Norman sichtlich beeindruckte, und traf ihn kurz darauf mit einem weiteren Haken und einem rechten Haken am Kinn, der Norman hart zu Boden streckte – nur etwas mehr als einer Minute vor Rundenende.
Norman Jr. überstand den Anzählvorgang von Ringrichter Ricky Gonzalez, doch Haney landete in der anschließenden Attacke zahlreiche Treffer, darunter einen weiteren sauberen rechten Haken, der Norman zum Klammern zwang.
Haney schlug immer wieder zu und traf, während Norman Jr. kaum etwas zurückbrachte und ihm Blut aus der Nase strömte, was ihn den Rest des Kampfes sichtlich plagte, da er sich immer wieder das Blut von der Nase wischte.
„Er hat genau so gekämpft, wie wir es voraussehend geplant hatten, also konnte ich das ausnutzen“, sagte Haney. „Nachdem ich ihn aber angeschlagen und zu Boden geschickt hatte, hat er seine Taktik angepasst, also mussten wir uns darauf einstellen. Aber er ist ein wahrer Champion. Er ist definitiv besser, als ich erwartet hatte. Ich zolle ihm Respekt und danke ihm für die Chance, erneut Champion zu werden.“
Devin Haney vs. Brian Norma Jr. Foto: Leigh Dawney/Queensberry.
„Er hat die nötige Anpassung vorgenommen, wie es sich für Champions gehört. Also haben auch wir uns neu angepasst und fast alle Runden geholt.“
Obwohl Haney im Laufe des Kampfes keinen weiteren Niederschlag erzielen konnte, war er Norman Jr. im restlichen Kampf größtenteils boxerisch klar überlegen.
In der dritten Runde setzte Haney mit einem harten Jab nach und trieb Norman in eine Rechte. In der vierten Runde klammerte Norman vermehrt, während Haney ihn mit harten Körpertreffern bearbeitete und mit weiteren Jabs zurückdrängte.
Keiner der beiden Boxer schlug oder landete eine Menge Schläge, aber Haney nutzte seine Chancen, sei es mit einem präzisen rechten Haken in der Mitte des Rings in der fünften Runde und einem weiteren in der siebten.
Norman Jr. hatte in den späteren Runden zwar auch einige Erfolge, doch es schien ziemlich offensichtlich, dass er einen KO oder zumindest mehrere Niederschläge brauchte, um seinen Titel noch verteidigen zu können. Als die zwölfte Runde anbrach, war in Normans Ecke keine Dringlichkeit mehr zu spüren, und Haney gewann auch diese Runde auf zwei der Punktzettel.
Der strahlende Sieger und neuer WBO-Weltergewichts-Weltmeister Devin Haney. Foto: Leigh Dawney/Queensberry.
Laut CompuBox-Statistik landete Haney 70 von 271 Schlägen (26 Prozent), Norman hingegen 59 von 399 (15 Prozent). Haney war in acht der zwölf Runden erfolgreicher, und Norman erzielte in keiner Runde mehr als sechs Treffer. Nur in der zweiten Runde erreichte Haney eine zweistellige Trefferzahl (14).
„ Das Weltergewicht ist die Gewichtsklasse, in der ich schon lange hätte sein sollen“, sagte Haney. „Mein Vater hat mir schon lange gesagt, es sei Zeit aufzusteigen, aber im Leichtgewicht und Halbweltergewicht stand so viel auf dem Spiel. Aber ich bleibe jetzt erst mal im Weltergewicht.“
Es bleibt abzuwarten, was Haney als Nächstes unternimmt, doch die Aussicht auf einen Rückkampf gegen Garcia ist groß. Dieser war ursprünglich schon für dieses Jahr geplant, wurde aber nach Haneys schwacher Leistung gegen Ramirez im Mai und Garcias Niederlage gegen Rolando Romero um den vakanten WBA-Weltergewichtstitel, abgesagt.
Haney zeigte gegen Norman jedoch eine deutlich bessere Leistung, und Garcia steht kurz vor dem Abschluss eines Vertrags für einen Kampf gegen WBC-Titelträger Mario Barrios im Februar. Sollte Garcia gewinnen, könnte dies den Weg für einen Rückkampf als Vereinigungskampf später im Jahr 2026 ebnen.
Die Punktzettlel der drei Punktrichter. Foto: Leigh Dawney/Queensberry.
Haney hat regelmäßig gegen die besten Boxer seiner Gewichtsklasse gekämpft, unter anderem gegen Regis Prograis, Vassiliy Lomachenko und er hat George Kambosos Jr. zweimal in Australien besiegt – ganz zu schweigen davon, dass er sich mit Teofimo Lopez auf einen Kampf geeinigt hatte, der jedoch Anfang des Jahres kurzfristig abgesagt wurde. Haney plant nichts, an dieser Strategie zu ändern.
„Wir nehmen es mit jedem auf“, sagte Haney. „Es spielt keine Rolle, wer es ist. Gegen wen auch immer meine Tage mich kämpfen lassen wollen, gegen den werde ich kämpfen.“