Claudio Vizzini gewinnt krachend das erste deutsche Profiboxturnier

Gewann das erste deutsche Profiboxturnier bei der German Boxing Series: Claudio Mirko Vizzini

Ein unverhoffter Ersatzkandidat springt im ersten deutschen Profiboxturnier ein und siegt krachend in Köln – zur Belohnung winkt das doppelte Preisgeld.

Die German Boxing Series veranstaltete am vergangenen Samstag ein Event in der Straßenkicker BASE von Lukas Podolski in Köln. Neben zahlreichen regulären Boxkämpfen war das besondere Highlight beim GBS Fightclub die Einführung eines eigenständigen Boxturniers. Erstmals gab es unter Aufsicht des BDB die Möglichkeit, zwei sanktionierte Profiboxkämpfe an einem Abend zu bestreiten – dabei kam es zu einer spektakulären Wendung.

Antonio Fechner bricht sich die Hand beim Halbfinalsieg

Antonio Fechner scheidet trotz eines Sieges aus.

Das Vier-Mann-Turnier fand im Superweltergewicht statt und bot im Halbfinale folgende Paarungen: Nico Schoof (2-2) traf auf den Profidebütanten Patrick Jäger (0-1), der umfangreiche Amateurerfahrung in Spanien gesammelt hat. Das war auch im Kampf zu erkennen, da sich Jäger von Beginn an tänzelnd durch den Ring bewegte und so den aggressiven Schoof auf Distanz hielt. Das funktionierte zunächst gut, doch mit zunehmender Kampfdauer fand Schoof immer besser die richtige Distanz und brachte vermehrt harte Powerpunches ins Ziel. Es entwickelte sich ein knapper und sehenswerter Kampf über die volle Distanz von vier Runden, den Schoof letztlich knapp durch eine geteilte Punktentscheidung für sich entschied.

Im zweiten Halbfinale traf Antonio Fechner (8-3) auf Göktug Karakan (4-3-1). Karakan war als Ersatzkämpfer kurzfristig in der Kampfwoche ins Turnier gerückt. Er versuchte, Fechner konstant unter Druck zu setzen und drängte ihn mehrfach an die Seile. Fechner überzeugte jedoch mit einer stabilen Defensive und gezielten Kontern. Karakan fehlte es in seinen Angriffen an Explosivität, sodass ein optisch ausgeglichener Kampf letztlich durch die präziseren Treffer von Fechner entschieden wurde. Zwei Punktrichter sahen Fechner vorne, während ein dritter das Duell unentschieden wertete.

Claudio Vizzini springt ein und sichert sich den Turniersieg

Nico Schoof verliert das Finale gegen Claudio Vizzini.

Im Finale hätten eigentlich Fechner und Schoof aufeinandertreffen sollen. Doch mehrere Kämpfe an einem Abend bergen Risiken: Fechner brach sich im Halbfinale die Hand und konnte nicht mehr antreten. Für diesen Fall hatte die German Boxing Series vorgesorgt. Im regulären Programm stand ein weiterer Superweltergewichtskampf zwischen Claudio Mirko Vizzini (6-5) und Richard Walter (15-45-2), den Vizzini souverän über sechs Runden nach Punkten gewann.

Durch den Ausfall von Fechner rückte Vizzini, der von „Coach Anil“ betreut wird, kurzfristig ins Finale nach. Dabei hatte er die deutlich ungünstigeren Voraussetzungen: Er absolvierte bereits sechs Runden, während sein Gegner zuvor nur vier Runden im Einsatz war. Zudem lag zwischen seinen Kämpfen nur wenig Zwischenzeit, wodurch die Regeneration minimaler ausfiel.

All das hielt den Italiener jedoch nicht auf. Im Finale gegen Nico Schoof zeigte Vizzini eine beeindruckende Leistung und schickte seinen Gegner in der dritten Runde gleich dreimal zu Boden, bevor der Kampf abgebrochen wurde. Die Euphorie war groß – ein spektakulärer Abschluss eines ohnehin ungewöhnlichen Turniers.

Der Hauptsponsor CannaZen zeigte sich derart beeindruckt von Vizzinis Auftritt, dass das Preisgeld für den Turniersieger spontan verdoppelt wurde.

„Es ist verrückt gewesen. Claudio ist vorher sechs Runden gegen einen richtig harten Hund gegangen, der einfach nicht runtergehen wollte. Ich glaube nicht, dass es viele gibt, die dann noch einmal in den Ring gestiegen wären.“, sagte GBS-Initiator Ruben Lammersdorf im Interview nach dem Turnier.

Gregor Soenius stoppt mühelos seinen englischen Kontrahenten

Hatte keine Probleme in Köln: Gregor Soenius.

Im Hauptkampf des Abends war der Köln-Zollstocker Gregor Soenius (8-0) zu sehen, der sich mit einem Sieg über Mike Hadley (6-5) in die Top 200 der Welt im Cruisergewicht vorarbeiten wollte. Hadley erschien im Vorfeld nicht als echter Gradmesser, verfügte jedoch über Kampfsporterfahrung, unter anderem im Bare-Knuckle-Bereich, und wollte Soenius mit allen Mitteln gefährlich werden.

Hadley boxte von Beginn an unorthodox, dabei jedoch langsam und offen. Soenius konnte immer wieder hart zum Körper arbeiten und seinen Gegner sichtbar beeindrucken. In der zweiten Runde folgten mehrere Niederschläge. Obwohl sich die Runde bereits dem Ende näherte, suchte Soenius konsequent das Finish – und fand es auch.

„Ich habe in der letzten Zeit mit meinem Coach dahingehend gearbeitet, dass wir etwas mehr Punch reinbekommen, dass wir tiefer stehen und so etwas herausarbeiten können“, sagte Soenius im Interview über seine neuen Finisherqualitäten.

Oussama Kebdani siegt knapp gegen einen starken Ungarn

Siegt knapp gegen Mark Balog: Oussama Kebdani.

Im Leichtgewicht war der amtierende Deutsche Meister im Superfedergewicht, Oussama Kebdani (10-1), diesmal im Einsatz. Nach einer herausragenden Leistung im letzten Kampf wollte er seine Form bestätigen und stellte sich dem Ungarn Mark Balog (4-1). Kein leichtes Match-up, da Balog über umfangreiche Amateurerfahrung verfügte, ungeschlagen war und zudem deutlich größer als Kebdani.

Kebdani begann wie gewohnt druckvoll, nahm die Ringmitte ein und setzte seinen Gegner unter Druck. Balog wich jedoch geschickt aus, vermied den Schlagabtausch und versuchte, die Distanz zu kontrollieren – was ihm zunächst nur bedingt gelang. Ab der dritten Runde fiel es Kebdani zunehmend schwerer, in die Nahdistanz zu kommen, während Balog das Tempo bestimmte. Sobald Kebdani nach vorne arbeitete, folgten häufig Clinch-Aktionen oder ein Herunterdrücken durch den Ungarn, was zusätzlich Kraft kostete.

Am Ende entwickelte sich ein enger Kampf über die volle Distanz von sechs Runden, in dem sich Balog durchaus Chancen auf ein positives Urteil ausrechnen durfte. Ein Punktrichter wertete das Duell 57-57, während die beiden anderen Kebdani knapp vorne sahen (2x 58-56). Ein Ergebnis, das Balog sicherlich nicht begünstigte, wobei auch zu berücksichtigen ist, dass er als Auswärtsboxer nur selten selbst die Initiative übernahm – ein Faktor, der häufig negativ bewertet wird.

„Er hat sich viel bewegt, es war ein unangenehmer Gegner für mich. Aber durch solche Kämpfe wachse ich – Fallobst bringt mir nichts“, so Kebdani nach dem Kampf gegenüber Boxen1.

Schnell und Schmitt erfolgreich für den Boxclub Niederkassel

Durfte sich über den neunten Profisieg freuen: Maximilian Schnell

Maximilian Schnell (9-2) war bereits im November bei GBS3 gegen Gregor Soenius im Einsatz, wo er nach einer engagierten Leistung eine Punktniederlage hinnehmen musste. Nun wollte er in Köln wieder in die Erfolgsspur zurückkehren und bereitete sich dafür längere Zeit in Thailand vor, wo er verschiedene Kampfsportimpulse sammelte. Dies führte jedoch auch dazu, dass er weniger Einheiten mit seinem Headcoach Stefan Krengel absolvierte – eine ungewohnte Situation für Schnell.

Er traf auf den Venezolaner Angel Adrian Barroso (14-16), der ebenfalls zuletzt gegen Soenius gekämpft hatte und dabei eine starke Leistung zeigte. Im aktuellen Duell fand Barroso jedoch nur selten in den Kampf. Schnell kontrollierte das Geschehen aus der Ringmitte, wirkte explosiv mit seinen Powerpunches, konnte jedoch nicht durchgehend konstant Druck erzeugen. In der zweiten Runde schickte er Barroso kurz zu Boden, der jedoch über die volle Distanz von sechs Runden ging. Schnell gewann alle Runden klar, zeigte sich im Anschluss jedoch selbstkritisch.

Für den Boxclub Niederkassel trat außerdem das Schwergewicht Lucas Schmitt (2-0) an. Sein ursprünglicher Gegner verletzte sich schwer am Kreuzband, sodass kurzfristig der Debütant Lars Staudte (0-1) aus Wiesbaden einsprang. Staudte offenbarte wenig Boxverständnis und wurde wiederholt klar getroffen, woraufhin seine Ecke den Kampf bereits in der ersten Runde durch Handtuchwurf beendete.

Mohammed Bekdash siegt vorzeitig – kommt es zum Duell mit Alexander Schürhoff?

Nächster vorzeitiger Erfolg für Mohammed Bekdash.

Im Cruisergewicht trafen zwei Debütanten aufeinander: Telson Carima (0-1) unterlag Dennis Detwiler (1-0) knapp nach Punkten. Carima zeigte gute Oberkörperbewegungen und konnte einige Angriffe abwehren, während Detwiler mit großem Kämpferherz und hoher Workrate überzeugte. Kein technisch herausragender Kampf, aber ein intensives und ehrliches Duell – ganz im Sinne der GBS.

Marc Lambertz (14-3) hatte im Halbschwergewicht wenig Probleme mit Ibrahim Yildirim (12-9). Yildirim, der eine Woche zuvor noch in Hamburg engagiert auftrat, wirkte diesmal früh erschöpft. Bereits in der dritten Runde zeigte er deutliche Ermüdungserscheinungen und blieb schließlich auf dem Stuhl sitzen.

Im Cruisergewicht setzte sich zudem Mohammed Bekdash (29-0) erneut vorzeitig durch. In der zweiten Runde traf er hart zum Körper und zwang Angel Gabriel Ledesma (13-8-1) zur Aufgabe.

GBS4 findet am 3. Oktober statt – Anmeldung zum Ticketvorverkauf

GBS4 findet am 03.10.2026 in Köln statt.

Für zusätzliche Brisanz sorgte Bekdashs Sieg auch deshalb, weil sein potenzieller nächster Gegner den Kampf live kommentierte. Alexander Schürhoff (15-1) zeigte sich unbeeindruckt von Bekdashs Schlagkraft und ließ verbal keine Zweifel an seiner Haltung. Nach dem Kampf kam es im Ring zu einem direkten Aufeinandertreffen, bei dem Bekdash seinem Kontrahenten sogar einen Schubser verpasste.

Ein mögliches Duell zwischen beiden könnte eines der Highlights bei GBS4 am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, in der XPOST in Köln werden. Um sich frühzeitig Tickets zu sichern, ist eine Anmeldung für den Vorverkauf bereits möglich.

Sämtliche Kämpfe vom vergangenen Samstag sind kostenlos auf YouTube abrufbar.

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3 Kommentare

  1. Kebdani bekam einen unverdienten Sieg zugesprochen… der Ungar Balog war klar besser….überall ausserhalb Deutschlands hätte er den Sieg bekommen.
    Eine Schande

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