Dana White steigt in das Boxen ein: Gestriger Zuffa Boxing-Start

Callum Walsh gewinnt das erste Zuffa Boxing-Mainevent gegen Carlos Ocampo. (Photo by Ed Mulholland/Zuffa Boxing)

Der Startschuss von Zuffa Boxing weist Stärken und Schwächen auf, bleibt insgesamt aber vielversprechend.

Einige Kampfsportfreunde stellten sich gewiss schon länger die Frage, ob ein Erfolgsmodell wie die UFC auch auf das Boxen übertragbar ist. UFC-Boss Dana White und Turki Al-Sheikh realisieren nun ein solches Vorhaben und gründeten eine eigene Box-Liga: Zuffa Boxing. Kritiker betrachten das Projekt skeptisch und sehen unter anderem die Gefahr einer Aushöhlung des Muhammad Ali Boxing Reform Act, der unter anderem dazu dient, Monopolstellungen zu verhindern.

Am Freitag fand im Apex in Las Vegas die Premierenveranstaltung statt. Insgesamt wurden acht Kämpfe geboten, davon drei auf der Maincard. Das Apex ist die hauseigene Produktionsstätte der UFC und verfügt nur über ein stark limitiertes Zuschauerkontingent, was deutlich spürbar war. Auf den Prelims waren praktisch keine Zuschauer anwesend, zu den Hauptkämpfen besserte sich die Situation zwar etwas, insgesamt blieb die Atmosphäre jedoch deutlich ausbaufähig. Hier ist man von anderen Boxveranstaltungen Besseres gewohnt.

Die Produktion an sich war jedoch insgesamt sehr stimmig, insbesondere die Geschwindigkeit der Veranstaltung. Kein endloses Gerede zwischen den Kämpfen von vermeintlichen Experten – stattdessen jagte ein Kampf den nächsten. Das erinnerte stark an die UFC und bereitete Boxfans Freude, die vor allem das sportliche Geschehen sehen wollten.

Mäßiger Hauptkampf bei der Premierenveranstaltung – Julian Rodriguez überzeugt

JANUARY 23: Julian Rodriguez punches Cain Sandoval in a welterweight fight during the Zuffa Boxing event at Meta APEX on January 23, 2026 in Las Vegas, Nevada. (Photo by Ed Mulholland/Zuffa Boxing)

Neben der Produktion war natürlich auch das Matchmaking von Bedeutung. Eine Boxveranstaltung ist nur so gut wie die Kämpfe, die dort präsentiert werden. Leider muss man in diesem Zusammenhang feststellen, dass das Mainevent nicht wirklich überzeugte. Dort traf der irische Shootingstar Callum Walsh (16-0) im Mittelgewicht auf den mexikanischen Ex-WM-Contender Carlos Ocampo (38-4).

Walsh war der schnellere Mann und schlug sehenswerte Kombinationen, konnte Ocampo damit jedoch nicht entscheidend beeindrucken. So entwickelte sich ein durchwachsener Kampf über die volle Distanz von zehn Runden, den Walsh zwar dominierte, ohne jedoch nachhaltig zu glänzen. In Runde sechs wurde zudem fälschlicherweise ein Knockdown gegen den Iren angezählt, was eine klare Fehlentscheidung war. Am Ende gewann Walsh komfortabel mit zweimal 98-90 und 97-91.

Auch das Co-Mainevent war nur bedingt vielversprechend. Dort setzte sich der Olympia-Bronzemedaillengewinner Misael Rodriguez Olivas (16-0) im Mittelgewicht nach Aufgabe seines Gegners Austin Deanda (17-1) nach der vierten Runde durch. Rodriguez war der klar bestimmende Mann und siegte folgerichtig deutlich.

Bedeutend attraktiver verlief hingegen der Opener der Maincard zwischen Julian Rodriguez (25-1) und Cain Sandoval (17-1) im Weltergewicht. Zwar war Rodriguez auch in diesem Kampf der klar überlegene Boxer, Sandoval steckte jedoch zahlreiche harte Treffer ein und marschierte unermüdlich nach vorne. Dadurch entwickelte sich ein intensiver und unterhaltsamer Schlagabtausch mit vielen sehenswerten Szenen, den Rodriguez am Ende verdient und deutlich nach Punkten mit zweimal 99-91 und 98-92 gewann.

Prelims waren überraschend sehenswert

JANUARY 23: Omar Trinidad punches Max Ornelas in a featherweight fight during the Zuffa Boxing event at Meta APEX on January 23, 2026 in Las Vegas, Nevada. (Photo by Ed Mulholland/Zuffa Boxing)

Ein Blick auf die Wettquoten zeigte bei den Prelims, dass die meisten Kämpfe auf dem Papier ziemlich einseitig erschienen. Überraschenderweise waren sie jedoch sehr ausgeglichen und sehenswert.

So tat sich im Federgewicht Omar Cande Trinidad (20-0-2) äußerst schwer mit Max Ornelas (17-3-1), bis sich dieser in der achten Runde die Schulter ausrenkte und daraufhin in der zehnten Runde vom Referee aus dem Kampf genommen wurde. Der bewegliche Ornelas punktete bis dahin mit geschicktem, technischem Boxen.

Auch das Bantamgewichtsduell zwischen Floyd Diaz (14-0) und Guillermo Gutierrez (13-3) verlief überraschend ausgeglichen. Zwar wies Diaz leichte Vorteile auf, beide Männer erschienen jedoch ebenbürtig. Am Ende erhielt Diaz den einstimmigen Punktsieg zugesprochen.

Ähnlich verliefen auch die beiden Kämpfe zwischen Emiliano Cardenas (10-0) gegen Marcus Cortez Harris (7-2) im Bantamgewicht sowie Troy Nash (6-0-1) gegen Jaycob Ramos (4-1) im Federgewicht. Die Kämpfe waren sehr ausgeglichen, am Ende erhielten Cardenas und Nash die einstimmigen Punktsiege nach sechs Runden.

Einzig Robert Meriwether III (10-0) zeigte im Superfedergewicht einen dominanteren Auftritt gegen Cesar Correa (5-1). Meriwether bestimmte den Kampf klar, während Correa sich als äußerst zäh präsentierte und über die Runden kam. Folglich erhielt Meriwether ebenfalls den einstimmigen Punktsieg.

Solider Auftakt – am 1. Februar erfolgt die zweite Veranstaltung

Insgesamt kann man von einem soliden Auftakt sprechen, den Zuffa Boxing präsentierte. Die Kämpfe waren allesamt solide bis gut, wenngleich die ganz großen Spektakel fehlten, was man bei der aufgebotenen Card jedoch auch nicht zwingend erwarten konnte.

Dennoch bleibt Zuffa Boxing ein spannender neuer Akteur im Boxsport, der auch weiterhin aktiv bleibt. Am Sonntag, den 1. Februar, folgt die zweite Veranstaltung von Zuffa Boxing in Las Vegas. Die Maincard wird deutlich besser besetzt sein und echte Knaller bereithalten, wodurch sie wesentlich vielversprechender erscheint.

Sämtliche Zuffa-Boxing-Events werden in diesem Jahr in Deutschland live auf BILD+ übertragen. Ein Replay der vergangenen Veranstaltung ist ebenfalls verfügbar.

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