„Die Kultfigur des Deutschen Boxsports“ wird am 19. März auf Mallorca geehrt – Jahreshauptversammlung des BDB findet erstmals seit 1949 im Ausland, auf Mallorca, statt
Ebby Thust (68) ist ein echter „Frankfurter Junge“, auch wenn er inzwischen seit über 15 Jahren auf Mallorca lebt. Ebby stand zwar selbst niemals als Boxer im Ring, aber er ist seit 50 Jahren mit dem deutschen Boxsport verbunden wie kaum ein anderer und teils bekannter und vor allem präsenter als manche Box-Weltmeister vergangener Tage.
Geboren am 16. November 1947 in Frankfurt-Sossenheim wuchs Eberhard Anton Thust (so sein gebürtiger Name) als Nachkriegskind in einer schwierigen Zeit auf. Der Frankfurter Vorort Sossenheim liegt nicht unweit von den beiden Taunusstädtchen Bad Soden und Kelkheim entfernt. Hier in Bad Soden war der Standort der damals wohl in Deutschland bekanntesten Boxschule von Bruno Müller und dessen Sohn Wolfgang, dem Trainer von Karl Mildenberger, Lothar Stengel, Kurt Stroer, Karo Brunnhölzel und unzähligen deutschen Boxsportgrößen von damals.
Zu dieser Zeit, im Alter von 15, 16 Jahren saß Ebby Thust nachts bis hin zum frühen Morgen vor dem Fernseher und schaute zusammen mit seinem Vater die Kämpfe von Cassius Clay, der sich dann später in Muhammad Ali umbenannte. Hätte Ebby damals jemand gesagt, dass er diesen Muhammad Ali einmal persönlich treffen würde, hätte er wohl nur ungläubig gelächelt. In diesen Jahren zog es den jungen Ebby wöchentlich mehrmals ins Bad Sodener Trainingscamp, das später nach Kelkheim umzog. Dort schaute er beim Training seiner Idole zu. Thust war schon damals in jungen Jahren vom Boxsport infiziert, der ihn bis zum heutigen Tage nicht mehr losgelassen hat.

Es gab damals in Deutschland im Gegensatz zu heute nur einen einzigen Profiboxverband. Das war der Bund Deutscher Berufsboxer (BDB), der Verband in dem auch schon Max Schmeling war und auch zu dieser Zeit Karl Mildenberger, Gerhard Zech, Bubi Scholz und Peter Müller. Eigentlich boxte ausnahmslos jeder deutsche Profiboxer mit einer Box-Lizenz des BDB. So kam es, dass sich Rüdiger Schmidtke und Ebby Thust am 15. März 1966 als Mitglied beim Bund Deutscher Berufsboxer anmeldeten.
Zu jener Zeit erwarb Schmidtke die Profiboxerlizenz, wohingegen Thust die Sekundantenlizenz beantragte. Somit konnte er auch fortan in Schmidtkes Ecke stehen, welcher später von Walter Fischer trainiert wurde. Als späterer Funktionär beim BDB wurde Thust dann Zeitnehmer und schlug auch die Glocke am Ring. Einige Jahre später bekam er schließlich die Lizenz als Technischer Leiter erteilt. „Die Lizenz als Zeitnehmer oder Sekundant war noch recht einfach zu bekommen, doch die als technischer Leiter ist schon schwieriger. Als technischer Leiter ist man für die Organisation, das Matchmaking, die Zusammenstellung der Kampfpaare, Abschluss der Kampfverträge, Anmietung der Halle, Ausarbeitung des Bestuhlungsplanes, Ticketing, Plakatieren, Pressearbeit und vieles mehr zuständig.“, so Thust in seiner Biografie „Glanz und Elend“. Dass er auch mit Rüdiger Schmidtke den richtigen Riecher hatte, zeigte sich 1972, als dieser durch einen KO-Sieg in der 12. Runde gegen Chris Finnegan Europameister im Halbschwergewicht wurde.
Fortan bestimmten kleinere Veranstaltungen sein boxerisches Schaffen. Unvergessen bleiben die Events in der Bad Homburger Tennisbar, bei welchen unter anderem auch die Rocchigiani-Brüder, René Weller, John Mugabi oder Manfred Jassmann boxten. Damals kamen nie mehr als 300 Zuschauer, dennoch war die Veranstaltung ausverkauft – aus heutiger Sicht nicht vorstellbar. So war es, neben anderen wenigen, auch Thust selbst, der dafür sorgte, dass das deutsche Profiboxen über Jahrzehnte am Leben gehalten wurde – wir verdanken ihm also viel.

Sauerland, der durch wirtschaftspolitische Verbindungen nach Afrika (er verkaufte Getränkeabfüllanlagen) zum Boxsport fand, nachdem man ihn bat, schwarze Boxer in Deutschland zu promoten, nahm dann schließlich René Weller unter Vertrag. Später folgten Manfred Jassmann und die Rocchigiani-Brüder. Thust selbst nahm Bruder Ralf unter Vertrag – ein späterer Weltmeister im Cruisergewicht. In Zusammenarbeit mit Wilfried Sauerland veranstaltete Thust ca. 70 Boxveranstaltungen, darunter mehr als 50 mit René Weller und beeinflusste dadurch die deutsche Boxszene wie kein anderer. 1986 erhielt Ebby Thust vom damaligen BDB-Präsidenten Klaus-Peter Kohl die Goldene Ehrennadel des BDB „für besondere Verdienste für den deutschen Berufsboxsport“. 1988 war Ebby Thust zudem technischer Leiter beim Weltmeisterschaftskampf zwischen Graciano „Rocky“ Rocchigiani und Vincent Boulware – Rocky gewann damals seinen ersten WM-Titel im Supermittelgewicht.
Zu diesem Zeitpunkt hatte Thust bereits mehrere deutsche Meister unter Vertrag: Charly Graf, José Varela, Reiner Hartmann, Erwin Heiber, um nur einige zu nennen. Reich werden konnte man mit dem Boxen allerdings noch nicht. Als „Box-Deutschland“ später vor allem aus den beiden großen Promotions von Sauerland und Klaus-Peter Kohls Universum bestand, war es zudem schwer für Thust, mit dem Boxen Geld zu verdienen. Als dann Mitte der 90er Jahre Hako Sevecke und Herbert Wolf das „Hessen-Box-Team“ gründen wollten, heuerte Thust als Manager und Matchmaker an und nahm prompt die damalige deutsche Schwergewichtshoffnung Willi „de Ox“ Fischer unter Vertrag. Eine richtige Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte.

Einmalig dürfte zudem sein, dass zwei seiner Schwergewichtsboxer im September 1998 an einem Tag um die Weltmeisterschaft boxten: Willi „de Ox“ Fischer und Zejlko Mavrovic. Leider verlor Fischer gegen Herbie Hide durch KO und Mavrovic gegen Lennox Lewis nach Punkten, dennoch aber schrieb Thust damit Geschichte.
Neben unzähligen nationalen Boxevents war es auch das internationale Boxen, was Thust faszinierte. So war er bei nahezu allen großen Kämpfen der internationalen Box-Superstars ein gern gesehener und vor allem geschätzter Gast.

Es gab wohl kaum einen Boxer, den Ebby nicht kennengelernt hat. „Ich war damals oft in Las Vegas bei allen großen Kämpfen. Muhammad Ali, Larry Holmes, Sugar Ray Leonard, Marvin Hagler, Julio Cesar Chavez, Roberto Duran, Evander Holyfield und natürlich Mike Tyson habe ich vor Ort erleben dürfen und auch fast alle persönlich kennengelernt.“ Den „Greatest Of All Time“ Muhammad Ali sah Ebby Thust das erste Mal am 10. September 1966, mit gerade einmal 18 Jahren, als BDB-Mitglied mit VIP-Karten aus der zweiten Reihe live. Ali stand im Frankfurter Waldstadion dem deutschen Karl Mildenberger gegenüber. Kennengelernt hatte er ihn allerdings bereits knapp 14 Tage vorher, als Ali im gleichen Sportstudio trainierte wie Thust und sein Freund Schmidtke zur damaligen Zeit: die Sportschule von Sandu Petrescu.

Die Comebackveranstaltung des Ebby Thust gab es dann Ende September 2003 in Stuttgart. Ebby trat dort nach mehrjähriger Pause wieder als Technischer Leiter in Erscheinung. 2003 war auch das Jahr, in welchem die einst berühmte „Hattersheimer Boxnacht“ aus der Taufe gehoben wurde. Thust veranstaltete diese bis 2013 als Matchmaker, sportlicher Direktor und Promotor mit seinem besten Freund Hako Sevecke sowie dem Hattersheimer Andre Erle. Die Erlöse dieser über die Landesgrenzen Hessens hinaus bekannten Boxveranstaltungen wurden allesamt einem guten Zweck zugeführt.
Seit Jahren ist Thust erster Vorsitzender des Berufungsausschusses im Bund Deutscher Berufsboxer und somit immer noch ein wichtiges Organ des ältesten deutschen Profiboxverbandes und ein stets gern gesehener und viel umworbener Gast auf deutschen Boxveranstaltungen.
Ende 2015 dann der Schock: Ebby Thust erlitt einen Schlaganfall und Hirnblutungen. Ist das nicht allen Übels genug, wurde eine Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis) festgestellt, die ihn für lange Zeit ans Krankenbett und Geräte fesselte. Nachdem vor zwei Monaten auch noch diagnostiziert wurde, dass zwei Herzklappen angegriffen seien, sah es nicht gut aus um „die Kultfigur des deutschen Boxsports“.
Nach einer schweren 8,5-stündigen Herz-Not-OP, in welcher ihm zwei künstliche Herzklappen eingesetzt wurden, meisterte Ebby zusammen mit der Unterstützung seiner wundervollen Frau Sonja und seinen Freunden diesen „Überlebenskampf“. Dass der BDB nun erstmals seit seiner Gründung im Jahre 1949 eine Generalversammlung, organisiert mit der Unterstützung vom BDB-Mitglied Dipl. Ing. Ulrich Bittner, im Ausland stattfinden lässt, ist ein absolutes Novum und eine Hommage an die Person Ebby Thust, weil dieser am 15. März 50 Jahre Mitglied im BDB sein wird. Als immer noch aktives Mitglied ist dies sicherlich einmalig.
„Ebby Thust ist in vielen Bereichen einmalig und einzigartig. In der langen Geschichte des BDB gab es niemanden, der den Verband über einen so langen Zeitraum so entscheidend geprägt und aktiv mitgestaltet hat. In den vergangenen 50 Jahren war Ebby unter anderem als Zeitnehmer, Sekundant, Technischer Leiter, Manager und Promoter beim BDB lizenziert. Mittlerweile ist er Vorsitzender des Berufungsausschusses und damit de facto der wichtigste Mann beim BDB. Deswegen war es für uns selbstverständlich, dass wir die BDB-Generalversammlung zu seinen Ehren zum ersten Mal in der Geschichte nicht in Deutschland, sondern in Ebbys zweiter Heimat, auf Mallorca, veranstalten. Besondere Menschen und besondere Anlässe verlangen eben auch besondere Maßnahmen. Wir sind sehr froh und stolz, dass Ebby nach 50 Jahren immer noch ein aktiver Teil der BDB-Familie ist und hoffen, dass das auch mindestens 50 weitere Jahre so bleibt!“, so der Präsident des BDB Thomas Pütz.
Pünktlich zur anstehenden Jahreshauptversammlung am 19. März auf Mallorca und der Ehrung, wird Thust von den Geräten befreit, die ihn über Monate hinweg wegen seiner Krankheit einschränkten.

















