Das Manny Pacquiao-Comeback am Samstag in Las Vegas!

Gibt am Samstag sein Comeback: Manny Pacquiao gegen WBC-Weltmeister Mario Barrios.

Die Legende kehrt am Samstag mit 46 Jahren zurück und boxt um die WBC-WM. Die Undercard verspricht ein echtes Highlight.

Der Kampfsport bietet am Samstag einiges: Neben dem Undisputed-Kracher im Schwergewicht und UFC 318 steht auch das große Comeback von Manny Pacquiao (62–8–2) bevor. Die Legende bestreitet nach fast vier Jahren wieder einen Profikampf – und erhält dabei direkt die Chance, im Weltergewicht um den WBC-Weltmeistertitel gegen Titelträger Mario Barrios (29–2–1) zu kämpfen. Ein auf dem Papier durchaus schlagbarer Gegner, allerdings auch deutlich jünger und größer. Kann Pacquiao im MGM Grand in Las Vegas die Zeit zurückdrehen und noch einmal einen großen Sieg auf Weltklasseniveau erringen – oder wird es ein bitterer Abend für ihn?

Rückkehr zum einstigen Erfolgscoach Freddie Roach

Manny Pacquiao und Freddie Roach / Foto: Wilcard Gym

Um die Mission „erneute Weltmeisterschaft mit 46 Jahren“ meistern zu können, hat sich Pacquiao wieder mit Hall-of-Fame-Trainer Freddie Roach zusammengeschlossen. Die beiden bildeten über viele Jahre ein unverwechselbares Duo, das von Titel zu Titel eilte. Die Reunion dürfte bei vielen Boxfans nostalgische Gefühle wecken – zugleich bleibt ein mulmiges Gefühl in der Magengrube.

Pacquiao wird im Dezember 47 Jahre alt, hat seit fast vier Jahren keinen Pro-Kampf bestritten – und wirkte auch bei seinem letzten Kampf nicht mehr überzeugend. Die Niederlage gegen Yordenis Ugas war eindeutig; ein Rückzug nach 26 Jahren und 498 Profirunden erschien damals absolut nachvollziehbar – und wünschenswert. Nun also die Rolle rückwärts, was im Boxsport nur selten eine weise Entscheidung ist.

Die Vorzeichen stehen denkbar ungünstig – aber eines ist ebenso klar: Wenn es jemand mit 46 Jahren noch schaffen kann, Weltmeister im Weltergewicht zu werden, dann ist es Manny Pacquiao.

Direkte Titelchance bei der WBC ist fragwürdig

Auch wenn die Begeisterung vieler Boxfans über die erneute Titelchance für Manny Pacquiao groß ist, muss man die Ansetzung äußerst kritisch betrachten. Pacquiao war seit August 2021 nicht mehr im Profiboxen aktiv und hat seit Juli 2019 keinen Kampf mehr gewonnen. Entsprechend fehlt ihm jegliche sportliche Legitimation, um den WBC-Weltmeister direkt herausfordern zu dürfen. Für einen WM-Kampf ist in der Regel eine Platzierung in den Top 15 des WBC-Rankings erforderlich – eine Position, die sich Pacquiao in den letzten Jahren keinesfalls erarbeitet hat.

Zwar taucht Pacquiao nicht in der aktuellen Rangliste auf, dennoch kann er als ehemaliger WBC-Boxer der Dekade auf seinen „Champion Emeritus“-Status zurückgreifen. Dieser erlaubt es der WBC, ihn auch ohne aktuelle Platzierung für einen Titelkampf zuzulassen. Grundsätzlich lässt sich ein Sonderstatus aufgrund seiner beispiellosen Erfolge sportlich nachvollziehen – fairer und seriöser wäre es jedoch, wenn sich alle Athleten gleichermaßen über aktuelle Leistungen im Ranking für eine Titelchance qualifizieren müssten. Zumindest ein Sieg im Vorfeld des Comebacks wäre aus sportlicher Sicht das Mindeste gewesen – doch auch dieser blieb aus.

Barrios ist jünger und besitzt deutliche physische Vorteile

Auf der Gegenseite steht der amtierende Titelträger Mario Barrios, der 16 Jahre jünger ist und 17 Zentimeter Größenvorteil mitbringt. Zwar gilt Barrios gewichtsübergreifend als ein schlagbarer Weltmeister, doch für einen wesentlich kleineren, älteren Gegner ohne Ringpraxis wird dieses Duell ein absolutes Himmelfahrtskommando. In seinem letzten Kampf im November tat sich Barrios bei der Titelverteidigung gegen Abel Ramos (28–6–3) schwer und musste sich mit einem Unentschieden begnügen. Das war wenig überzeugend – doch im bevorstehenden Kampf sind die Vorzeichen völlig andere.

Wie sehr physische Vorteile ins Gewicht fallen können, zeigte sich bereits vor einem Jahr in Japan bei RIZIN, als Pacquiao in einem Showkampf gegen den Kickboxer Rukiya Anpo antrat. Anpo war zuvor durch ein virales Sparring mit UFC-Fighter Sean Strickland bekannt geworden. Im Kampf gegen Pacquiao dominierte der deutlich größere Japaner zeitweise nach Belieben und ließ den Philippiner im wahrsten Sinne des Wortes alt aussehen.

Man kann daher nur hoffen, dass sich die Legende gegen Barrios deutlich besser präsentiert. Doch eines scheint klar: Ein Sieg Pacquiaos unter diesen Umständen wäre eine kleine Sensation.

Bombastische Undercard in Las Vegas mit Fundora vs. Tszyu II

Fightposter: Manny Pacquiao vs. Mario Barrios.

Ein echtes Highlight verspricht indes die Undercard in Las Vegas zu werden. Zahlreiche hochkarätige Kämpfe stehen auf dem Programm und zeigen – im Vergleich zum eher dürftigen Event in Wembley – exemplarisch, wie eine adäquate PPV-Fightcard aussehen sollte.

Sebastian Fundora (22–1–1) #8 vs. Tim Tszyu (25–2) #10, Superweltergewicht:
Hierbei handelt es sich um ein Rematch, in dem Fundora seinen WBC-Titel verteidigt. Bereits im März des vergangenen Jahres standen sich beide Boxer gegenüber. In einer regelrechten Blutschlacht behielt Fundora nach Punkten die Oberhand. Kurz darauf verlor Tszyu zudem gegen Bakhram Murtazaliev, den Bezwinger von Jack Culcay – ein Rückschlag, der seinen Status in der Gewichtsklasse erheblich schwächte.

Nun startet Tszyu den nächsten Versuch, sich in die Weltspitze zurückzukämpfen – unter besseren Bedingungen, wie er hofft. Im ersten Duell erlitt er früh einen schweren Cut, der seine Sicht massiv beeinträchtigte. Viele forderten damals einen Abbruch. Ob er im Rematch gegen den 1,97 Meter großen Fundora tatsächlich besser abschneidet, bleibt abzuwarten. Die Buchmacher sehen ihn überraschend als Favoriten. Doch Fundora ist nicht nur lang, sondern auch brandgefährlich. Stilistisch verspricht der Kampf erneut viel Action.

Isaac Cruz (27–3–1) #29 vs. Angel Fierro (28–3–2) #87, Superleichtgewicht:
Auch dieser Kampf ist ein Rematch. Bereits im Februar trafen Cruz und Fierro aufeinander – mit einem knappen, aber einstimmigen Punktsieg für Cruz. Obwohl Cruz als Favorit galt, hatte er mehr Mühe als erwartet. Der Fight war intensiv und zählt zu den bisher besten Kämpfen des Jahres 2025. Das direkte Rückmatch ist daher logisch – es verspricht erneut Spannung und Spektakel. Kann Cruz diesmal souveräner gewinnen, oder gelingt Fierro im zweiten Anlauf das Upset?

Brandon Figueroa (25–2–1) #5 vs. Joet Gonzalez (27–4) #31, Federgewicht:
Auch der Opener der Maincard im Federgewicht verspricht einiges. Figueroa, einst im Superbantamgewicht als Weltklasse-Actionfighter gefeiert, tut sich seit dem Aufstieg ins Federgewicht schwer. Im Rückkampf gegen Stephen Fulton enttäuschte er und verlor klar.

Nun sucht Figueroa Wiedergutmachung gegen den grundsoliden Gonzalez – einen Mann, der dreimal um die Weltmeisterschaft kämpfte, aber jeweils nach Punkten unterlag. Ein Sieg über den renommierten Figueroa würde Gonzalez wieder ein großes Stück näher an einen weiteren WM-Kampf bringen – und ist alles andere als ausgeschlossen.

Die kostenlosen Prelims sind ebenfalls vielversprechend

Die kostenlosen Prelims zum Event.

Neben den vier Hauptkämpfen im PPV gibt es auch drei kostenlose Vorkämpfe, die ebenfalls vielversprechend erscheinen.

Gary Allen Russell Jr. (31–2) vs. Hugo Castaneda (15–2–1) #222, Superfedergewicht:
Der ehemalige WBC-Weltmeister Gary Russell Jr. kehrt nach dreieinhalb Jahren Pause in den Ring zurück und bestreitet sein Comeback gegen den Mexikaner Hugo Castaneda. Castaneda war einst WBO-Juniorenweltmeister, verlor jedoch seinen letzten Kampf im April vorzeitig. Insgesamt eine lösbare Aufgabe für Russell Jr. – dennoch bleibt nach so langer Abstinenz eine gewisse Ungewissheit.

David Picasso (31–0–1) #5 vs. Kyonosuke Kameda (15–4–2) #30, Superbantamgewicht:
Die Nummer 1 im WBC-Ranking, der ungeschlagene Mexikaner David Picasso, bekommt hier ebenfalls einen Platz auf der Bühne. Bisher absolvierte er fast seine gesamte Karriere in Mexiko, nun darf er sich auf einem größeren Event präsentieren. Er trifft auf den physisch starken Kyonosuke Kameda, der wiederum sein US-Debüt gibt. Picasso gilt als Favorit, doch das Aufeinandertreffen verspricht ein rassiges, unterhaltsames Duell zu werden.

Mark Magsayo (27–2) vs. Jorge Mata (21–2–2) #52, Superfedergewicht:
Auch der philippinische Ex-Weltmeister Mark Magsayo kehrt nach 1,5 Jahren Pause zurück. Zuletzt glänzte er bei einer kleineren Veranstaltung mit einem brachialen Knockout und demonstrierte eindrucksvoll seine Schlagkraft. Nun wartet ein bedeutender Gegner: der bislang ausschließlich in Mexiko aktive Jorge Mata, die Nummer 9 der WBO, der hier sein US-Debüt gibt. Magsayo ist derzeit auf Platz 3 der WBO gerankt – der Sieger dieser Begegnung könnte sich in direkte Nähe zu einem Weltmeisterschaftskampf bringen.

PPV-Offerte noch nicht im DACH-Raum verfügbar

In den USA wird das große Event exklusiv über Amazon Prime Video im Pay-per-View für 80 US-Dollar ausgestrahlt. Die Maincard beginnt um 2 Uhr (MESZ) Für den DACH-Raum ist Amazon jedoch nicht zuständig – dort fehlt bislang eine bestätigte Übertragungsmöglichkeit.

Ein möglicher Anbieter ist TrillerTV, der in der Vergangenheit regelmäßig PBC-PPVs angeboten hat. Doch auch am Donnerstagnachmittag war das Event dort noch nicht gelistet.

Die kostenlosen Prelims sind hingegen bereits ab 23:30 Uhr (MESZ) auf YouTube frei verfügbar.

5/5 - (3 votes)

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein