
Der mexikanische Boxsuperstar galt als haushoher Favorit im Undisputed-Kampf in Riad – und tat sich maximal schwer gegen den AGON-Schützling.
In der Nacht von Samstag auf Sonntag fand im „The Venue“ in Riad, Saudi-Arabien, ein großes PPV-Event statt. Im Hauptkampf sollte eines der bekanntesten Gesichter des Boxsports, Saul „Canelo“ Álvarez (63-2-2), auf den zuvor ungeschlagenen Kubaner William Scull (23-1) im Supermittelgewicht treffen. Die Ansetzung überraschte im Vorfeld etwas, da Scull lange Zeit Pflichtherausforderer von Canelo gewesen war und mehrfach übergangen wurde. Letztlich lehnte der Mexikaner eine Titelverteidigung ab und vakantierte den IBF-Titel, den Scull schließlich im Oktober in Falkensee gegen Vladimir Shishkin (16-1) knapp gewann.
Da Canelo traditionell am Cinco-de-Mayo-Wochenende boxt und bereits ein Superfight gegen Terence Crawford (41-0) im September angedacht war, wurde Scull plötzlich doch wieder interessant. Er hielt den fehlenden Titel und stellte somit das letzte Puzzlestück für einen Undisputed-Kampf mit Crawford dar. Doch die Aufgabe gegen den Kubaner sollte sich als maximal knifflig erweisen.
William Scull galt als krasser Außenseiter – und agierte dennoch auf Augenhöhe
Laut den Buchmachern war William Scull ein chancenloser Underdog. Das verwunderte, da er über eine exzellente boxerische Grundausbildung in Kuba verfügte, größer als Canelo ist und tendenziell auch schneller. Sein technisch-defensiver Stil ließ im Vorfeld bereits erahnen, dass er stilistisch ein äußerst unangenehmer Gegner für den mexikanischen Superstar werden könnte.
Und genau das bestätigte sich im Kampfverlauf. Praktisch jede Runde war eng und plätscherte phasenweise dahin. Canelo dominierte zwar die Ringmitte und ging nach vorne, doch Scull zeigte sich beweglich und ließ ihn häufig ins Leere schlagen. Zwar hatte Canelo gelegentlich Erfolg mit Körpertreffern, doch in der Nahdistanz wurde er mehrfach effektiv von Scull abgekontert – insbesondere durch Uppercuts.
Der Kampf gestaltete sich sehr ausgeglichen – und ehrlich gesagt auch zäh –, ohne dass sich einer der beiden Kontrahenten klar absetzen konnte. Scull war beweglicher und schlug insgesamt mehr, wenngleich viele seiner Schläge ihr Ziel verfehlten. Canelos Stärken lagen in der Kontrolle der Ringmitte und den Treffern zum Körper, wobei seine Offensivaktionen gegen den wendigen Kubaner oft uninspiriert und wenig durchdacht wirkten. Nach Runde 11 hatte laut Compubox sogar Scull die größere Anzahl an Treffern gelandet – das Upset lag plötzlich in der Luft!
Canelo erhält einstimmiges Punkturteil – deutsche DAZN-Kommentatoren sorgen für Verwirrung

In der zwölften und letzten Runde versuchte Canelo noch einmal, Akzente zu setzen, und landete ein paar Treffer zum Körper. Scull blieb seiner Linie treu, bewegte sich viel und enttäuschte am Ende etwas, da er in der Schlussrunde womöglich nochmal hätte offensiver agieren können. So endeten schließlich zwölf sehr ausgeglichene Runden, in denen gefühlt fast jede Runde eine 10:10-Wertung verdient gehabt hätte – etwas, das es im Weltmeisterschaftsboxen allerdings faktisch nicht gibt.
Am Ende mussten die Punktrichter ein Urteil fällen – und gaben dieses, wenig überraschend, einstimmig an Canelo: 115:113, 116:112 und 119:109. Letzteres Urteil wirkte fern jeder Realität. Zwar konnte Canelo nicht klarer überzeugen als Scull, doch als Superstar im Ring und mit dem lukrativen Mega-Fight gegen Terence Crawford im September in Aussicht war abzusehen, dass ein knapper Kampf kaum zu Sculls Gunsten gewertet werden würde. Für mehr als ein enges Gefecht reichte es bei Scull letztlich auch nicht, sodass eine knappe Punktniederlage durchaus vertretbar erscheint. Dennoch präsentierte sich der Kubaner über weite Strecken auf Augenhöhe und neutralisierte Canelo – als klarer Außenseiter – nahezu komplett.
Für Stirnrunzeln sorgte unterdessen der deutsche DAZN-Kommentar. Nahezu jede Runde wurde dort Canelo zugesprochen, während Sculls Leistung auffällig negativ bewertet wurde. So wurde unter anderem konstatiert, man habe „den Glauben an den Boxsport verloren“, weil Canelo nicht jede Runde geschenkt bekommen habe – trotz fehlender klarer Treffer. Diese einseitige Kommentierung wirkte befremdlich, gerade angesichts der Tatsache, dass Scull als Underdog den Favoriten weitgehend neutralisieren konnte, auch wenn der Kampf über weite Strecken sicherlich zäh war.
5/3 DAZN- Alvarez W 12 Scull
Canelo gets the win, but it wasn’t pretty,as they combined to throw 445 punches- the FEWEST in a 12-round fight in CompuBox history. Canelo landed 5 of 13 punches per round to 5 of 24 for Scull. Canelo had a 48-28 edge in power landed, landing 54%. pic.twitter.com/AAqHx383ni— CompuBox (@CompuBox) May 4, 2025















Scull wie Kengur 😂😂😂
Guter Artikel. Und ja, dass war bei weitem nicht so klar, wie gewertet wurde. DAZN muss zusehen, dass die Kommentatoren gewechselt werden. Man merkt zu oft, dass sich diese auf einen Kämpfer festlegen und der andere dann übermäßig schlecht geredet wird. Professionell ist etwas anderes. Gleiches im Fight von Bakole und Ajagbar. Bakole macht mehr, Ajagbar läuft nur weg, aber für unsere DAZN Fachmänner ist Bakole eine Nullnummer. Das Unentschieden ist dann ein Skandal. Natürlich.