Corona stoppt das USA-Debüt von Victor Faust

Foto: Torsten Helmke

Boxen1 interviewt den Doppel-Europameister der Amateure, Victor Faust, der nun für „EC Boxing“ als Profi in den Ring steigt.

Boxen1: Wie geht es Dir Victor?

Victor Faust: Zuerst einmal wünsche ich allen Betroffenen des Coronavirus gute Besserung und ich möchte den Angehörigen und Hinterbliebenen der vielen Toten weltweit, mein tief empfundenes Mitgefühl aussprechen.

Ich bin zur Zeit bei meiner Familie in der Ukraine und uns geht es den Umständen entsprechen gut. Ich halte mich hier im Rahmen meiner Möglichkeiten, durch tägliches Training, fit.

Ich habe hier auch einen Deutsch-Lehrer, weil ich schnellstmöglich die deutsche Sprache lernen möchte. Es klappt auch schon ganz gut und ich kann mich schon über das Boxen1-Internetportal online, über das neueste weltweite Boxgeschehen informieren (lacht).

Hier unterschreibt Victor Faust seinen Vertrag bei EC Boxing. Links Peter Hanraths und rechts Erol Ceylan.

Boxen1: Hast Du es nicht bereut Profi zu werden?

Victor Faust: Nein im Gegenteil, mein Wunsch war es ohnehin, nach Olympia Profi zu werden. Als ich dann im Dezember letzten Jahres, das Angebot von EC Boxing – von Erol Ceylan und Peter Hanraths – bekam Profi zu werden, habe ich nur einige Tage, mit meiner Familie und meinem ukrainischen Freund und Manager Andriy Kotelnik überlegt und dann relativ schnell zugesagt. Mein Manager Andriy Kotelnik hat vor ca. 12 Jahren übrigens auch selbst für den früheren Universum Boxstall, unter dem Management von Peter Hanraths geboxt, der ihn dann  bis zum Weltmeister-Titel führte.

Vitor Faust gewinnt seinen ersten Profikampf, durch KO in Runde 1 – Foto: Torsten Helmke

Die Endscheidung ist mir aber teils doch schon schwer gefallen, da es eigentlich mein Traum war für mein Land, die Ukraine, erst noch nach Tokio zu den Olympischen Spielen zu gehen und hier eine Medaille für mein Land zu gewinnen. Mein Plan stand eigentlich schon fest, dass ich so oder so, nach der nächster Olympiade ins Profigeschäft wechseln wollte. Denn es gab in der Vergangenheit und es gibt auch gegenwärtig, viele bekannte ukrainische Boxer, die zu den Profis gingen und dort ganz große Erfolge feierten, wie zum Beispiel Vitali und Wladimir Klitschko, Vasyl Lomachenko, Oleksandr Usyk, Sergiy Derevyanchenko, Oleksandr Gvozdyk oder auch Serhii Bohachuk und einige andere mehr. Da ich aber in zwei Monaten nun schon 28 Jahre alt werde, habe ich mich dann doch recht schnell entschieden, künftig als Profi für den Boxstall von Erol Ceylan in den Ring zu steigen.

Das Ende kam schon in der esrten Runde: KO-Sieg von Victor Faust. Foto: Torsten Helmke

Erol Ceylan hat die besten Beziehungen in der weltweiten Boxsport-Szene. Ausschlaggebend für meine Zusage, Profi zu werden, war aber auch auch die Tatsache, dass Peter Hanraths, der die Klitschko Brüder entdeckt und gemanagt hat, sowie auch meinen Manager Andre Kotelnik, zum Weltmeister gemacht hat, meinen Weg als Profi, als Berater, begleiten wird.

Boxen1: Was sagst Du dazu das die Olympischen Spiele in Tokio abgesagt wurden?

Victor Faust: Das tut mir natürlich für alle Sportler leid, die sich seit 4 Jahren auf dieses Ziel vorbereitet haben. Insbesondere aber meinen Sportfreunden aus der ukrainischen Box-Nationalmannschaft, die durch ihre Olympiateilnahme und den möglichen Gewinn einer Medaille, ihren Marktwert zu steigern wollten um sich bei den Profis zu empfehlen. Diese  Jungs haben nun fast ein Jahr ihrer Karriere verloren und die Ungewissheit, in dieser jetzt schweren Zeit, einen großen Promoter zu finden.

Ich dagegen bin, soweit es meine Entscheidung betrifft, gleich ins Profigeschäft einzusteigen, jetzt umso glücklicher und froh, meine Endscheidung, vorzeitig Profi zu werden, getroffen haben.

Boxen1: Wie hast Du Dich in Hamburg eingelebt?

Victor Faust: Hamburg ist eine der schönsten Städte die ich kenne, meine Kollegen aus dem EC Box-Team, haben es mir leicht gemacht und mich ganz toll aufgenommen, als gehörte ich schon ewig dazu.

Ganz besonders bedanken möchte ich mich bei Andreas Schmer und seiner Frau, die auch aus der Ukraine stammen, die mir die Stadt zeigen und bei allen täglichen Erledigungen behilflich sind.

Zudem habe ich mit Andreas Hohn einen ganz tollen Deutschlehrer, bei dem ich von Tag zu Tag besser deutsch lerne und mit Bülent einen guten Trainer und in meinem Rücken ein absolut professionelles Team, die mir alle das Leben in Hamburg angenehm machen.

Foto: Torsten Helmke

Boxen1: Wie soll es weitergehen mit Ihrer Kariere?

Victor Faust: In naher Zukunft kommt meine Familie auch bald nach Hamburg, darauf freue ich mich am meisten.

Meinen ersten Profikampf habe ich durch KO in der 1. Runde gewonnen.

Bedingt durch dem Coronavirus wurden danach gleich zwei weiter Kämpfe im März abgesagt.

Da mein Promoter Erol Ceylan sehr gute Beziehungen in den USA hat und mit einem der grössten Promoter weltweit, Al Haymon, einen engen Kontakt pflegt, bekomme ich wahrscheinlich die Möglichkeit, im Rahmen, der Trilogie Wilder vs Fury, mein USA Debüt zu geben, sowie künftig auch weitere Kämpfe dort in den USA zu bestreiten. Natürlich müssen wir aber jetzt erst einmal abwarten und hoffen, dass diese weltweite Corona-Krise bald vorbei ist und mein Traum in den USA zu boxen doch noch bald Wirklichkeit werden wird.

Al Haymon hat auch schon mit Showtime und FOX Sports gesprochen, die auch Interesse bekundet haben meine künftigen Kämpfe in der USA zu übertragen.

Boxen1: Viele Experten vergleichen Dich, auch wegen Deiner bisherigen sportlichen Erfolgen, mit den Klitschko Brüdern. Was sagst Du dazu ?

Victor Faust: Vitali und Wladimir sind meine sportlichen Vorbilder und nicht nur in der Ukraine zu Legenden geworden.

Es ehrt mich, dass mein Name mit dem ihren in Verbindung gebracht wird. Aber ich möchte meinen eigenen Weg gehen und auf meine Art ebenfalls erfolgreich werden.

Auch in der Corona-Zeit immer im Training: Victor Faust.

Boxen1: Was ist Dein Ziel?

Victor Faust: Stufe für Stufe die Treppe nach oben zu steigen, sonst kann man schneller wieder hinunter fallen. Ich vertraue meinem Promoter das er mit mir den richtigen Weg geht und wir gemeinsam dann auch Erfolge feiern können.

Mein Ziel ist es in 2-3 Jahren Weltmeister im Schwergewicht zu werden und den Leuten die an mich geglaubt haben, durch meine Leistung etwas zurück zu zahlen.

Corona stoppt das USA-Debüt von Victor Faust
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