DAZN-Debüt in Mexiko geglückt – Kevin Boakye siegt in Runde 4

Kevin Boakye stoppt Mario Abad Vera vorzeitig in Naucalpan, Mexiko.

Der Hamburger gewinnt seinen kurzfristigen Kampf vorzeitig in Mexiko und unterstreicht damit seine internationalen Ambitionen.

Am vergangenen Samstag fand eine größere Boxveranstaltung in Naucalpan, Mexiko, statt. Miura Boxing lud zum Kampfabend ein, und im Mittelpunkt stand auch eine deutsche Personalie: Kevin Boakye (4-0). Der Hamburger blickte auf eine großartige Amateurkarriere zurück und konnte insbesondere im World Cup mehrfach glänzen. Nachdem er seine ersten beiden Profikämpfe im vergangenen Jahr in Deutschland absolviert hatte, schloss er sich in diesem Jahr dem US-amerikanischen Manager Ryan Rickey an.

Ursprünglich war angedacht, dass Boakye in der vergangenen Woche in Pakistan hätte kämpfen sollen, doch der Kontrahent sprang kurzfristig ab. Daraufhin suchte man zügig eine alternative Veranstaltung und wurde schließlich bei Miura Boxing in Mexiko fündig. Zusätzliche Motivation für den Kampf bot die Tatsache, dass der Streamingdienst DAZN das Event weltweit übertrug und sich Boakye somit einem internationalen Publikum präsentieren konnte.

Zäher mexikanischer Kontrahent wird in Runde 4 gestoppt

Kevin Boakye stoppt Mario Abad Vera.

Boakye sollte es am Samstag mit dem ungeschlagenen Mario Abad Vera Lopez (5-1) im Catchweight bis 81 Kilogramm zu tun bekommen. Vera hatte zwar jeden Kampf zuvor vorzeitig gewonnen, doch sein Kampfrekord erschien völlig leer, und er selbst war mit 19 Jahren noch ziemlich unerfahren. Von daher musste man Boakye aufgrund seiner starken Amateurvita deutlich favorisieren. Dennoch versteckte sich Vera nicht und versuchte aktiv mitzuboxen.

Der Kampf war auf acht Runden angesetzt und Boakye schaute sich seinen Gegner zunächst in Ruhe an, etablierte seine Führhand. Schnell kristallisierte sich heraus, dass die Körpertreffer ein entscheidender Weg zum Erfolg sein würden. Vera ließ sich davon jedoch zunächst nicht beeindrucken, stellte Boakye gelegentlich selbst an die Seile und versuchte abzudrücken.

„Der Mexikaner war zäher, als ich es selbst gedacht hätte. In den ersten Runden habe ich schon einige Kracher reingehauen, und er hat die alle gut weggesteckt“, so Boakye gegenüber Boxen1.

Ab der dritten Runde wurde es jedoch zunehmend schwieriger für den tapferen Vera, im Kampf zu bleiben. Boakye punktete mit sehenswerten Uppercuts und harten Körpertreffern, die man vermutlich durch die ganze Halle hören konnte. In der vierten Runde war das Duell dann beendet: Boakye platzierte mehrere harte Seitwärtshaken zum Körper, wodurch Vera zu Boden musste. Er stand zwar noch einmal auf, doch Boakye ließ einen starken Uppercut folgen, woraufhin der Ringrichter den Kampf vorzeitig stoppte.

„Dass er dann in der vierten Runde zum Körper runtergegangen ist, hat mich insofern überrascht, als ich das nicht erwartet hätte, weil er ein sehr gutes Pokerface hatte.“

Die konsequente Arbeit zum Körper trug letztlich die entscheidenden Früchte:

„Wir haben von Runde 1 an immer wieder versucht, auf den Körper zu gehen, damit der Körper in Runde 3–4–5 langsam abbaut. Damit er müde wird, die Luft ausgeht und er hinten heraus dann einbricht.“

Freude bei Boakye – Tränen bei Vera

Am Ende hat Boakye seine Aufgabe souverän gelöst, einen tapferen Kontrahenten dominiert und vorzeitig gestoppt. Die Freude war beim Hamburger entsprechend groß, während beim jungen Mexikaner die Tränen über die erste Profiniederlage flossen. Boakye erkannte die betrübliche Situation, hob wenig später den Arm des Mexikaners und versuchte, ihn aufzubauen – das Publikum applaudierte.

„Er hatte ein totales Kämpferherz, das hat man danach auch an seiner Reaktion gesehen, wo er geweint hat. Es ist halt schwer, ich kann es nachvollziehen. Wir lieben den Sport, opfern viel dafür. Ich zum Beispiel trainiere bis zu 13 Mal in der Woche. Wenn man dann eine Niederlage kassiert, ist das herzzerreißend.“

Dennoch ist ein Boxring nicht der Ort für Nachsicht:

„Es geht immer um die Frage: du oder ich? Lieber haue ich einen Schlag mehr rein, um nicht selbst zu verlieren.“

Insgesamt sieht sich Boakye durch den Kampf auf einem guten Weg. Besonders im Defensivverhalten habe er mit seinem Trainer intensiv gearbeitet – und das war sichtbar.

„Mein Trainer Jessy Ross Thompson und ich haben sieben Wochen auf einen Stil hingearbeitet. Das war der Stil mit dem schönen, taktischen, sauberen Druck nach vorne. Vorher war ich sehr spielerisch, die Arme teilweise hängend – wie bei den Amateuren.“

Doch auch die Offensivarbeit zeigte Wirkung:

„Mein Trainer ist mit mir noch lange im Gym geblieben, nachdem schon alle draußen waren, nur damit wir eine Kombination eine halbe Stunde lang üben. Permanent – obwohl ich dachte: ‚Das reicht jetzt, ich habe keinen Bock mehr.‘ Und dann freut man sich umso mehr, wenn man die Früchte sieht. Gerade der rechte Seitwärtshaken zum Körper, den haben wir viel geübt. Das ist auch die Hand gewesen, durch die er runtergegangen ist“, so ein zufriedener Boakye.

Nach dem Sieg setzte sich Boakye auch zügig in den Flieger und kam am Montag in Hamburg an. Als Siegesmahlzeit wurde ihm von seiner Mutter Fufu zubereitet. Ein Erfolg, der somit auf verschiedenen Ebenen geschmeckt haben dürfte.

Julio Luna Avila siegt im Hauptkampf

Julio Luna Avila bezwingt Dante Jardon im Hauptkampf.

Im Hauptkampf sicherte sich Julio Luna Avila (25-1-2) einen knappen Punktsieg im Superweltergewicht über den erfahrenen Dante Jordan (36-12). Das einstimmige Urteil lautete 2× 95-93 und 96-91 zugunsten Lunas.

Im Co-Mainevent setzte sich das Leichtgewicht Ariel Gonzalez Vazquez (7-2-4) vorzeitig in der vierten Runde durch TKO gegen Adrian Nicolas Ramirez (9-2) durch. Ramirez versuchte viel Druck auszuüben, lief jedoch in einen vernichtenden Haken, der das Ende einleitete.

Das japanische Superfliegengewicht Ayumu Hanada (12-3-1) verlor überraschend nach Punkten gegen Miguel Texcucano (7-7-2). Hanada agierte viel im Rückwärtsgang und wirkte technisch überlegen, verlor jedoch durch geteilten Punktentscheid – ein Urteil, das durchaus diskutabel erschien.

Im Halbschwergewicht hatte der hart schlagende Elliot Taylor (3-0) keinerlei Probleme und stoppte Ismael Tadeo Salgado (3-3) bereits in der ersten Runde. Salgado ließ sich lieber direkt auszählen.

Die gesamte Veranstaltung ist auf DAZN im Re-Live abrufbar.

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