Charles Martin ist neuer IBF-Weltmeister im Schwergewicht

Charles Martin gegen Vyacheslav Glazkov
Charles Martin vs. Vyacheslav Glazkov

Skurriler Sieg nach Knieverletzung von Glazkov

Nicht ganz geschenkt, aber förmlich auf dem Tablett serviert: Der Amerikaner Charles Martin (23-0-1) ist neuer Schwergewichtsweltmeister der IBF. Nach einer Knieverletzung des Kontrahenten Vyacheslav Glazkov (21-1-1) musste der Kampf in der dritten Runde abgebrochen werden. Martin bestimmte die ersten beiden Runden ehe sich Glazkov frei von jeglicher Schlagwirkung unglücklich verletzte. Martin machte daraufhin verständlicherweise einen völlig überraschten und fassungslosen Eindruck. Dass es so leicht werden würde Schwergewichtsweltmeister zu werden, hätte wohl selbst er nicht erwartet.

Charles Martin
Charles Martin

Wie lange Martin seinen Titel behalten darf wird sich zeigen. Allzu lange dürfte seine Amtszeit als Champion jedoch nicht dauern. Der stärkste Gegner seiner Karriere vor der gestrigen Weltmeisterschaft war lediglich Raphael Zumbano Love (37-12-1), mit dem er zehn Runden gegangen war, eher er in ausknocken konnte. Zum Vergleich: Jungstar Anthony Joshua (15-0-0) brauchte bei seinem Kampf gegen Love noch nichtmal zwei volle Runden.

Ein Kampf zwischen den beiden scheint sich anzubahnen, denn so unrealistisch wäre diese Kampfansetzung zwischen Champion und Jungstar nicht. Da in der offiziellen IBF-Weltrangliste lediglich Erkan Teper (15-0-0) vor dem Briten platziert ist und der Deutsche wegen eines Dopingskandals gesperrt ist, könnte Joshua womöglich Pflichtherausforderer bei der IBF werden.

Auch die Schwergewichtsboxer von Sauerland Event könnten zu einem WM-Kampf kommen. Kubrat Pulev (Platz 11) und Derekt Chisora (Platz 13) kämen sogar für die erste freiwillige Titelverteidigung in Frage. Zweifelhaft allerdings, ob Martins Management dieses Risiko eingehen wird.

Ursprünglich hatte sich Tyson Fury den Gürtel durch seinen Sieg gegen Wladimir Klitschko verdient. Die IBF erkannte Fury den Titel jedoch ab, weil er mit der Rückkampfklausel, mit der er sich gegenüber Klitschko verpflichtete, gegen das IBF-Reglement verstoßen hatte. Eine fragwürdige Methode die WM-Titel im Schwergewicht wieder auf mehrere Champions aufteilen zu wollen. Schließlich hat Team Klitschko mit der Konzipierung eines solchen Vertrages gegen die Regeln verstoßen und nicht der rechtmäßige Sieger Fury. Ebenfalls vorstellbar wäre gewesen, wenn man den IBF-Titel bei der besagten Vertragsklausel außen vor gelassen hätte. Somit bleiben Fury immerhin die gleichwertigen Titel der WBO und WBA und die IBF feiert den aktuell schwächsten Weltmeister im Dreikampf Wilder, Fury und Martin.

Ohnehin schreibt das Schwergewicht seine ganz eigenen Regeln. In keiner anderen Gewichtsklasse haben Titelvereinigungen einen so hohen Wert wie bei den schweren Jungs. Auch zwei Weltmeister (wie beim Weltverband WBA) und zusätzliche Interims-Weltmeister werden im Schwergewicht kaum wahrgenommen. In der Königsklasse des Boxens kann es eben nur einen geben. Wer das ist und wie lange sich mehrere Champions an der Spitze halten können, das wird die nahe Zukunft zeigen. Die Entscheidung fällt im Ring!

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