Der deutsche Amateurboxer des Jahres 2013

Rayko Löwe geht Sylvester nicht in die Disco

Ein Bericht von Wolfgang Weggen

Fotos – by-Kader-Karakus

Seine Uniform trug Unteroffizier Rayko Löwe zuletzt bei der Weihnachtsfeier am 14. Dezember in der Sportförderungsgruppe der Bundeswehr, über die Festtage trägt er in Schwerin „Privatklamotten“ oder den Trainingsanzug. Deutschlands Amateurboxer des Jahres 2013 – er wurde von Box-Fans und Experten mit deutlicher Mehrheit vor Schwergewichtler Erik Pfeifer, Mittelgewichtler Stefan Härtel und dem Hamburger Artem Harutyunyan gewählt – genießt die Zeit um Weihnachten und den Jahreswechsel: „Ich muss Ruhe und Kraft tanken, meine Batterie ist nach diesem schweren, aber unglaublich erfolgreichen Jahr ziemlich leer“.

RaykoDabei steht der nächste Termin für den Weltergewichtler schon an: Am 11. Januar steigt die nächste WSB-Runde und gleichzeitig ein Bundesligakampftag. Löwe: „Ich hoffe, dass ich bis dahin wieder genug Kraft, Kondition und Freude am Kampf gespeichert habe“.

Der 21-Jährige, der seit der DM im September in Oldenburg 20 (!) Kämpfe bestritten hat, nutzte die freie Zeit mit seinem Mentor Peter Hanraths, um den Hamburger Sportjournalisten in der schönen Hafencity direkt an der Elbe ein Interview zu geben. Klar, dass der Schweriner schnell mal (zum Mitschreiben) aufzählte, welche großen Erfolge er denn 2013 eingefahren hat. Rayko: „Im Juni wurde ich in Minsk in Weißrussland Vize-Europameister. Im September verteidigte ich meinen Deutschen Meistertitel im Weltergewicht in Oldenburg erfolgreich, und im Oktober holte ich die Bronzemedaille bei den Weltmeisterschaften in Kasachstan“. Schützenhilfe von Peter Hanraths: „Rayko hat das Halbfinale in Almaty sehr umstritten gegen den neuen Weltmeister Eleusinov aus Kasachstan verloren, der ja ein Heimspiel hatte. In jedem anderen Land der Welt hätte der Sieger diess Kampfes Rayko Löwe geheißen. Und was besonders schwer wiegt, im Viertelfinale hat er den Waliser Olympiazweiten Freddie Evans aus dem Wettbewerb geworfen“.

Rückblick: Im Alter von 9 Jahren fing der kleine Löwe an mit der Boxerei. „Weil mir das gleich Spaß gemacht hat. Natürlich habe ich auch andere Sportarten probiert, aber beim Boxen hat es sofort gefunkt“. Mit 17 schaffte Rayko den Realschulabschluss und ging anschließend (Oktober 2010) zur Bundeswehr – in die Sportförderungsgruppe. Jetzt hat er 127 Kämpfe „auf dem Buckel“, 105 Mal verließ er den Ring als Sieger.

Seit August trainiert er bei Michael Timm, der ja selbst ein hervorragender Amateurboxer war (Weltergewichts-Europameister 1985 in Budapest) und der seine riesige Erfahrung als Profitrainer bei Universum als Stützpunkttrainer am Schweriner Leistungszentrum eingebracht hat. Macht ihm die Arbeit mit Timmi Spaß? „Rayko: „Klar, sehr, manchmal hat man sogar Angst vor ihm“. Rayko zögert einen Moment, verbessert sich: „Nee, ich meine, alle haben großen Respekt vor ihm“.

Hat der Amateurboxer des Jahres eigentlich Vorbilder? „Ja, sicher,“, kommt Raykos Antwort schnell wie seine gestochene linke Führhand: „Gleich mehrere sogar, das sind Tiger Dariusz Michalczewski, Michael Löwe und Roy Jones“. Graciano Rocchigiani war allerdings nicht dabei. Doch gerade der hält große Stücke auf Rayko, wie er in einem Interview verriet: „Er boxt heute schon im Profistil und hat viel Potential“.

Was steht 2014 an großen Ereignissen an? Rayko: „Wahrscheinlich geht es viel ruhiger ab. Da sind die DM, die Bundesliga und die WSB, aber keine weiteren großen internationalen Meisterschaften“.

Über welches Weihnachtsgeschenk hat er sich denn am meisten gefreut? „Ganz klar, das war die Uhr. Toll“!

Und wie wird Sylvester gefeiert, in der Disco? Rayko: „Ach was, ich bin Zuhause, feiere mit meiner Familie, ganz ruhig“!

Der deutsche Amateurboxer des Jahres 2013
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