
Bujar Tahiri im BOXEN1 Inklusiv-Interview
Bujar, Du bist 1998 im rheinland-pfälzischen Landau geboren und dort aufgewachsen. Kommst du einer sportbegeisterten Familien, ist dir das Boxen quasi in die Wiege gelegt worden?
Ja, ich komme aus einer sportbegeisterten Familie. Das Interesse am Boxen hat sich aber erst im Laufe der Jahre entwickelt. Der Grund ist ganz einfach, mein Vater wollte, dass wir uns selbstverteidigen können. So machte mein älterer Bruder den Anfang, ich und mein jüngerer Bruder zogen nach.
Kannst du dich noch an die erste Szene erinnern, in der du mit dem Boxen in Berührung gekommen bist? Wo war das?
Ich war gerade einmal sechs Jahre alt. Mein erster Verein war die Boxabteilung vom ASV Landau in meiner Heimatstadt. Für mich waren die ersten Trainings sehr anstrengend. Und ich hatte, um ehrlich zu sein, gar keine Lust darauf. Ich wollte viel lieber Fußballspielen.
Wie ging es dann aber weiter? Hast du in einem Verein in deiner Region geboxt? Wie ist deine Kampfbilanz?
Ich bin immer beim ASV Landau geblieben. Mich verbindet mit dem Verein sehr viel. Ich habe im Dress dieses Vereins viele Amateurkämpfe absolviert. Ich habe ungefähr 85 olympische Fights gemacht. Dabei bin ich mehrfacher Südwest-Meister, Süddeutscher Meister und auch Deutscher Vize-Meister geworden.
Und: Wie wichtig war für dich das olympische Boxen, etwa um eine solide Grundschule zu haben?
Du, ich hatte für das olympische Boxen nie wirklich Interesse gehabt. Ich bin da ehrlich. Ich wollte immer Profisportler werden, so wie beispielsweise Luan Krasniqi. Er ist eines meiner Vorbilder. Auch, weil ich jemand bin, der das Publikum durch seine Leistung im Ring anziehen und Hallen füllen will, wie Luan eben.
Was hat dich noch besonders gereizt, im Profizirkus mitmischen zu wollen?
Kurz gesagt, ich will sportlich im Mittelpunkt stehen, das ist meins!
Im Februar 2019 war dein Profidebüt. Wie war die Anfangszeit für dich, hast du vor allem Aufbaukämpfe bestritten? Und: Welche Entwicklung hast du genommen?
Als ich Profi wurde, hatte ich 95 Kilogramm auf den Rippen. Ich war sehr dick und eigentlich gar nicht in Form. Damals habe ich auch schon harte Kämpfe bestritten, die mir viel abverlangt haben. Kein Wunder, ich war zu der Zeit nicht wirklich fit, und das Schwergewicht ist auch nicht meine Gewichtsklasse.
Abgesehen davon, wie würdest du deinen Kampfstil beschreiben, was zeichnet dich athletisch, boxerisch aus? Anders gefragt: Was sind deine Stärken, was sind möglicherweise deine Schwächen?
Ich habe keine Schwächen. Ich kann mich jedem Gegner anpassen. Dagegen könnte ich viele Stärken aufzahlen. Etwa meine Explosivität im Ring, meine Schlagvariationen und nicht zuletzt mein aufmerksames Auge während des Kampfes, meinen Kontrahenten studieren zu können, um seine Schwachpunkte zu erkennen.
Im Juli vergangenen Jahres hast du bei Ingo Volckmann bei AGON Sports in Berlin einen mehrjährigen Profivertrag unterschrieben. Warum dort und hattest du weitere Angebote?
Ich hatte mehrere Angebote. Ich habe mich aber für AGON Sports und Ingo Volckmann entschieden, weil er für mich der einzige Promoter in Deutschland ist, der gezeigt hat, dass er Weltmeister herausbringen kann.
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Nun steht nach einer Verletzungspause ein weiterer Sprung für dich an: Dein erster Titelkampf am 17. Juli auf internationaler Bühne in Madrid. Es geht um den vakanten WBA Continental Gold-Titel. Welche Bedeutung hat dieser Fight für dich, und was weißt du über deinen Gegner Jonathan Wilson Sánchez?
Ich brenne. Ich bin bereit und freue mich zu zeigen, was ich drauf habe. Das ist das Wichtigste. Mein Gegner ist sehr stark und erfahren, aber genau solche Gegner und solche Kämpfe will ich, denn nur so kann ich unter Beweis stellen, dass ich für die ganz großen Aufgaben gerüstet bin.
Wie lief die Vorbereitung auf den Kampf, wo und wie hast du dich auf das Duell vorbereiten können?
Ich bin mit meinem Karlsruher Trainer Dominik Junge in ein intensives Sparring-Camp nach Asti in Italien gegangen. Gemeinsam mit meinem Stallkollegen Etinosa Oliha. Mein Coach hat während der Vorbereitung alles aus mir herausgeholt. Mehr noch, er hat mich zum Tiger gemacht. Mental war ich schon immer top drauf, aber nun kann uns nichts und niemand mehr aufhalten, den Titel nach Landau zu holen.
Interessant ist, dass die kosovarisch-albanische Community im deutschen Boxen sehr präsent ist. Zahlreiche Boxer hierzulande haben einen familiären Bezug in den Kosovo oder nach Albanien. Hast du eine Erklärung dafür?
Wir Albaner sind sehr erfolgreich in allem, was wir machen. Egal, was es ist, ob im Sport oder insgesamt im beruflichen Leben. Ich denke, das hat auch etwas damit zu tun, weil das albanische Volk jahrhundertelang unterdrückt worden ist, wie zuletzt im Konflikt mit Serbien. Das ist wohl ein Grund, warum uns unsere Eltern auch zu Kämpfern erzogen haben.

Ganz klar, mein Ziel ist es, Weltmeister zu werden. Und mit dem Prestige als Weltmeister möchte ich etwas zum Besseren verändern auf der Welt, auch wenn es nur eine kleine Sache ist.














